Château Saint Pierre 2008

Mit viel Potential: Château Saint Pierre 2008

Zeigt viel Potential: Château Saint Pierre 2008

Saint Pierre war bis vor kurzem mit für Bordelaiser Verhältnissen sehr übersichtlichen 17ha unter Reben nicht nur das kleinste, sondern wohl auch das unbekannteste Grand Cru aus Saint Julien. Das hat sich mit den beiden Jahrgängen 2009 und 2010 geändert, in denen man auf dem Gut zwei phänomenale Weine gefüllt hat. Leider sehen nicht nur wir das so. Auch Parker hat den 2009er mit 98 Punkten bedacht, was bei den geringen verfügbaren Mengen rasch zu einem Preisniveau von um die 100 EUR geführt hat. Mit um die 40 EUR deutlich günstiger ist da noch der Jahrgang 2008 erhältlich.

Einerseits hatte er Marco in der Arrivage nicht so gut gefallen. Andererseits hatten die Châteaux den eher schlanken Jahrgang in seiner Jugend durch massiven Neuholzeinsatz bis zur Unkenntlichkeit entstellt, so dass mir eine Nachbetrachtung gerechtfertig erschien.

In der Nase zurückhaltend, immer noch vom süßen Holz dominiert, Röstaromen, Kaffee, Kirsche, Cassis.

Elegant, gut strukturiert und und im Moment noch mit einer gewissen Strenge. Saftig mit tragender Säure, dunkle, kühle Frucht, enorm würzig, mineralisch, hat hinten raus noch ein kleines Loch, bis das präsente Tannin zum Tragen kommt.

Die Frucht ist für einen modernen Bordeaux erfreulich klar, präzise und kein bisschen diffus, ein sicheres Zeichen dafür das man bei Saint Pierre in 2008 nicht wie viele andere überextrahiert oder aufkonzentriert hat.

Der Wein ist aromatisch dicht und hält lange nach, braucht aber definitiv noch einige Jahre, bis sich alles zu einem harmonischen Ganzen fügt und er ausreichend Extrakt und Schmelz zeigt. Drei Punkte für die Zukunft, die bei diesem Wein ab 2020 beginnen dürfte.

Gekauft im Fachhandel für 35,00 EUR
Online leider nur noch Restbestände bei Aux Fins Gourmets für 48,00 EUR gefunden

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Fontodi Chianti Classico 2010

Regelmäßig und nahezu alle Jahre wieder findet der einfache Chianti Classico von Fontodi den Weg auf unser kleines Blog. Zum einen, weil er traditionell ausgebaut wird und wir ihn wirklich gerne trinken. Zum anderen, weil er aus biologischem Anbau stammt und so immer ein recht ungeschminkter Indikator für die Stärken und Schwächen des Jahrgangs in der Toskana ist.

Fontodi Chianti Classico 2010

Fontodi Chianti Classico 2010

Die Weinberge von Fontodi liegen überwiegend in der Conca d’Oro, lose übersetzt mit Goldmulde, einem amphitheaterähnlichen Areal im Süden von Panzano, sozusagen dem Herzstück des Chianti Classico Gebietes. Warum Goldmulde, wenn doch alles voller grüner Weinberge ist? Historisch wurde hier bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts nahezu ausschließlich Weizen angebaut, dem das Gebiet seinen Namen zu verdanken hat.

Aber zurück zum Wein, der schon einen Tag im Dekanter verbracht hat. In der Nase immer noch sehr zurückhaltend und reduktiv, Kirsche, hochfeine Walderdbeeren, Tabak, Leder, leicht staubiges Holz, später auch florale Noten, Veilchen.

Die stramme Säure hat sich noch nicht richtig integriert und dominiert den Wein, der sich aber ansonsten aromatisch dicht und und mit fester Struktur zeigt. Die Frucht wie immer bei Fontodi kristallklar und präzise. Sauerkirsche, rote Beeren, leicht mineralische Noten, seidiges aber prägnantes Tannin.

Erinnert mich an den jungen 2006er, der sich in seiner Jugend ähnlich gezeigt hat. Dabei hat der 2010er von allem etwas mehr, ähnlich strukturiert, weniger rustikal, etwas feiner und präziser. Wobei das Nuancen sind, der Fontodi bleibt ein echter Old School Chianti mit Ecken und Kanten, kein weichgespülter Charmebolzen.

Macht im Moment keine Freude, dürfte aber geduldiges Warten belohnen. Ich werde frühestens 2017 die nächste Flasche köpfen. Deshalb drei Punkte für die vielversprechende Zukunft.

Gekauft für 15,90 EUR bei 50second-finish.de / ab 2017

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Was die letzten Wochen den Weg ins Glas fand…Teil 1

Es ist ja nicht so, das wir in den vergangenen Wochen keinen Wein getrunken hätten. Ganz im Gegenteil. Weihnachten, Neujahr, dann eine wirklich fette Probe im Januar. Allein, es fehlte uns an der Zeit, das Alles in angemessener Form zu Papier zu bringen. Deshalb jetzt  im Schnelldurchlauf und ohne besondere Reihenfolge ein kurzer Rückblick auf die bemerkenswerteren Weine, die in den letzten Wochen den Weg in unsere Gläser gefunden haben.

Ampeleia 2010 und Marques de Riscal Reserva 1994

Ampeleia 2010 und Marques de Riscal Reserva 1994

Noch erstaunlich lebendig war die  Marques de Riscal Reserva 1994 (ggg-), wahrscheinlich dem großen Jahrgang geschuldet. Kirsche, Leder, feuchter Waldboden, am Gaumen zwar schon etwas mürbe aber immer noch  dicht, nur noch ganz feines, minimal vanilliges Tannin.

Typisch Paulliac der Pontet Canet 1990 (ggg) mit schwarzen Beeren, Bleistiftspitze, Zeder, Cigarbox, Eisen,  und Waldboden. Am Gaumen reif und etwas diffus, dunkle Frucht, reichlich Extrakt, das Tannin fast vollständig aufgelöst.

Pontet Canet 1990, Leoville Barton 2001, Tour Carnet 2006

Pontet Canet 1990, Leoville Barton 2001, Tour Carnet 2006

Nicht so richtig singen wollte der Leoville Barton 2001 (gg-ggg). Blieb auch nach ausgiebiger Belüftung sehr verschlossen und reduktiv, zeigt aber alle Anlagen eines feinen, klassischen Bordeaux. Mindestens noch 3-4 Jahre im Keller lassen.

Etwas mehr versprochen hatte ich mir von La Tour Carnet 2005 (gg+) und 2006 (gg). Beide Weine noch jugendlich und ohne jedes Zeichen von Müdigkeit, aber auch beide im Moment trotz rund 50% Cabernet Sauvignon Anteil sehr zugängliche, einfach strukturierte, wenig aufregende Merlot-Schmeichler. Der 2005er ist aromatisch dichter und hat das bessere Tannin, 2006 fällt da aber nur im direkten Vergleich etwas ab. Beiden sollte man auch noch etwas Ruhe im Keller gönnen.

Auf vergleichbarem Niveau bewegt sich Rollan de By 2005 (gg+), ein satter, kirschiger, etwas erdiger Médoc mit großartigem, leicht schokoladigem Tannin.

Stark und mit großer Zukunft der Ampeleia 2010 (ggg-gggg) mit einem für einen Super Tuscan ungewöhnlicher Blend von Cabernet Franc, Sangiovese und kleineren Teilen Carignan, Grenache und Mourvèdre. Nicht aus dem toskanischen Kerngebiet, sondern aus der Maremma. Im Moment fast überwältigend intensiv, deutet er neben der betörenden Frucht, aromatischen Dichte und dem seidigen Tannin schon Feinheit, Mineralität, Würze und Struktur eines großen Weines an. Mir ist das im Moment zuviel des Guten, aber hier sollte man sich vielleicht ein paar Flaschen weglegen und in 8-10 Jahren sehen, wie sie sich entwickelt haben. Eine echte Empfehlung für rund 26,00 EUR z.B. beim Kölner Weinkeller oder Pinard de Picard.

Demnächst geht es dann weiter mit den Roten aus einer bemerkenswerten Probe, die in jeder Hinsicht einiges zu bieten hatte.

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Château Gruaud Larose 2002

Es ist noch gar nicht so lange her: Klassischer Bordeaux in Perfektion bringt der Gruaud Larose 2002 ins Glas.

Es ist noch gar nicht so lange her: Klassischer Bordeaux mit Gruaud Larose 2002.

Die letzten zwei Wochen habe ich mich durch die Bordeaux-Niederungen des betterwine-Kellers getrunken, um etwas Platz zu schaffen und mich der Trinkfenster zu versichern. Das hat auch Spaß gemacht, aber wenig blogwürdige Erkenntnisse zu Tage gefördert. Kleine 2005er vom rechten Ufer sollte man langsam  austrinken, während die kleinen 2005er von der anderen Seite zumindest mal ihre Trinkreife erreicht haben. 2006 ist rustikal und noch zu, 2008 steckt noch im Holz und ist zu, die meisten kleineren 2009er sind immer noch in ihrer durchaus leckeren Fruchtphase.

Also alles ganz nett, aber nachdem sich die Reihen etwas gelichtet hatten sollte  zur Belohnung auch mal wieder was richtig Gutes ins Glas. Da unter der Woche keine Zeit für Dekantierorgien ist, denen ich eh nicht viel abgewinnen kann, war ich hocherfreut, als mir ein Château Gruaud Larose 2002 in die Hände fiel. Gruaud kann richtig gut sein und für 2002 ist ein guter Zeitpunkt. Und mal ehrlich, wer kann schon einem solch schamlosen Motto wie Le vin des rois, le roi des vins widerstehen? Ich jedenfalls nicht, also war  die Entscheidung rasch gefallen.

In der Nase sofort als großer klassischer Bordeaux zu erkennen, blind hätte ich den Wein  mit seiner süßen, betörenden Sandelholznote aber eher in Pessac verortet. Wird mit etwas Luft aber differenzierter, dunkle und rote Beeren, Zeder, Tabak, Lakritze und Meersaum. Am Gaumen rund, fast schon weich, guter Säurenerv, ausgewogene, zurückhaltende rotbeerige Frucht, durchaus mit Extrakt, leichte Würze, mineralisch, das eigentlich feine Tannin ist gut integriert, langer Abgang. Hier zeigt sich die einzige Schwäche des Weins, das Tannin hat eine ganz leicht unreife, grüne Note. Ansonsten ein perfekt ausbalancierter, schlanker Bordeaux und sicher eines der Highlights des Jahrgangs.

Jetzt austrinken, hält bestimmt noch ein paar Jahre, wird aber sicher nicht mehr besser.

Gekauft vor etwa drei Jahren für 26,00 EUR in Auktion / Trinkfenster jetzt – 2016
Online gefunden bei MA Wine für immer noch akzeptable 39,00 EUR

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Château Gracia Saint-Emilion Grand Cru 1999

Ein ultrararer Garagenwein aus Saint-Emilion: Château Gracia 1999

Ein ultrararer Garagenwein aus Saint-Emilion: Château Gracia 1999

Michel Gracia ist ähnlich wie Jean Luc Thunevin von Château Valandraud einer der  Garagiste Winzer der ersten Stunde. Der Spanier ist eigentlich Steinmetz in Saint-Emilion, betreibt sein kleines Weingut (in 1999 mit rund 1,8 Hektar, mittlerweile sind es immerhin schon 3ha) aber mit größter Liebe zum Detail und einem unglaublichen Qualitätsanspruch. Die Selektion ist hier so rigide, dass die Erträge selbst in guten Jahren nicht über 24hl/ha kommen, in eher mageren Jahren wie 1999 waren es sogar nur 21hl/ha. Vom Château Gracia 1999 wurden gerade einmal 5100 Flaschen gefüllt, eine für Bordeaux lächerlich geringe Menge. Ein Wein, den man also nicht jeden Tag ins Glas bekommt.

Braucht noch ein-zwei Stunden an der Luft. Öffnet sich immer mehr, die Nase ist der Hammer, macht förmlich süchtig. Kirsche, feine rote Beeren, Pflaume, leicht floral, Röstaromen, Kakao und Schokolade, manchmal Lakritze, das alles in einer fast schon burgundischen Feinheit.

Am Gaumen zeigt sich dann ein wenig die Schwäche des Jahrgangs. Nicht ganz rund, ein schlanker Wein mit schönem Säurenerv, reduktive Kirsche, Himbeere und etwas Blaubeere, entwickelt mit mehr Luft sogar eine gewisse verführerische Süße, kreidig-kalkige Mineralität. Im Abgang immer noch merkliches und mundfüllendes, aber auch extrem feines, staubig-schokoladiges Tannin. Ohne Frage ein Wein, der bei jedem Schluck Klasse und pure Eleganz ausstrahlt. Und erst die Nase….

Leider hat der Jahrgang hier Größeres verhindert, so dass der Weinbuchhalter nur mäßige drei Punkte notieren kann. Chateau Gracia ist ultrarar und entsprechend sportlich sind die Preise für die aktuellen Jahrgänge. Den 1999er würde ich jetzt austrinken, besser wird er nicht mehr.

Gekauft für 56,00 EUR in einer Auktion / 2009 z.B. bei Unger Weine für 147,50 EUR

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Chateau Capbern Gasqueton St. Estèphe 2010

Ein wirklich guter Wert.

Ein wirklich guter Wert. Wandelt gekonnt zwischen Klassik und Moderne.

In letzter Zeit habe ich einige rote Bordeaux aus dem Jahrgang 2010 verkostet, mit besonderem Augenmerk auf die Preisklasse unter 20 €. Einiges hat mir gut gefallen, aber nichts hat mich wirklich umgehauen.

Glücklicherweise wurde ich dann von einem Bordeauxliebhaber auf dieses Chateau aufmerksam gemacht, das in den Jahrgängen vor 2008 noch nicht wirklich in Erscheinung getreten ist und mir gänzlich unbekannt war. Wenn man den einschlägigen Weinbewertungen trauen darf, war der Weine bis dato einfach nicht wirklich gut. Das hat sich mit dem 2009er Jahrgang zum Besseren geändert. Und auch der 2010er, den ich während ich schreibe im Glas habe, beeindruckt mich durch eine beachtliche Substanz und Grand-Cru-Classé-verdächtige Stilsicherheit und Feinheit und ist einer Empfehlung als Wein des Monats mehr als wert.

Eigentlich ist das kein Wunder. In prominenter Nachbarschaft von Calon-Ségur und Meyney auf den besten Terroirs von St.Estèphe gewachsen, ist auf diesem Chateau großes Potenzial vorhanden. Nicht nur wegen der geografischen Nähe ist der Capbern Gasqueton quasi ein kleiner Calon-Ségur. Er gehört zu dessen Besitz seit langem dazu und wird auch von dessen Team vinifiziert. Vielleicht ist er nicht ganz so konzentriert und reifefähig wie das bekannte Grand-Cru-Classé, in 2010 zeigt er aber neben der St. Estèphe-typischen Festigkeit eine schmeichlerische Reife und delikaten Schmelz.

In der Nase verrät sich zuerst seine Jugend. Edle Röstaromen nach Kaffee und feine ätherische Noten vom Holz stehen noch etwas im Vordergrund, sie machen an der Luft aber recht schnell Platz für erdige Töne und tiefgründige Aromen von schwarzen und roten Beeren. Feine Tabaknoten. Etwas Süßholz. Summa summarum nicht mehr und nicht weniger als ein herrlicher Duft mit Klasse und Eleganz.

Das folgende Geschmackserlebnis erfüllt die olfaktorische Vorfreude vollends. Zwar ist der Capbern Gasqueton noch recht fest, zugleich zeigt er sich mit zunehmender Belüftung aber ungemein feinsaftig und elegant. Seine dunkelbeerige Frucht ist reif und präzise gewoben. Das Tannin ist präsent, dabei sehr gut eingebunden. Eine knackige Säureader schafft Trinkfluß. Spielt spannkräftig zwischen gaumenfüllender Wärme und mineralischer Kühle und zeigt eine beeindruckend fokussierte Länge.

Wenn man ihn blind vorgesetzt bekäme, würde man ihn locker für ein Grand-Cru-Classé halten und sicher deutlich mehr bezahlen, als er auch jetzt noch im Handel kostet.

Vergleicht man ihn mit unseren Verkostungen anderer 2010er Bordeaux, steht er auf einer Stufe mit Chateau Le Reysse aus dem Médoc.

2-3 Jahre Lagerung dürften ihn weiter nach vorne bringen. Wer ihn jetzt öffnet, dürfte aber nicht enttäuscht werden, sollte dann jedoch die Karaffe bemühen oder zumindest ausreichend belüften.

Trinkfenster: 2015-2023+, 19,50 € bei www.moevenpick-wein.de

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Domenico Clerico Langhe Rosso Arte 2007

Das modernistische Flaggschiff von Domenico Clerico: Arte 2007

Das modernistische Flaggschiff von Domenico Clerico: Arte 2007

Während die Barolos von Domenico Clerico zwar immer noch modern und mit relativ viel neuem Holz ausgebaut werden, hat der ehemalige Rebell und heutige Altmeister schon längst  eine einmalige und individuelle Balance für die meisten seiner Weine gefunden, die Moderne und Tradition miteinander verbindet. Das klingt erst einmal verdächtig nach Marktetinggewäsch. Aber man erkennt, wie wahr das wirklich ist, wenn man einmal den Domenico Clerico Langhe Rosso Arte 2007 im Glas hatte. Gegenüber seinen feinen, tiefgründigen Barolo ist das nämlich ähnlich subtil wie ein Schlag ins Gesicht mit einem Backstein…

Der Arte wird seit den frühen 1980er Jahren hergestellt und ist immer das modernistische Flaggschiff des Winzers geblieben. Eine Cuvée aus 90% Nebbiolo und 10% Barbera, Mazeration im Rotofermenter, 18 Monate im neuen Holz.

Entsprechend präsentiert sich der Wein : Für einen Nebbiolo tiefdunkel im Glas, in der Nase intensiv, sehr dicht aber auch etwas unsortiert, nicht wirklich harmonisch. Jahrgangsbedingt hochreif, Pflaume, süßer Rumtopf, verbranntes Gummi, Teer, Tabak, Leder. Auch am Gaumen sehr druckvoll und aromatisch dicht, strukturiert mit ordentlicher Säure, was sicher der Barbera zu verdanken ist, Pflaume, dunkle Kirsche, süßes Extrakt, etwas erdig, im Abgang kräftiges und lang nachhaltendes, bitterschokoladiges Tannin, Röstaromen.

Das klingt gar nicht so schlecht, ist es objektiv betrachtet wohl auch nicht. Wer moderne Weine mag, kommt hier sicher auf seine Kosten.  Aber wie würde der Engländer sagen: Not our cup of tea. Von allem zu viel und ganz ehrlich, es gibt einfach unzählige Rebsorten, die für solch fette Weine besser geeignet sind als die arme Nebbiolo.

Im Moment noch ein wenig zu jung und wohl in  3-4 Jahren in Bestform.

Gefunden bei Wagner’s Weinshop für 35,00 EUR

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Mehr als eine Handvoll kleine Piemonteser – Dolcetto, Barbera und Nebbiolo von Bartolo und Giuseppe Mascarello, Bruno Giacosa, Brovia und Luciano Sandrone

Für die Stammleserschaft wenig erstaunlich geht es uns dabei nicht um die Piemonteser Bullen. Anbetungswürdige Tiere, gar keine Frage. Aber das Thema heute sollen die vermeintlich kleineren Weine des Piemont sein, Dolcetto und Barbera – ein Nebbiolo d’Alba hat sich auch noch eingeschlichen. Keine große Vergleichprobe, sondern eher eine kleine informelle Expedition durch den betterwine Keller.

Luciano Sandrone Nebbiolo d'Alba Valmaggiore 2008

Luciano Sandrone Nebbiolo d’Alba Valmaggiore 2008

Für mich ehrlich gesagt etwas unspektakulär der Luciano Sandrone Nebbiolo d’Alba Valmaggiore 2008 (gg+). Der Wein wird auf der “falschen” Seite des Tanaro angebaut, eine relativ neue Anlage, dicht bestockt, Ertrag reduziert auf unter 30hl/ha. Ungewöhnlich aber trotzdem klar als Nebbiolo zu erkennen, warme, süße Frucht, weniger Kirsche,  in der Nase, eher Erdbeere und Himbeere, später auch Minze, ein wenig Rosen, sauberes Tannin im Abgang, kein merkliches Holz. Eher Barbaresco als Barolo, aber definitiv auf der feinen Seite. Vielleicht einfach noch ein paar Jahre liegen lassen, Substanz genug hat er.

Brovia Dolcetto Vignavillej 2009 & Bruno Giacosa Falletto Dolcetto d'Alba 2010

Brovia Dolcetto Vignavillej 2009 & Bruno Giacosa Falletto Dolcetto d’Alba 2010

Großartig der Dolcetto Vignavillej 2009 von Fratelli Brovia (gg+). In der Nase eher zurückhaltend, viel Kirsche, süßes Pflaumenkompott und eine Idee von Mandel. Am Gaumen sehr rund, dicht und extraktreich, fruchtbetont, Kirsche, Pflaume, etwas Bitterschokolade, erdig, im Abgang nur leicht adstringierendes Tannin, Mandeln im Nachgang. Besser als 2008.

Jünger, und druckvoller der Dolcetto Falletto di Serralunga d’Alba 2010 von Bruno Giacosa  (gg). Kirsche, pikante rote Beeren, etwas vegetabil in der Nase.
Schlank, kühl, fast schon streng, rotfruchtiger, mit mehr Säure und Druck als der Brovia 2009, leicht mineralische Würze, erdig, Mandel, merkliches aber sehr gutes Tannin im Abgang. Guter Trinkfluß, animierend.

Spannend der Giuseppe Mascarello Dolcetto d’Alba 2010 (ggg). Sehr interessante Nase mit Lavendel, Veilchen, Pflaume und Kirsche. Dicht, einerseits üppig und rund aber auch mit einer inneren Spannung. Kirsche, Pflaume, zurückhaltende Würze, perfektes, feinkörniges Tannin, das leicht bittere, exquisite Mandelaroma im Abgang hält lange nach. Viel besser geht Dolcetto nicht.

Bartolo Mascarello Barbera d'Alba San Lorenzo 2008 vs. Luciano Sandrone Barbera d'Alba 2008

Bartolo Mascarello Barbera d’Alba San Lorenzo 2008 vs. Luciano Sandrone Barbera d’Alba 2008

Absolut genial der Bartolo Mascarello Barbera d’Alba Vigna San Lorenzo 2008  (ggg-). Direkt aus der Flasche blutig, amtlicher Bret-Stinker, Kirsche, balasamisch-würzige Noten, Lakritze, Leder. Am Gaumen mit knackiger Säure, frisch, dichte und dunkle Frucht, Schwarzkirsche, Pflaume, pikante Würze, die lange nachhält, praktisch kein Tannin. Runder, intensiver und  unverfälschter Barbera von einem der großen Traditionalisten des Barolo.

Deutlicher von der Säure dominiert und etwas unharmonisch ist der Luciano Sandrone Barbera d’Alba 2008 (gg-). In der Nase würzig, balsamisch, Gewürznelke, dunkle Kirsche,  Pflaume, leicht dropsig, zurückhaltende Holznoten. Spült ordentlich, die dunkelkirschige Frucht kommt da nicht ganz gegen an, etwas laktisch, kein nennenswertes Tannin, die Säure hält nach. Perfekter Essensbegleiter.

Zugegeben, dass hier sind jetzt keine Wald- und Wiesen Weine sondern alles große Namen. Deshalb erstaunt die hohe Qualität nicht wirklich. Alle Weine sollten im Handel unter 20, die meisten um die 15,00 EUR erhältlich sein. Dolcetto und Barbera kann man sehr jung trinken, sind also ganz besonders, aber natürlich nicht nur, für Weinfreunde ohne Keller zu empfehlen.

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Burgunderprobe: Lafarge Volnay 2006, Bertagna Vougeot Premier Cru Clos de la Perriere 2008, Nicolas Potel Gevrey-Chambertin Premier Cru Les Champeaux 2006, Paul Schumacher Marienthaler Trotzenberg 2009, Henrik Möbitz Ölberg 2009

Jede Menge guter Stoff: Burgunder von Lafarge, Bertagna, Potel, Möbitz und Schumacher.

Jede Menge guter Stoff: Burgunder von Lafarge, Bertagna, Potel, Möbitz und Schumacher.

Über das Thema unserer jüngsten Probe mussten wir nicht lange nachdenken – Burgunder sollten es sein. Das Feld war bunt gemischt, mit Lafarge und Bertagna hatten wir zwei große Domaines am Start, Nicolas Potel hatte uns bisher auch selten enttäuscht. Als Ergänzung dazu gab es mit Henrik Möbitz und Paul Schumacher zwei deutsche Spätburgunder, die sehr burgundisch daherkommen.

Der Nicolas Potel Gevery-Chambertin Premier Cru Les Champeaux 2006 (gg-, austrinken) war leider der mit Abstand schwächste Wein der Probe. Schon sehr weit entwickelt, das konnte man auch sehen. Rustikal und etwas unreif,  grünes Tannin, die rotbeerige Frucht schon arg gezehrt. Kann man zwar trinken, hat uns aber nicht wirklich glücklich gemacht.

Eher noch zu jung war der Domaine Bertagna Vougeot Premier Cru Clos de la Perriere 2008 (ggg, jetzt bis 2018).  Modern ausgebaut mit viel neuem, ätherischem Holz, Waldbeeren, Kirsche ,Cassis, Waldboden. Auch am Gaumen moderner Stil, für den Jahrgang dichte Frucht, trotzdem elegant und rund. Wird dann am zweiten Tag zugänglicher, fast schon opulent und mit feinem Schmelz. Unbedingt vorher dekantieren, dann geht’s auch schon heute und noch mindestens 5 Jahre.

Für uns der Wein der Probe war der Domaine Lafarge Volnay Villages 2006 (ggg+, jetzt – 2020). Das war schon ziemlich großes Burgunder-Kino. Anfangs auch noch verschlossen und abweisend, blühte er nach einer guten Stunde im Dekanter geradezu auf. Eine genial vielschichtige und feinduftige Nase mit generöser Süße, die ständig changiert und frei von jeglichem störenden Holzparfum ist. Pur und filigran im Ausdruck wie man es leider auch im Burgund nur noch viel zu selten findet. Am Gaumen dann einfacher strukturiert, schöne Säure, feine rotbeerige Frucht, im Abgang immer noch sehr kräftiges Tannin. Ein Volnay wie er im Buche steht.

Die beiden deutschen Spätburgunder konnten sich gut gegen die starke Konkurrenz behaupten. Der Pinot Noir Ölberg 2009 von Henrik Möbitz (ggg, 2015-2020) bestätigte unseren guten Eindruck vom vorigen Monat. Feine rote Frucht, Cassis, Pinot-Würze  und dezentes, süßes Holz. Am Gaumen saftig und kraftvoll mit erstem süßen Schmelz, aber immer noch verschlossen. Dürfte in 2-3 Jahren echte Größe zeigen.

Enigmatisch der Paul Schumacher Marienthaler Trotzenberg 2009 (ggg, 2017+) von der Ahr. Der Wein changiert stark und verschließt sich dabei immer wieder, sollte dringend noch einige Jahre im Keller verbleiben. Ein kantiger Typ, runder, druckvoller Gaumen mit gutem Säurenerv, im Moment noch verhaltener Frucht, erdig, Bitterschokolade, Lakritze und pikantes Tannin. Das Holz ist vielleicht nicht ganz optimal für diesen Jahrgang gewählt, aber alles in allem ein Wein mit großem Potential.

Unbedingt empfehlen möchten wir den Domaine Lafarge Volnay Villages. Das ist der feine, pure und unverfälschte Ausdruck Burgunds, unverwechselbar Volnay, Pinot Noir wie er sein sollte. Den 2006er haben wir für 39,90 EUR beim Kölner Weinkeller gekauft, wer noch mehr Geduld mitbringt, sollte sich den 2009er für den gleichen Preis weglegen.

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Domaine Roger Belland Santenay Beauregard Premier Cru 2010

Häufig unterschätzt: Die Weine aus den Randgebieten wie Santenay bieten ein exzellentes Preis/Leistungsverhältnis. Das gilt auch für den Santenay Premier Cru Beauregard 2010 von Belland.

Häufig unterschätzt: Die Weine aus den Randgebieten wie Santenay bieten ein exzellentes Preis/Leistungsverhältnis. Das gilt auch für den Santenay Premier Cru Beauregard 2010 von Belland.

Beauregard ist eines der besseren Premier Crus in Santenay und genießt einen fantastischen Blick auf die Saône, daher auch der Name. Steiniger Lehmboden mit relativ hohem Kalkanteil, die rund drei Hektar von Belland sind mit mindestens 30 Jahre alten Reben bestockt.

In der Nase klar und sehr fein, vielschichtige rote Waldbeeren, subtile Würze, weißer Pfeffer, leicht florale Noten, ganz zurückhaltender Holzeinsatz.

Am Gaumen mit typischer strammer 2010er Säure, die sich aber jetzt schon gut integriert hat. Klare, präzise Frucht, Walderdbeeren, Himbeere, schöne Extraktsüße, Pinot-Würze, etwas pfeffrig, mineralisch. Feines, unauffälliges Tannin im recht langen Abgang, das dem Wein seine Struktur verleiht. Alles in allem sehr rund, ein typischer 2010er mit hoher Säure, der durch seine Transparenz, Klarheit , Frische und Präzision besticht.

Gekauft für 18,90 EUR direkt in Frankreich
Trinkfenster jetzt noch in der Fruchtphase und dann wieder 2017-2021

Da ich die 2010er bisher online nicht gefunden habe, hier ausnahmsweise mal eine Liste aller Bezugsquellen in Deutschland.

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