Weinempfehlungen im Restaurant oder Gestern beim Italiener

Ja genau: Klischees müssen bestätigt werden.

Was uns gestern bei einem in Köln angesagten Italiener als Roteweinempfehlung angeboten wurde, war allerdings, in jedem Fall, mindestens bemerkenswert.

Nicht, daß ich etwas gegen Glühwein habe. Aber den hatte ich ja nicht bestellt, und schon gar nicht lauwarm.
Wunderbar künstlich schmeckte die ganze Sache. Da wurde bei der Weinbereitung unseres offenen Roten der Chemieschrank weit geöffnet, um uns Anfang April noch mal ein weihnachtliches Erlebnis zu verschaffen.
Denn auch angefaulte Trauben haben ein Recht darauf in die Flasche zu kommen!

Also: Weinempfehlungen in Restaurants werden aus verschiedenen Gründen gemacht.

Bestenfalls handelt es sich um einen sehr guten Wein (gut!), den man, möglicherweise günstig eingekauft (noch besser!) , dem verehrten Gast zu einem angemessenen Preis (ideal!), kredenzen möchte, um diesem eine Freude zu bereiten.

Oder man hat irgendwelche Kellerleichen von 1983 entdeckt, die man schon abgeschrieben hat, aus denen man aber noch Profit schlagen möchte (“Wunderbar gereift!”).

Oder man hat den letzten Fusel für 2,- € (oder weniger) die Flasche eingekauft, und freut sich, daß Gäste freiwillig 4,- pro Glas zahlen.

Oder man hat einfach gar keine Ahnung von Wein. Da kann es dann in alle Richtungen ausschlagen (hängt dann vom Weinhändler ab).

Im Übrigen habe ich schon von einem Sternerestaurant gehört, wo die Reste der vorabendlichen Edelweinprobe, zusammengeschüttet, als offener Wein an der Bar ausgeschenkt wurden. Auf Nachfrage der Gäste am Tisch, ob man den vorher genossenen Wein nun auch flaschenweise bekommen könne, wurde auf den Chef-Sommelier, der sich das ganze Manöver ausgedacht hatte, verwiesen, der, herbeigeeilt, daraufhin elegant die Kurve bekommen mußte. (“Leider aus!”)

Wunderbar war auch unlängst eine Situation, in der ich einen offensichtlich oxidierten Wein zurückgehen ließ, worauf die Chefin des Restaurants mit der Flasche an unseren Tisch zurück kam und ihre Empfehlung hartnäckig zu verteidigen suchte: “Der muß noch atmen!”. Nein, das muß ein überlagerter Chianti sicher nicht!

Wie Ihr seht, sind Weinmpfehlungen immer mit Vorsicht zu genießen. Folgt man diesen, liegt man öfter falsch als richtig.
Wenn Ihr ein Restaurant nicht kennt, solltet Ihr vielleicht eher die Finger davon lassen.
Ich jedenfalls habe mich danach ans leckere San Pellegrino gehalten.

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