Capital Vorverkostung Riesling 2010 bei Les Amis du Vin Köln

Nicht, daß die Weinbörse in Mainz schon anstrengend genug gewesen wäre, hatte ich am Dienstag dann noch das Vergnügen kurzfristig bei der Vorverkostung für die Zeitschrift Capital einspringen zu dürfen.
Um es vorab zu sagen: Ich hatte eine sehr schöne Probegruppe erwischt. Zusammen mit u.a. Andreas Durst (Weinfotograf) und Stefan Bieber (Kellermeister R.Weil) probierten wir zu sechst, konzentriert und in offener Diskussion die Weine.

Wie das Schicksal so spielt, hatten wir die Aufgabe in den Kategorien Riesling trocken/Gutsriesling 2010 und restsüße Riesling-Auslese 2010 an den Start zu gehen, um das Feld der eingesandten Weine in einer Blindprobe auf eine finalwürdige Zahl zu reduzieren.

Dabei zollten wir jedem Wein die nötige Aufmerksamkeit, um auch den dezenteren Vertretern, die nicht oder noch nicht mit Posaunenschall aus dem Glas sprangen, eine Chance zu geben. Bei zu großer Abweichung unter den einzelnen Verkostern folgte eine reghafte Diskussion. Soviel Zeit muß sein! Daher waren wir wohl auch das langsamste Verkostungsteam.

Positiv aufgefallen ist, daß in der Summe keiner der angestelleten Weine wirklich fehlerhaft war. Das spricht für das allgemeine Niveau der deutschen Rieslingproduzenten.

Angesagtes Ziel war es, unter den trockenen Rieslingen diejenigen zu selektieren, die einen schönen Trinkfluß haben, Sortentypizität, Klarheit und Struktur, so wie es sich für den Basisriesling eines Weingutes gehört.

Einiges, was wir verkosteten, kam doch recht grobschlächtig daher. Die Säure ist halt das Thema des Jahrgangs. Auch mangelte es vielen an Konzentration und Finesse.
Vereinzelt trafen wir aber auch auf Premiumqualität, die das Niveau eines Basisweins deutlich übertrafen. Diese haben, so war unser Konsens, damit aber nichts in der Kategorie Basisriesling zu suchen, und wurden eher kritisch betrachtet. Schließlich hat auch ein Grand-Cru nichts auf einer Landweinprobe zu suchen, oder? D.h. nicht, daß reifere Typen keine Chance hatten, solange sie dabei noch “flüssig” blieben.
So ist uns, glaube ich, eine schöne Vorauswahl über die Bandbreite verschiedener Stilistiken und Herkünfte gelungen.

Insgesamt bietet der Jahrgang 2010 schlanke trockene Basisrieslinge, mit eher grüner Aromatik, von denen Einige durchaus sehr gelungen sind. Man muß Sie halt nur finden.

Bei den restsüßen Auslesen war das Feld sehr gut und einige boten eine unglaubliche Spannung und geniale Klarheit. 2010 ist, wegen der hohen Säurewerte, ein sehr guter Jahrgang für restsüße Weine.
Auch in dieser Kategorie waren einige deplazierte Vetreter dabei, die als BA sicher einen guten Stand gehabt hätten, die für das Prädikat Auslese aber eindeutig zu dick waren.

Die gesamte Verkostung umfasste 120 trockene Rieslinge und 65 Auslesen und war vorbildlich organisiert.

Danach gabs ein kühles Becks-Gold. Was für ein Genuß !! 🙂

Verkostung der Siegerweine

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