Jeder feiert Ostern auf seine Art…

und was lag da näher als Marcos Besuch in heimatlichen Gefilden in bester dionysischer Art an Karfreitag mit einigen guten Flaschen aus dem Keller zu begießen. Neben zwei älteren weißen Risikoflaschen sollte es mal wieder gereifter Bordeaux sein. Also bei eigentlich schon sommerlichen Temperaturen um die 27 Grad auf die Terrasse in den Garten. Viele Leute halten Rotwein im Sommer für unpassend und weichen –  notgedrungen – auf Rosé oder Weißwein aus. Kann man, muß man aber nicht. Unser Tipp: Den Roten einfach etwas kühler auf den Tisch bringen und die Flaschen danach immer schön im Schatten halten. Wird es noch wärmer, kann man auch mit Coolern experimentieren. 16-17 Grad sind optimal.

Den Anfang machte ein 1989er Chablis Premier Cru Beauroy von Bersan et Fils – eine Trouvaille von unbestimmter Herkunft eines Arbeitskollegen. Zwar noch trinkbar, aber leider ohne großen Genuß. In der Nase Banane, Petrol und eine leichte Mineralität, ausgeprägte Stallnoten. Am Gaumen kaum mehr Frucht, müde Säure und viel Holz im dünnen Abgang.

Während wir köstliches Fleisch, Würste und Lamm direkt vom Grill hatten, war es Zeit für den Bordeaux-Flight. Ducru-Beaucaillou 1989 aus einer perfekten Flasche war Anfangs noch verschlossen und changierte stark. Dann in seiner stärksten Phase nach rund acht (!!!) Stunden Belüftung. In der Nase typisch St. Julien: Mineralisch, viel Meersaum, Jod, Eisen, aber auch noch dunkle Johannisbeere, Zedern. Am Gaumen mit immer noch tragender Säure, einem Kern aus unglaublich süßer, reifer und mürber dunkler Frucht, vollständig aufgelöstes Tannin, hält lange nach. Ein sehr harmonischer und filigraner Wein mit tollem Trinkfluß. Sicher jede Suche wert und hat noch jede Menge Leben in sich (gggg).

Anschließend gab es zwei Weine aus dem Milleniumsjahrgang: Chateau Monbrison 2000 war ein eher untypischer Margaux: Anfangs mit floralen Noten, später Veilchen, ätherische Noten, Eukalyptus, rote Früchte. Am Gaumen mit guter Säure, fast noch jugendlichem Tanningerüst, stellenweise erdig-rustikal, leicht mineralische Noten. Tolle Frucht, viel Cassis und Kirsche, mit guter Länge. Eine schöne Mischung aus bodenständigem Médoc-Wein und der Finesse eines Margaux (ggg). Der WOTN (Wine of the Night) war fraglos der Chateau Pontet-Canet 2000. Das war Pauillac in Reinkultur, wenn auch noch ein wenig zu jung genossen: Schon sehr offen in der Nase, Cassis, tiefschwarze Früchte, Zedernholz, Tabak, Graphit, Mineral, Wildbret. Ein im besten Sinne asketischer Terroir-Wein mit immer noch sehr präsenter Säure und tragendem Tanningerüst, sehr primärfruchtig mit viel Cassis und Cranberries aber schon mit ersten Sekundäraromen. Perfektes Holz, langer Abgang mit leichter Bitterschokolade. Der Wein ist sehr harmonisch, konzentriert, in perfekter Balance und wird in den nächsten 10-15 Jahren sicher noch besser (gggg).

Ja, es war Kindermord aber gelohnt hat es sich trotzdem: Zum Vergleich gab es noch eine Flasche Pontet-Canet 2006. Wie zu erwarten auch nach jeder Menge Luft noch sehr primär, reduktiv und verschlossen. In der Nase ein unglaubliches Cassis-Konzentrat, Kirsche, Brombeere und Zeder. Am Gaumen kühl, trotz seiner Jugend schon eine feine Balance, hochkonzentrierte Frucht, langer Abgang mit deutlichen Vanillenoten. Der Wein ist schon gut trinkbar, aber ist natürlich noch weit von optimal entfernt. War bei einem  Nachfassen zwei Tage später immer noch in bester Form, also am besten ab 2018 und dann noch eine lange Zeit (ggg jetzt, gggg für das Potential).

Zuletzt galt es dann noch eine Frage von Nerd-Rang zu beantworten: Welcher Jahrgang ist besser: Fontodi Chianti Classico 2006 oder 2007? Beides sind Ausnahmejahrgänge in der Toskana, und Marcos Loblied auf den 2007er könnt ihr hier nachlesen. 2006 sollte nominell stärker sein, war aber bei unseren Verkostungen immer etwas ruppig und reduktiv. So auch diesmal: Während der 2007er mit üppiger, hedonistischer Kirschfrucht, schöner Säure und schon jetzt gut integriertem Tannin und langem Abgang mit Bitterschokolade punktet, blieb der 2006er dagegen bei ähnlicher Charakteristik weniger fruchtig, verschlossen und sperrig. Ich habe beide Weine in den Folgetagen nachprobiert: Während der 2007er später seine Struktur verliert und nur noch säuerlich und fruchtig-breit bleibt, entwickelt sich der 2006er Jahrgang zu einem feinen,  ausbalanciert-harmonischen Chianti, der aber wohl nie die Fruchtigkeit seines Bruders erreichen wird. Sicherlich interessant, die Entwicklung beider Weine über die Jahre zu beobachten (beide ggg, aber 2007 hat im Moment die Nase klar vorne).

Zum Abschluß dann die zweite Risikoflasche: Eine 1971er Auslese von der Mosel direkt aus dem Keller des Winzers. Leider kein Wein mehr, sondern eine faszinierende Sherry-Variante. In entsprechenden homöopathischen Mengen sogar lecker, aber flaschenweise nicht wirklich zu genießen.

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