Beim Italiener in der Etappe

Ich hätte stutzig werden sollen, also ich an der Wand im Gastraum den Sinnspruch “Das Essen schmeckt am besten, wo Liebe den Tisch deckt” sah. Aber von vorne: mein lieber Cousin hatte mich zu einem Italiener in seiner Nachbarschaft eingeladen. Der Tag in der Firma war stressig, ich hatte noch nichts gegessen und konnte daher kaum Gegenwehr leisten. Vor meinem geistigen Auge tanzten ein Teller Vitello Tonnato und leckere Spaghetti Carbonara. Also die 30 Kilometer von Luxembourg nach Konz gefahren, wo mich der Cousin schon strahlend inklusive seiner jüngsten Tochter erwartete.

Das Restaurant war nicht besonders gut besucht, aber  es war ja auch mitten in der Woche. Die Bedienung war nett, ein italienischer Familienbetrieb. Dann die erste Enttäuschung: Kein Vitello. Nein, nie. Und ab dann ging es weiter talwärts: Die Abteilung Wein war dünn besetzt, namen- und jahrgangslose Chianti, Chianti Classico, Barbaresco und Valpolicella. Der Chianti Classico war zwar mit 15,90 auf der Flasche günstig, hat aber auch so geschmeckt. Ein dünnes Holzwässerchen, kaum Säure, wenig Frucht. Meine Carbonara kam recht zügig, leider gute 10 Minuten vor den Speisen für den Rest des Tisches. Mir war auch schnell klar, warum die so schnell zubereitet war: hier ist die Mikrowelle des Kochs bester Freund. Die Nudeln waren innen matschig und außen hart, die Carbonara war mitnichten frisch und hat noch nie auch nur ein Ei gesehen – fertige Tütenware, schnell aufgewärmt. Für 9,00 EUR eine Frechheit. Da passte es bestens, das die Kinderpizza so scharf war, dass das arme Mädchen kaum einen Bissen runterbekommen hat, die Pizzateller für die Erwachsenen waren zu klein.

Mein Cousin, der nicht umhin kam, meinen Unmut zu bemerken, lud mich dann noch zu einer guten Flasche Wein zu sich nach Hause ein. Schlimmer kann es ja nicht mehr werden, dachte ich, bis ich die Kühlschranktür hörte und das typische Geräusch eines Schraubverschlusses. So endete der Abend mit einem undefinierbaren Rotwein (jawoll, auf der Flasche stand tatsächlich nur Rotwein), serviert bei 5 Grad. Wohl bekomms!

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