Muß guter Wein teuer sein? Teil 2: Basisweine

Nachdem wir im ersten Teil dieser Mini-Serie über die Preis-Kurve gesprochen haben, begeben wir uns heute an den Fuß dieses Berges: Wie finde ich gute Basis-Qualitäten, also solide Alltagsweine, die sortentypisch sind und, soweit wie möglich, das Terroir oder zumindest die Eigenheiten des Anbaugebietes wiedergeben? Als weinbegeisterter Neueinsteiger solltet ihr auf diese Punkte achten:

a) Nicht mehr als 7-8 Euro pro Flasche ausgeben. Den Großteil eurer Weine dürftet ihr sogar für 5-6 Euro finden.

b) Weine kaufen, die keiner Lagerung bedürfen. Die Weine dürfen in dieser Preisklasse gerne ein paar Jahre lagern können, sollten aber sofort und ohne große Spielchen wie dekantieren direkt auf den Tisch können – Pop and Pour würde der Engländer sagen.

c) Sich auf die Regionen beschränken, die in dieser Preisklasse auch wirklich guten Wein machen: Das heißt Au revoir Burgund, Bordeaux oder Bandol, Ciao Chianti Classico oder Barolo und auch Nein zu Spätburgundern von der Ahr.

d) Bitte nicht im Supermarkt suchen. Das heißt nicht, das es dort nicht vielleicht auch den einen oder anderen trinkbaren Wein gibt. Hier findet sich aber ein gigantisches Minenfeld an sogenannten massenmarktkompatiblen Weinen à la Yellow Tail: Das ist der kleinste gemeinsame Nenner und hat wenig mit richtigem Wein zu tun: Das ist Fruchtsaft mit Zucker und Alkohol – die Kopfschmerzen sind inklusive.

e) Probieren! Es klingt banal, aber es gibt nichts besseres als Weine – nach Möglichkeit mit fachkundiger Begleitung – vor dem Kauf zu probieren. Schaut euch um, welche Weinhändler eure Stadt zu bieten hat und trinkt euch dort durch die Basissortimente. Für die meisten Weinhändler ist das Geschäft auch gleichzeitig Passion – in einem guten Weinladen kann man immer probieren und bekommt Hilfestellung vom Patron.

f) Wer die Möglichkeit nicht hat, weil er auf dem Land wohnt, sollte trotzdem den Supermarkt meiden: Sucht euch einen guten Online-Händler und ordert dort von den Weinen, die interessant klingen, je eine Flasche. Nicht mehr, nachbestellen könnt ihr immer noch. Weine, die gerade transportiert wurden, sind gestresst und leiden an Bottle Shock. 10-14 Tage (bei einfachen Weinen) liegen lassen und erst dann trinken. Probiert die Weine dann mit interessierten Freunden und tauscht euch aus – so fällt es leichter, den eigenen Geschmack zu definieren.

g) Finger weg von der Wein-Mafia. Bei den üblichen Verdächtigen, die aggressiv auf Messen, mit Mailings und per Telefon werben, niemals Wein kaufen. Die Plörre ist meistens  nicht trinkbar, und falls doch, immer hoffnungslos überteuert.

h) Nicht zuviel kaufen – das passiert immer gerne in der ersten Euphorie. Fragt euch, wieviel Flaschen Wein ihr tatsächlich pro Woche trinkt? Bewirtet ihr häufig Freunde? Wie lange kann der Wein tatsächlich lagern? Kleine Faustregel: Von eurem Lieblingswein sind 12-18 Flaschen genug, bei allem anderen sind 6 Flaschen ausreichend. Basisweine könnt ihr im Notfall fast immer nachkaufen, hier gibt es selten Mengenrestriktionen.

i) Es ist besser und viel interessanter, euren noch jungen Weinbestand zu diversifizieren. Beim Wein ist es wie bei allem anderen: Immer nur dasselbe wird schnell langweilig. Abwechslung ist wichtig. Kauft also nicht nur Weine aus einer Region und von einem Weingut, sondern streut eure Investition. Nur im Vergleich kann man die Unterschiede zwischend den Weinen erkennen und genießen.

j) Last but not least: Auch wenn die meisten Basisweine keinen Reifeprozess in einem erstklassigen Gewölbekeller mehr durchlaufen müssen, sollte auch bei der Lagerung dieser Weine auf ein paar einfache Grundregeln geachtet werden. Bewahrt euren Wein an einem Ort mit möglichst geringen Temperaturschwankungen auf, möglichst kühl und immer dunkel. Keine Vibrationen – der Heizungskeller ist Gift. Die Luftfeuchtigkeit ist bei den hier zu erwartenden kurzen Lagerzeiten eher von untergeordneter Bedeutung – 50% sollten es wenn möglich schon sein. Die meisten dieser Bedingungen erfüllt natürlich ein Keller, aber zur Not tut es auch eine Abstellkammer oder der Treppenabgang.

Fertige Empfehlungen kann man hier keine geben – der Weg ist das Ziel. Nur wer selber probiert, kann seine Lieblingsweine finden. Das gilt insbesondere für einfache Alltagsweine, die man ja doch auch häufiger auf dem Tisch haben wird als den teuren Bordeaux. Deshalb geben wir im nächsten Teil einige Ideen, in welchen Anbauregionen sich eine Suche besonders lohnt und welche man in diesem Preissegment eher meiden sollte.

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