Domaine Yannick Pelletier Coccigrues 2006

Coccigrues sind im französischen die Chimären – illusionäre, schemenhafte Fabelwesen. Der so benannte Saint Chinian von Pelletier trägt den Namen wohl nicht zufällig. In der Nase ätherisch-filigran, mit einem unglaublich intensiven und präzisen Blumenbouquet. Veilchen, Maiglöckchen, etwas Cassis, Holunder, eine Idee von Eukalyptus. Am Gaumen dann die gepanzerte Faust im Samthandschuh: Tragende Säure, druckvoll, aber harmonisch, präziser fruchtiger Kern mit viel Cassis und roten Beeren. Ganz langer, seidiger Abgang, feinkörniges Tannin, mineralisch, ganz dezentes Holz, von generöser Süße und einer tänzelnden Frucht, die nachbleibt. Vielleicht kein klassischer Vin du Garde, trinkt sich definitiv jetzt schon verdammt gut, hat aber noch Potential. Das bestätigt sich am zweiten Tag: In der Nase jetzt beeriger und mit Sekundäraromen – Zeder, etwas Leder. Der Wein hat sich voll harmonisiert, ist weicher, fruchtiger, etwas Karamell und Schokolade, der Abgang ewig lang und mit einem absolut geilen Tannin, man kann einfach nicht mehr vom Glas lassen. Ganz großes Carignan-Kino, wie es nur wirklich alte Rebstöcke liefern können. Und das es sich um einen weitestgehend naturbelassenen Vin Naturel handelt, hat sicher auch nicht geschadet.

Der Wein ist nicht billig, aber wenn man die Qualität sieht, erquicklich preiswert: Für deutlich unter 20 Euro bekommt man einen eigenständigen, vielschichtigen, natürlich an- und ausgebauten Spitzenwein. Drei Punkte, aber hier definitiv im oberen Bereich angesiedelt.

Gekauft bei: Vins Vivants für 17,00 EUR / Trinkfenster: jetzt bis 2015

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