Jahrgangscheck der 2010er Saarieslinge bei Florian Lauer

Diese Woche wird Florian Lauer vom Weingut Peter Lauer an der Saar mit dem Füllen der 2010er Rieslinge aus seinen Ayler Weinbergen beginnen.

Ein guter Grund für mich Ende letzter Woche beim Weingut vorbei zu schauen, um den kompletten Jahrgang zu probieren.

Um es vorweg zu gestehen. Ich liebe die lauerschen Rieslinge und begleite die Entwicklung des Weingutes schon seit Jahren.

Hier findet man immer herausragende, saftige Rieslingqualitäten von der Saar zu einem fairen Preis.

Die charakteristisch unterschiedlichen Parzellen aus der Saarlage Ayler Kupp werden hier einzeln verarbeitet und gefüllt, um den Charakter jeder einzelnen, als individuellen Riesling, heraus zu stellen.

An der Basis stehen die “Ayler Rieslinge”, die nicht aus den Toplagen des Weingutes stammen, aber auch höchst individuell und empfehlenswert sind.

Alle Weine sind spontanvergoren. Die Weine liegen zum größten Teil im harmonisch trockenen bis feinherben Bereich.

2010 war allgemein kein einfaches Jahr an der Saar.

Die Mengen sind  sehr klein ausgefallen. Das hat verschiedene Gründe: 1. Starke Verrieselung der Blüten im Frühjahr, 2. Trockenstreß im Sommer, 3. Eintrocknung der Beeren infolge der Botrytis im Herbst, 4. schlechtes Preßergebnis bei der Kelterung.

Die Weine des Weinguts Lauer sind hochkonzentriert, die Mostgewichte und Säurewerte liegen weit über Durchschnitt.

Phenolische und botrytische Noten findet man durch die Bank. Hierin erinnern sie an den 2006er Jahrgang. Die 2010er Rieslinge sind jedoch deutlich sauberer und feiner und besitzen erheblich mehr Säure. Trotzdem würde ich sie jung trinken, weil sie jetzt schon sehr offen sind und großen Trinkspaß bereiten.

Alle Weine sind hochfarben.

Hier die 2010er Weine:

Alt-Scheidt: Grasig-frischer, feinherber Basiswein mit animierender Säure. Ätherischer Touch. Bietet sehr viel Trinkvergnügen. (gg)

Ayler Riesling, Faß 1: Gelber Apfel und Maracuja, saftig, würziger Schmelz, tolles Spiel und Trinkfluß. (ggg)

Ayler Riesling, Faß 2: Noch hefig. Viel reifer Apfel und Pfirsisch. Hat ordentlich Körper. Pikanter Schmelz. Sensorisch trocken. (ggg)

Ayler Riesling, Faß 3: Orangiger, limoniger Typ mit Säurekick! Jetzt schon perfekt trinkig. (ggg)

Ayler Riesling, Faß 4: Minze, Orange. Saftig mit frischer Säure. Etwas eindimensional. (gg)

Ayler Riesling, Faß 6 “Senior”: Apfeliger, kräutriger Typ mit salzigem Mineral, vollmundig, hat Körper und Länge (ggg)

 

Ayler Riesling, Faß 25: Kräutrig. Stachelbeere und Cassis. Rote Beeren im Gechmack. Schlank und säuremild. Wirkt trocken. (gg-ggg)

Ayler Kupp:

Faß 9, Kern: Botrytisgeprägt, ätherisch,gelbe Früchte,  hat Power ohne Ende, wirkt aber unausgewogen. (gg-ggg)

Faß 13 Saarfeilser: Unglaublich dicht, Cassis, rote Beeren, kräutrig und würzig, fast schmalzig, deutliche Süße. Eigentlich immer mein Lieblingswein des Gutes, in diesem Jahr ist er mir zu heavy. (ggg)

Faß 12, Unterstenbersch: Noch etwas verschlossen. Mineralischer Typ, Zitrus und Kräutrigkeit, wunderbar ausbalanciert, Cassisfrucht mit pikantem Finish. (ggg)

Kupp 56: Zum ersten Mal separat ausgebaut, Anlage wurde 1956 gepflanzt. Beerige, goldgelbe Früchte. Unglaublich würzig und dicht, mit genialer Säure ausgestattet!  Ich assoziere Mittelmosel. (ggg-gggg)

Faß ?, Neuenberg: Auch neu. Feines Mineral, rote und gelbe Früchte, saftig mit großer Spannung, eher süß aber mit ausreichend Säurekick. (ggg-gggg)

Faß 11, Schonfels: Vegetabile, verhaltene gelbe Frucht, saftig und würzig mit mineralischem Schmelz und wahnsinniger Power. Ein Titan. Nichts für Leichtweintrinker. (gggg)

Faß 15, Stirn: Mein Lieblingswein der Kollektion. Marille, Apfel, Zitronenmelisse. Frischer, feinsaftiger Stoff. Wunderbar animierender feinherber Riesling. (gggg)

Spätlese, Faß 23: Feine Auslesearomatik : Pirsisch, grüner Apfel, Bitterorange, wunderbar saftig und cremig.(gggg)

Auslese, Faß 10: Noch sehr vergärungsgeprägt. Exotische, supersaftige Auslese mit deutlicher aber hochfeiner Botrytis. Mindestens 1 Jahr warten. (gggg)

Trockenbeerenauslese: Es gibt noch eine weitere. Das ist mit 185° Öchsle die leichtere der Beiden. Eingetrocknete Beerennoten, feinste Botrytis, dabei frische, saftige Pfirsischfrucht. Unendlich genial! Kaufen und mindestens 10 Jahre weglegen. (ggggg)

Ich finde die Rieslinge des Weingutes einmal mehr sehr schön, auch wenn die Weine  nicht unbedingt saartypisch leicht rüberkommen.

Aber Jahrgänge sind halt unterschiedlich. Wenn man das Gesamtbild des Jahrgangs in Deutschland sieht, sind die Rieslinge aus dem Hause Lauer auch 2010 wieder mal bemerkenswert gut!

Vorallem, wenn man bedenkt, dass sie ohne gr0ße Schönungsmaßnahmen, wie z.B. Entsäuerung ausgekommen sind!

Sie spiegeln zu 100% Jahrgang und Terroir wider und allein das ist schon eine Qualität für sich.

Infos zu Weingut, Weinen und Preisen: www.lauer-ayl.de/weingut

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