Jahrgangsvertikale Weingut Peter Lauer,”SAARFEILSER” 2006-2010

Ein Besuch in der Pfalz stand an. Da ich um die Vorlieben meines Gastgebers Andreas Durst wußte, hatte ich nach meinem Abstecher an die Saar noch kurz meinen Weinkeller in Trier besucht, um dem frisch vom Faß abgefüllten 2010er “Saarfeilser” noch vier weitere Kollegen aus den Jahren 2006-2009 hinzuzufügen.

Wir probierten in entspannter Runde mit einigen Freunden von Andreas.

Die Vertikale entpuppte sich als sehr interessante Verkostung, aus der man die Handschrift des Kellers und die Eigenheit der Lage, über die letzten Jahrgänge sehr anschaulich nachvollziehen konnte.

Die “Saarfeils”, in der das Weingut Lauer einen sehr schönen Weinberg besitzt, gehört zur “Ayler Kupp”. Sie gehört jedoch nicht zur Kernlage, sondern liegt am gegenüberliegenden Saarufer. Sie ist eine der wärmsten Lagen an der Saar und verfügt im Gegensatz zum Schieferverwitterungsgestein der Kernlage über einen, auch für die gesamten Toplagen an der Saar, untypischen Boden, nämlich Kiesgestein.

Die Saarfeilser Rieslinge sind durch ihr spezifisches Terroir immer voller und weicher, als die der Schieferlagen der Ayler Kupp.

Bei Florian Lauer vom Weingut Peter Lauer, der seinen “Saarfeilser” separat ausbaut, entstehen hier saftige, durch Cassis und charakteristische vegetabile Noten ausgezeichnete, feinherbe Rieslinge, deren Alkoholgehalt im Idealfall nicht über 11,5 % hinausgeht.

Sein Saarfeilser ist einer meiner Lieblingsrieslinge überhaupt.

Hier meine Verkostungsnotizen:

Saarfeilser 2010: (Faßprobe) Ungemein hochfarbig. Beerige, würzige Nase nach Cassis und roten Beeren. Feine, zedrige Botrytis.

Sehr dick und süß. Tropische Früchte, explizit Maracuja. Pfirsisch. Eher untypisch, weil die kräutrige Finesse der Vorjahre durch die Edelfäule überdeckt wird. Reife Säure. Jetzt und weitere 3 Jahre. (ggg)

Saarfeilser 2009: Klarer als 2010. Cassis, Physalis, Minze, Tomatenlaub.

Frische Cassis- und Grapefrucht. Saftig mit animierender Säurespannung. Ausgewogen und schon sehr schön zu Trinken. Ich würde ihn nicht mehr allzu lange liegen lassen. Jetzt und weitere 2 Jahre. (gggg)

Saarfeilser 2008: Mein Lieblingssaarfeilser! Grasige, kräutrige Nase. Cassis, grüner Apfel.

Unglaubliche Säurefrische. Apfel, Grapefrucht. Kräutriger Unterton. Tolle Struktur. Prickelndes Vergnügen. Kann sich noch verbessern. Jetzt und weitere 5 Jahre. (gggg)

Saarfeilser 2007: Leider mit Korkschmecker! Dass, was noch durchblitzt, läßt auf einen sehr schönen Wein schließen, der noch viel Frische besitzt.

Saarfeilser 2006: Voll auf dem Punkt. Jahrgangstypisch etwas pummelig, aber durch ausreichende Frische wunderbar gereift . Sehr viel rote Beeren. Würzige, botrytische Noten, die durch rigorose Selektion aber dezent im Hintergrund bleiben.

Reifer Pfirsisch. Würziger, schmelziger Untergrund Tolle Säure und Saftigkeit. Jetzt trinken! (ggg)

Anbei hatten wir als Aperitif noch zwei andere sehr schöne Weine, aus dem, wie ich finde, absoluten Topjahrgang 2008 des Weingutes:

Faß 2, 2008: Straighter zupackender Stoff mit genialem salzigen Mineral. Reife gelbe Früchte unterlegt von säurefrischen Apfel. Sensorisch trocken, mit toller Substanz und schöner Harmonie. Jetzt und weitere 3 Jahre. (ggg)

Faß 12, Unterstenbersch, 2008: Wahnsinniges Aroma nach frisch geschnittener Limette. Kräutrige Mineralik. Tanzte auf der Zunge. Unglaubliche Finesse! Der beste Unterstenbersch, den ich kenne. Großer Saarwein. Jetzt und weitere 5 Jahre. (gggg)

Nach der Verkostung waren Andreas und ich uns einig: Florian Lauer produziert !sorry! GEILE Weine. Ohne Frage aufregende Rieslinge, ohne wenn und aber.

In diesem Sinne werde ich gleich meine Bestellung für den neuen Jahrgang rausschicken. 😉

 

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