Château Rauzan-Gassies 2004

Hochsommerliche Temperaturen, ich schleppe mich trotzdem am Sonntag Nachmittag zu einem eigentlich auch vinophilen Freund. Er ist da aber eher ein, sagen wir mal, Modernist. Also Fruchtbomben, gerne auch viel Holz, aber möglichst nur zum parfümieren, am besten kaum Tannin – und besonders gerne aus Übersee. Nennt mich einen Don Quijote, aber ich soll verdammt sein wenn man den Mann nicht auf den Pfad der Tugend führen kann. Und wenn er mich dann auch noch mit einem fröhlichen Bringste nen guten Tropfen mit ? animiert, kann ich ja gar nicht mehr anders.

Ein Fall also für einen reifen Bordeaux – aber da mir nur eine knappe Stunde zum Belüften blieb und es doch ARG heiß war, nichts wirklich großes und komplexes. Einfach, klassisch, reif, zugänglich – St. Emilion oder Margaux. Jahrgang entweder 2000, 2001 oder 2004. Mein Bestand an 2004er ist nicht so üppig, aber es war ein klassisches Jahr, das im Schatten von 2003 und 2005 stand. Also *check*. St. Emilion, Pomerol oder Margaux – da fällt mir die Wahl leicht, kein rechtes Ufer im Keller *check*. Bleiben noch reif und zugänglich übrig – Lascombes raus, Rauzan-Gassies rein *check*.

Die Stunde Luft war vielleicht wirklich etwas zu knapp, der Wein hat aber im Glas weiter ausgebaut. In der Nase nur ganz wenig vom typischen Margaux-Blumenbouquet, dafür reife, rote Beeren, Cassis, etwas Holunder, aber auch schon Sekundäraromen, Tabak, Zedernholz, eine erdige Mineralität. Am Gaumen ein Mittelgewicht, weniger Finesse, wie der Monbrison mit eher rustikaler Médoc-Typizität. Samtige Textur, zurückhaltende Säure, schöne Frucht, Cassis, ein wenig Kirsche, feines Mineral, unaufälliges, aber angenehmes Tannin im etwas zu kurzen Abgang. Genau was ich gesucht hatte – ein einfacher, aber klassischer, reifer Bordeaux, der auch meinen Freund begeistern konnte.

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