Ein Essen mit Freunden

Kommen Freunde zu Gast gibt es immer nur das Beste. Da ich nicht selbst kochen mußte, sondern unser lieber Freund Tobi sich  für den kulinarischen Part zur Verfügung gestellt hatte, lag es an mir den passenden Wein auszuwählen. Den hatte ich auf den von Tobi zugesandten Menuvorschlag abgestimmt. Dass es am Ende des Tages unter Einfluß von  höheren zeitlichen und logistischen  Mächten etwas ganz anderes zu Essen gab, sollte unseren Genuß in keinster Weise schmälern.

Als Aperitif begrüßten wir den schönen gemeinsamen Abend mit dem Cremant liaison von Stephan Steinmetz, der mir im Vergleich zu meiner Verkostungsnotitz von letzter Woche etwas grobperliger vorkam, aber in seiner sehr straighten apfelfruchtigen Art allen zu gefallen wußte (gg-ggg).

Zu den schmackhaften selbstgemachten Spinat-Nockerln an blanchiertem Fenchelgemüse und Vinigrette mundeten die beiden 2008er Rieslinge vom Weingut Peter Lauer ausgezeichnet. Der harmonisch trockene “Schonfels” bestach durch seine hochfeine mineralische Art, große Spannung, tolle Substanz und das bei entspannten 11,5 % Alkohol (gggg). Der “Kern” mit seiner reifen, saftigen Fruchtigkeit und mineralischen Biß war ebenfalls ein großes Vergnügen (gggg). Der 2010er “Kern”, den wir später als Übergang zu den Dessertweinen geöffnet haben, konnte mir wie schon bei  anderen Gelegenheiten nicht so sehr gefallen: Ich finde ihn, gerade auch im direkten Vergleich mit dem 2008er, etwas unausgewogen und botrytisbeladen (gg) mit etwas viel Stachelbeeraroma. Mal sehen, was die Zeit bringt.

Eine wirklich positive Überrachung war der weiße Chateau de la Negly aus 2008, der trotz jugendlicher Barriqueprägung viel kühle Traubigkeit versprühte und nach den filligranen Rieslingen überhaupt nicht plump wirkte (ggg). Dem ursprünglich geplanten gesiedeten Kalb mit Kräuterkruste wäre er sicherlich ein toller Begleiter gewesen, aber auch zur vegetarischen Pasta an Olivenöl und frischem Gemüse passte er erstaunlich gut. Ein wirklich sehr guter Languedocweißwein für Holzfaßliebhaber. Kann sich noch über 3 Jahre entwickeln.

Zur abschließenden Suchtfaktor100-Mousse-au-Chocolat und  Käseplatte dann zwei frucht- bzw. edelsüße Rieslinge. Wirklich gut die 2009er Spätlese aus dem Mehringer Blattenberg vom Kanzlerhof. Ausleseschmelzig mit mineralischer Würze. Ganz viel Rosenduft und Wermuth. Ein Sponti der tiefgründigen Art. Kostet nur 7,50 € ab Hof. Das ist ein absoluter Preis-Leistungshammer! (ggg).

Auch sehr schön, aber von der Spätlese etwas in den Schatten gestellt, die jugendliche 2010er Auslese aus der Thörnicher Ritsch vom Weingut Gebr. Ludwig. Auch hier viel Stachelbeeraroma, wie beim 2010er Saarriesling. Könnte eine Jahrgangsaromatik des Anbaugebietes sein (ggg).

Bei so viel leckerem Wein und Essen amüsierten wir uns gemeinsam bis in die späte Nacht und gelobten Wiederholung!

Gibt es denn auch was Schöneres als gutes Essen und guten Wein?

Nicht viel, glaube ich.

Auf jeden Fall aber liebe Menschen, mit denen man gemeinsam genießen kann.

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