Capital “Deutsche Siegerweine 2010”

Am vergangenen Freitag wurden bei Les Amis du Vin in Köln die Siegerweine der Capital-Verkostung des Jahrgangs 2010 präsentiert.

Insgesamt standen 56 Weißweine zur Probe an, von denen ich  mit Freunden zusammen ungefähr zwei Drittel probiert habe, nämlich die Weine, die mich wirklich interessiert haben.

Manche Weine waren leider nicht da. Besonders gefehlt hat mir die Sieger-Auslese von Matthias Müller aus dem Bopparder Hamm, die ich in der Vorprobe (Bericht) in der Auslese-Kategorie mit einer anderen Auslese aus dem selben Haus deutlich vor dem restlichen Feld gesehen hatte (gggg).

Insgesamt präsentierten sich die Weine über alle Sorten hinweg schon sehr zugänglich.

Mir hat zum Einen aber bei vielen Weinen etwas die indiviuelle Note gefehlt, vorallem wenn man bedenkt, dass  zur Verkostung über 1600 Weine eingereicht wurden und mit den Siegerweinen ja quasi die Creme de la Creme des deutschen Weißweins zu erwarten stand.

Andererseits fiel wieder einmal auf, dass der Jahrgang sehr säurebetont und eher leichtgewichtig ist. Die Weine trinken sich gut, die letzte Nachhaltigkeit fehlt vielen jedoch. Auch störende Gerbstoffe sind nicht selten und fallen bei fehlendem Körper besonders ins Gewicht.

Rundum: Das deutsche Weißweinjahr 2010 ist in der Breite einfach ein durchschnittliches. Die Spitze liegt im restsüßen Bereich.

Hier die Weine, die mir besonders gut geschmeckt haben:

Trockene Weißweine:

ggg

Karthäuserhof, Ruwer “Schieferkristall” Riesling Kabinett trocken: Mineralisch straight, animierend und fein. Dabei substanzreich und mit genialem Säurekick.

Knipser Grauburgunder Spätlese trocken: Harmonisch und fein mit sehr gutem Trinkfluß.

Feinherbe Weine:

gggg

Clüsserath-Eifel, Riesling Trittenheimer Apotheke, Mosel “Fährfels”: Tiefgründig, mineralisch und sehr nachhaltig. Ungemein harmonisch, wie die gesamte Kollektion 2010 dieses Hauses.

ggg

Corvers Kauter,Riesling, Schiefer Berg Rottland: Phenolisch geprägter titanischer Stoff.

Preis-Leistungs Tipps:

gg+

Karl Herrmann Milch, Grauburgunder, Monsheimer Silberberg, 7,50 €: Charaktervoller, leichter Grauburgundertyp.

Ludi Neiss, Silvaner QBA, 6,90 € (Verkostungsbericht)

Restsüße Rieslinge:

gggg

Robert Weil Beerenauslese Kiedrich Gräfenberg: Glasklare Frucht. Fein, fein.

Robert Weil TBA Kiedrich Gräfenberg: Ein Elixier!

Carl Loewen Maximin Herrenberg 1. Lage Beerenauslese: Viel Schmelz und Finesse.

ggg

Kurt Hain Piesporter Goldtröpfchen Kabinett: Saftig und animierend.

Kurt Hain Piesporter Goldtröpfchen Spätlese: Saftig, fein und nachhaltig mit gutem Trinkfluß.

Paulinshof Kestener Paulinsberg Spätlese: Ausleseschmelz. Hochfeines Mineral.

Loersch-Eifel Trittenheimer Apotheke Auslese, Alte Reben: Dicker Stoff. Tropische Früchte.

 

Der Rest des Feldes dreht sich mehr oder weniger um gg. Hier alle zu erwähnen würde deshalb keinen Sinn machen, vorallem weil einige Weine über 10,- € kosten und damit keine wirkliche Empfehlung mehr sind.

Wie Ihr seht, haben es mir besonders die restsüßen Rieslinge angetan. Für diese ist der Jahrgang einfach nur großartig.

Wie gesagt: Wirklich Schlechtes war nicht dabei. Aber leider auch wenig Beeindruckendes. Deshalb bleibt die Liste meiner Favoriten so kurz.

Und nochmal: Ich habe auch nicht alles probiert. Der eine oder andere sehr gute Wein könnte mir also durchgerutscht sein, deshalb erhebe ich hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Alles in allem eine schöne Veranstaltung bei schönem Wetter im Freien, auch weil viele der Winzer anwesend waren.

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