Chimay Première Brune “Rouge” – Pères Trappistes

Belgien ist eine der Hochburgen des gepflegten Biergenusses – hier gibt es unzählige Brauereien, die unbelastet vom “deutschen Reinheitsgebot” eine Vielzahl von hochinteressanten, köstlichen und abwechslungsreichen Bieren abfüllen. Traditionell wird auch in Klöstern Bier gebraut – qualitativ besonders hervorgetan haben sich da die gottesfürchtigen Brüder des Trappistenordens. Die Biere des St. Sixtus Klosters in Westvleeteren werden regelmäßig als die Besten der Welt ausgezeichnet – obwohl – oder weil – das Bier nach wie vor nur in homöopatischen Mengen an der Klosterpforte direkt verkauft wird.

Ein weiteres Trappistenkloster ist Chimay, das neben einigen leckeren Käsesorten auch mehrere Biere braut. Chimay gibt es in zwei Größen, die 0,33l Flasche hat den üblichen Kronkorkenverschluß und wird sozusagen fertig gefüllt, während die 0,75l Flasche einen Champagnerkorken aufweist und flaschengärig ist. Hier wird das Bier vor der Abfüllung noch einmal mit etwas Hefe und Zucker versetzt und kann nachreifen, was zu einer besseren Bindung der Kohlensäure im Bier führt. Chimay hat eine der höchsten Produktionen aller Kloster und ist in den Beneluxländern zumindest in den kleinen Flaschen ein gängiges Produkt selbst in nicht so gut sortieren Supermärkten und sogar der einen oder anderen Tankstelle. Die großen Flaschen muß man auch hier in Luxembourg etwas suchen, was aber nichts an dem erfreulich anständigen Preisen von ca. 2,10 bis 2,50 für die 0,75l Flasche ändert.

Neben der starken und intensiven Grande Réserve (Bleue) und dem hellen, eher hopfig-salzigen Cinq-Cents (Blanche) ist das Premiére (Rouge) mein Lieblingsbier. Es ist nicht so ausdrucksstark und vielschichtig wie viele andere der Trappistenbiere und bei den einschlägigen Web-Communities entsprechend nicht so hoch gerated, aber hat einen fast schon unanständigen Trinkfluß. Aber gehen wir zurück an den Anfang. Einmal nett gerüttelt (muß man natürlich nicht, aber es macht einfach Spaß), fliegt der Korken ein paar Meter durch die Luft und wir füllen unseren Kelch mit einem herrlichen schäumenden, kupferfarbenen Bier. In der Nase malzig, Aprikose, Rosinen. Trinkt sich sehr flüssig, cremige Textur, perlige, feine Kohlensäure. Würzig, Karamell, etwas Pflaume, dunkle Früchte, Kandis, schöne Balance zwischen Hopfen und Malz, bleibt am Ende ganz leicht bitter nach. Die 7% Alkohol schmeckt man nicht.

Wer demnächst nach Belgien, Holland oder Luxembourg reist, sollte sich also unbedingt einige Flaschen mitnehmen (Vorsicht, die 0,75l nur aufrecht transportieren und lagern) – wer bisher nur traditionelle deutsche Braukunst genießen durfte, dem steht ein augenöffnendes Geschmackserlebnis bevor. Und das beste zum Schluß: Die Erlöse aus dem Bierverkauf werden nur zum Erhalt der Ordensgemeinschaft und den wohltätigen Projekten der Mönche verwendet – Bier genießen und dabei Gutes tun, was will man mehr.

Gekauft im Supermarkt (Cora) für 2,12 EUR (0,75l)
Online gefunden beim Bierzwerg für 3,79 EUR (0,75l)


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