Domaine des Enfants – L’enfant perdu 2008

Das Languedoc-Roussillon ist eine Spielwiese für innovative, häufig biodynamische Winzer geworden, die natürliche, fruchtige und frische Weine produzieren. So auch die Domaine des Enfants (nicht zu verwechseln mit der Domaine Les Enfants Sauvages), die sich selbstbewusst im oberen Preissegment positioniert hat: Der hier verkostete L’enfant perdu ist der Basiswein – eine Cuvée aus Grenache, Carignan, etwas Syrah und der autochtonen Rebsorte Lledoner pelut – und schlägt mit sportlichen 23,50 EUR zu Buche.

Entsprechend erwartungsfroh habe ich heute die Flasche entkorkt – der Wein braucht erstmal einige Stunden Luft, bis er sich voll zeigt. In der Nase rote Beeren, Cassis, Kirsche, Brombeere, Veilchen, ganz leichte Würznoten, ein Hauch von Vanille. Am Gaumen eine tragende Säure, gute Struktur und durchaus elegant, leichtes Mineral, feines Tannin, langer, wenn auch etwas breiter Abgang. In der Frucht unpräzise, reife rote Beeren, etwas dunkle Kirsche, Himbeere, Würznoten. Ist am zweiten Tag schon merklich oxidiert: runder, weicher und ohne Spannung. Also lieber dekantieren und dann frisch getrunken, gerne auch etwas kühler.

Der Wein ist nicht schlecht, ganz knappe zwei Punkte – also sogar gerade noch gut.  Eine ordentliche Basisqualität – nicht mehr und nicht weniger. Soviel zu den Punkten – echte Bauchschmerzen habe ich aber bei dem Preis – 23,50 Euro pro Flasche sind da ganz sicher ein klitzekleines bisschen überambitioniert.

Gekauft bei Vins Vivants für 23,50 EUR / Trinkfenster: jetzt – 2013

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2 Antworten auf Domaine des Enfants – L’enfant perdu 2008

  1. Alex sagt:

    Hallo Alex,

    ja, ich weiß das du an der Entstehung beteiligt warst 🙂 Ich habe den Wein insgesamt über drei Tage beobachtet, und er hat am dritten noch weiter abgebaut. Ich weiß es auch nicht, wir hatten hier intern die Diskussion vor ein paar Tagen, nachdem wir jetzt doch eine ganze Menge an ungeschwefelten oder niedrig geschwefelten Weinen getrunken hatten. Es gibt anscheinend doch eine nicht zu unterschätzende Flaschenvarianz. Wir hatten jetzt in kurzem Zeitraum 4x Coccigrues 2006 – davon waren zwei großartig und zwei andere “nur” gut, die Weine hatten sich offensichtlich ganz unterschiedlich entwickelt. Ich will das jetzt nicht generalisieren, dazu fehlt es uns jetzt auch an empirischen Werten, aber möglicherweise gibt es die hier ja auch. Außerdem ist der Gesamteindruck selbst in dem Fall ja noch gut – ich sehe aber eine deutliche Diskrepanz zwischem dem, was ich im Glas hatte, und dem dazu aufgerufenen Preis. Wenn du denkst, das es vielleicht ein Flaschenfehler war – das kannst du bei der VKN sicher besser einschätzen, würde ich mich über eine Austauschflasche freuen – ich bin immer der erste der sich freut, dann doch einen genialen Tropfen vorzufinden!

    Cheers,
    Alex

  2. Alex sagt:

    Hallo Alex,

    ein paar kurze Anmerkungen zu deiner VKN. Die Weine der Domaine des Enfants sind keine vin naturel, wohl aber Weine mit hohem handwerklichen Anspruch und gerade im Weinberg in der Biozertifizierung. Weinbergsarbeit mit Maultier und Pferd, Unterstockbearbeitung mit der Hacke, strenge Selektion des Traubenmaterials (- 6 bis 8 Personen selektionieren die rosinierten Beeren, grüne Traubenteile etc. aus) und respektvoller Ausbau nach Rebsorten und Lagen getrennt im Beton und in Holzfässern unterschiedlicher Größe. Die Gesamtschwefelgehalte sind auch äußerst gering, aber es ist nicht der Anspruch da, ein vin naturel zu sein! (Ähnliches gilt auch für Oratoire St. Martin oder die Domaine Troullier)

    Zwei Bemerkungen in deinen Notizen machen mich stutzig! Die unpräzise Frucht kann ich nicht nachvollziehen, ich finde die Aromen sehr komplex mit viel reifen Fruchtnoten, ohne in die Überreife abzudriften. Das ist eine absolut fokussierte Power. Des weiteren, dass der Wein sehr schnell oxidiert. Auch hier habe (nicht nur) ich ganz andere Erfahrungen gemacht. Hört sich verrückt an, aber mit diesen Noten im Glas, belüftest du Ihn einmal ordentlich und läßt ihn kurz stehen. Er kommt dann aus diesen Tiefen zurück. Ich gehe d’accord, das die Weine leicht gekühlt genoßen werden sollten, das gilt für mich bei fast allen grenache-lastigen Cuvees! Lieber etwas zu kühl einschenken und im Glas warm werden lassen.

    Ich will nicht verheimlichen, dass ich an der Entstehung dieses Weines beteiligt war und das nicht als einfache Basisqualität durchgehen lassen kann;-) Ich hoffe bei Zeiten gibst du diesem lebendigen Tropfen nochmal ne Chance…

    Santé

    Alex

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