Foire aux vins: 8 Rote unter 10 Euro

In Frankreich, Belgien und Luxembourg hat Wein, insbesondere der rote, einen anderen Stellenwert als in Deutschland: Es ist eher Grundnahrungsmittel und fest in die Kultur integriert und weniger Luxusgut oder Nischenprodukt wie in Deutschland. So ist die Foire aux vins, eine Art Verkaufsmesse mit Verkostungen, bei den großen Supermarktketten in den Ländern eine feste Insitution und findet regelmäßig im September und Oktober statt. Qualität und Bandbreite der Angebote variieren je nach Supermarkt und Standort – auch sind Lockvogelangebote nicht unüblich. So hat letztes Jahr der Auchan auf dem Kirchberg in Luxembourg seinen Werbeprospekt mit 2008er Bordeaux zu günstigsten Kursen bestückt – auf der Verkaufsfläche befanden sich aber dann nur die schwächeren 2007er zu höheren Preisen. Trotzdem sind die Foire aux vins für den Weinfreund immer einen Besuch wert – es sind teilweise Preisnachlässe von 20%-30% auf das, was in Deutschland so aufgerufen wird, möglich. Manch guter Wein wird außerhalb der französischen Vertriebskanäle auch gar nicht angeboten.

Da Marco zu Besuch weilte bot es sich an, dem lokalen Match Supermarkt mal auf den Zahn zu fühlen. Das Angebot im höherpreisigen Segment war eh etwas dünn, deshalb haben wir uns auf Rotweine – teilweise deutlich – unter 10 Euro konzentriert.

Erstaunlich trinkbar war der Château Tour Chapoux 2008 (g-) (3,99 EUR gegenüber 8,50 EUR) , ein einfacher AOC Bordeaux aus einem nicht so einfachen Jahr. Man erkennt, das es ein Bordeaux ist, saubere Frucht, etwas Kirsche, reif, keine Fehltöne, vanilliges Holz. Château Sainte-Marie Réserve 2009 (-) (3,98 EUR statt 5,69 EUR) ist dagegen charakterlos, beliebig und kommt sehr plump-fruchtig daher. Ist aber zumindest noch trinkbar. Eine der Empfehlungen ist sicher Château Segonzac Vielle Vignes 2009 (g+) (7,69 EUR statt 10,90). Das ernstzunehmende Cru Bourgois bringt in diesem Jahr stattliche 15% Alkohol an den Start, sehr fruchtig, sehr opulent, malolaktische Noten, Cassis, kaum Fruchttannin, vanilliges Holz, der Alkohol bleibt etwas nach. Von der Stärke des Jahrgangs lebt auch der Vincent Sauvestre Bourgogne 2009 (g-) (5,49 EUR), ein simpler, fruchtbetonter und harmonischer Pinot Noir, ein netter Essensbegleiter. Kein Unbekannter und mit Sicherheit der absolute Preis/Leistungssieger ist der portugiesische Dao Cabriz Colheite Selecionada 2008 (g) (2,98 EUR statt 5,40 EUR). Typisch Touriga Nacional, wirkt etwas beliebig und unstrukturiert, hat aber einen leckeren, sauberen Kern aus Pflaume und Himbeere und sogar leichte mineralische Noten im Abgang. Für den Preis ein Hammer. Der qualitativ beste Wein war das Cru Bourgois Château Meric 2009 (gg-), (6,50 EUR). Eine klassische Bordeaux-Cuvée, nur 13% Alkohol. Sehr harmonisch, gute Säure, jahrgangstypisch opulente Frucht, Cassis, Kirsche, rote Beeren. Im Abgang schönes Tannin, ausnahmsweise nicht die im unteren Preissegment sonst übliche Vanille-Keule sondern differenzierte Röstaromen, Schokolade, Kaffee. Ein große Enttäuschung war der Côtes du Rhône Grande Reserve 2009 von Francois Arnaud (-), (4,49 EUR). Keine Ahnung wie der Wein an die zwei Sterne im Guide Hachette kommen konnte, ein völlig unstrukturiertes Himbeerwässerchen, keine Säure, vanilliger Abgang. Ein weiterer Totalausfall: Château Les Vieux Ormes Lalande de Pomerol 2009 (-)  (6,99 EUR statt 8,19). Der Wein findet praktisch nicht statt, kaum Frucht, keine Säure, dafür massives und unsauberes Tannin im Abgang, bleibt ganz fies nach.

Man sieht also, nicht alles ist Gold was glänzt, aber die teilweise wirklich sehr guten Preise laden zum Ausprobieren natürlich förmlich ein.

Dieser Beitrag wurde unter Features abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.