Bordeaux Cru Bourgeois 2009: D’Agassac, Paloumey und D’Escurac in der Arrivage

Nachdem ja schon die ganz kleinen Bordeaux 2009 recht gut abgeschnitten hatten, konnte ich heute mit großer Freude den nächsten Level antesten – Cru Bourgeois. Der sehr gut gelungene Rollan de By 2009 (gg-ggg) hat die Meßlatte hier schon ziemlich hoch gelegt, aber die drei heutigen Probanten sind eigentlich auch immer sehr zuverlässige Werte.

Gleich zu Beginn auch ein echter Hammer: Château d’ Agassac 2009 (gg-ggg) (13,95 EUR, Trinkfenster 2012-2020). Die Cuvée besteht praktisch zu gleichen Teilen aus Cabernet Sauvignon und Merlot, ein Blick auf die Rückseite der Flasche offenbart erfreuliche 13% Alkohol. In der Nase dicht, tiefe und reife Frucht,  dunkle Beeren, etwas Cassis, später auch Würznoten. Am Gaumen kräftige Säure, gut strukturiert, saubere und klare Frucht,  schöne Extraktsüße, im Abgang feines Fruchttannin, leichte Mineralität, bleibt zunächst noch leicht bitter nach. Ganz subtiles Holz, kaum wahrnehmbar. Sehr rund, toller Trinkfluß, harmonisch,frisch und fokussiert. Baut mit der Zeit weiter aus, zeigt dann mehr Frucht, eindeutig vom Cabernet dominiert, tolles Fruchttannin, die tragende Säure bleibt. Klassischer Bordeaux im besten Sinne.

Ebenfalls  mit je 50% Cabernet und Merlot, aber eher jahrgangstypische 14% zeigt sich der Château Paloumey 2009 (gg-) (11,99 EUR, Trinkfenster jetzt – 2016). Zurückhaltende Nase, erstmal kaum Frucht sondern eine Melange aus Kokos, Kaffee und Marzipan, später dann auch Kirsche. Am Gaumen leicht, magere Säure, satte kirschige Frucht und kräftiges Tannin im Abgang.
Gutes Holz, etwas Kaffee, Röstaromen, Bitterschokolade. Harmonisiert sich am zweiten Tag,  ist dann ein feiner, fruchtiger Merlot-Schmeichler mit sanftem Tannin und schönem Holz, aber ohne Ecken und Kanten.

Weiter geht der Reigen mit Château d’ Escurac 2009 (g) (11,49 EUR, Trinkfenster jetzt – 2016). Auch hier halb und halb, dazu mit grenzwertigen 14.5% Alkohol. Ist im Glas deutlich dunkler als die beiden anderen Weine, in der Nase dunkle Beeren, konzentriert, aber auch mit alkoholischem Unterton.  Ist am  Gaumen schwer und massiv, die Frucht ist dick und beinahe eingekocht, rote und schwarze Beeren, Schwarzkirsche, Cassis, Würznoten, kräftiges aber relativ neutrales Tannin im Abgang, Bitternoten, ganz leichte Vanille. Spürbares alkoholisches Feuer. Der Wein ist ok und handwerklich (fast) sauber gemacht, könnte so aber auch aus dem Sud-Ouest oder Übersee kommen. Für mich ist der merkliche Alkohol ein echter Showstopper, aber wer es mag…

Alles in allem zeigt sich der Jahrgang bisher eher heterogen – von der alkoholischen Fruchtbombe bis zum sehr klassischen Bordeaux ist alles vertreten. Vielen Weinen fehlt aber die Säure, um ihre massive Frucht und teilweise auch den Alkohol auszugleichen. Ich bin wirklich gespannt, wie sich die Grand Crus zeigen. Trotz meiner Anstrengungen und der Bereitschaft – natürlich alleine im Interesse der Wissenschaft versteht sich – die absurden Preise für die Grand Crus zu bezahlen ist es mir nicht gelungen, einen der wirklichen Spitzenweine (Lynch-Bages habe ich ganz knapp die letzte Flasche verpasst, wie mir der Verkäufer fröhlich mitteilte) in die Finger zu bekommen. Wir müssen uns also demnächst mit einigen Weinen aus dem 30 bis 50 Euro Bereich begnügen, die aber auch ja auch schon repräsentativ sein dürften.

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