Kleines Castelmaure Tasting: Grande Cuvée 2009, L’Extreme 2008, La Pompadour 2008

Probenotizen zum aktuellen Jahrgang 2010 findet ihr hier

Die Winzerkooperative Castelmaure aus dem Corbières nahe der spanischen Grenze hatte das gleiche Problem wie viele andere Winzer aus dem Südwesten Frankreichs. Sie füllten recht ordentlichen Wein ab, arbeiteten sehr qualitätsbewußt, aber niemand wusste es. Bei 300ha unter Reben ist das ein Problem. Die Lösung: Man sucht sich einen nahmhaften Berater, in diesem Fall Michel Tardieu vom Rhône-Negociant Tardieu-Laurent und läßt ihn aus den eigenen Reben einen Blockbuster machen: Die Cuvée No. 3. Resultat: Internationale Anerkennung, und plötzlich lassen sich auch die kleineren Weine zu vernünftigen Preisen verkaufen. Vor kurzem hatte Castelmaure auf einer hiesigen Foire aux Vins einen Probestand, der Sommelier war überzeugend und die Weine, soweit das aus den Mini-Plastikbechern geht (die Franzosen sind in der Hinsicht ganz unprätentiös), wirkten interessant. Also habe ich mir drei Flaschen mitgenommen und in Ruhe sowie aus echten Gläsern nachverkostet:

Die Castelmaure Grande Cuvée 2009 (g) (Trinkfenster 2012-2016) ist ein typischer Languedoc-Blend aus Syrah, Grenache und Carignan mit sportlichen 14.5% Alkohol. Den Alkohol hat man leider auch direkt in der Nase, dazu noch eine Melange aus dunklen Beeren, möglicherweise Pflaume, Himbeere, Kräutern und etwas Vanille.  Am Gaumen wie zu erwarten sehr breit, vollmundig, wenig Säure, sehr fruchtig, pflaumig, fast schon rosinig, schöne Süße, das Tannin ist aber auf eine unangenehme Art mürbe und klebrig. Von einem Glas habe ich erstmal genug, eine ganze Flasche davon würde im Moment meine Vorstellungskraft übersteigen…

Der Castelmaure L’Extreme 2008 (g-gg) (Trinkfenster 2014-2020) stammt von den Höhenlagen der Kooperative und soll besonders elegant und harmonisch sein. Hier “nur” 14% Alkohol, in der Nase eher reduktiv und zurückhaltend, kleine rote Beeren, eine Idee von gegrilltem Fleisch, zurückhaltende Vanille. Am Gaumen dann schon frischer und kompakter als die Grande Cuvée, aber natürlich immer noch auf der fruchtig-breiten Seite. Dichtes, im Moment noch adstringierendes Tanningerüst, auch hier ein wenig Vanille. Ganz ordentlicher Stoff, der noch ein paar Jährchen Schönheitsschlaf im Keller braucht.

Wer hätte das gedacht: Irgendein Zweig der Familie Pompadour hat wohl irgendwann einmal für die französischen Könige die Gegend um Castelmaure verwaltet. Wie wir ja schon gemerkt haben – in Castelmaure versteht man was von Weinmarketing. Also gar nicht faul einen Wein kreiert, den Castelmaure La Pompadour 2008 (g+) (Trinkfenster jetzt – 2014). Das Madame Pompadour,  an die man hier Anlehung sucht, von Geburt eine Bürgerliche war und wohl nichts mit den alten Sachwaltern des Königs zu tun hatte, wollen wir hier im Sinne der kreativen Herleitung mal durchgehen lassen. Die matronenhaften 14.5% Alkohol liegen in jedem Fall schon mal voll auf Linie. In der Nase wie ein typischer Süd-Rhône Wein: Etwas Himbeere, eingekochte, rote Früchte, leichte Würznoten, etwas Vanille. Voll und fruchtig am Gaumen, die Frucht undefiniert, gute Würze, schönes Tannin. Nichts Besonderes, aber wenn man die breite Stilistik schätzt ein solider Wert.

Der Fairness halber: Ich denke alle Weine waren noch zu jung, in 1-2 Jahren werden Sie sich wesentlich runder und nicht mehr ganz so primärfruchtig präsentieren. Dies sind allesamt fruchtbetonte, grundsolide Weine, denen aber für meinen Geschmack ein wenig die Frische abgeht.

Die Wein waren in der Promotion am Stand alle zwischen 6 und 9 Euro, und sollten  in Deutschland um 10 Euro liegen. Ich habe online keinen Händler gefunden, der alle Weine hat, aber bei Jacques gutem alten Weindepot gibt es z.B. die Grande Cuvée für 12,50 EUR.

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