Ahr-Weinschau im Hotel Ernst in Köln

Die Ahr-Weinschau , die am letzten Wochenende zum ersten Mal im Hotel Ernst in Köln stattgefunden hat, ist eine gemeinschaftliche Präsentation von 20 verschiedenen Produzenten aus dem Anbaugebiet, die wegen des regen Besuches (der Veranstalter Ahrwein e.V. vermeldet 350 Besucher), wohl auch im nächsten Jahr wieder stattfinden dürfte.

Sie zielt auf Endverbraucher sprich Privatkunden ab und wenn man sich vorher anmeldet, bleibt der Eintritt kostenfrei.

Beim Eintritt in die schönen Räumlichkeiten des Veranstaltungsaales des 5-Sterne Hotels in Domnähe wird mir gleich klar: Die Kundenstruktur der Ahrweingüter teilt wohl die Probleme der Bundesrepublik Deutschland, denn sie ist scheinbar ebenfalls komplett überaltert.

Das mag vielleicht daran liegen, dass man in diesem Anbaugebiet bei den führenden Betrieben ein relativ hohes Preisniveau etabliert hat, das für junge Weintrinker etwas zu kostspielig ist und den Zugang zu den Weinen erschwert.

Vielleicht hat man es bisher auch einfach verpasst, den Nachwuchs der Weingenießer an den eigenen Wein heran zu führen.

Ich habe mich auf jeden Fall als der Jüngste vor Ort gefühlt, was vielleicht etwas übertrieben ist, schließlich marschiere ich ja auch schon auf die 40 zu.

Präsentiert wurden Weine aus den Jahrgängen 2008 bis 2010, von denen der 2009er mit Abstand die besten Weine hervorgebracht hat.

Meine Probenaufmerksamkeit richtete sich voll auf die Spätburgunder, weil sie für mich die Quintessenz dieser Herkunft sind.

Um es gleich zu sagen: Es gab wenig Überraschungen.

Vielmehr fühle ich mich in meinen bisherigen Erfahrungen der Weine und Winzer bestätigt und meine Favoriten bleiben dieselben. Von den mir noch unbekannten Winzern wußten nur wenige zu überzeugen. Bis auf Meyer-Näkel waren eigentlich alle bekannten Weingüter vor Ort.

Zur Erklärung der nachfolgenden Bewertungen:

Ich mag die reifen, aber nicht überreifen Pinots, mit moderatem Alkohol (13,5 % ist für mich Obergrenze).

Für Spätburgunder aus Toplagen die mit 130° Oechsle gelesen und dann mit Reinzuchthefe auf 14,5 % Alkohol geprügelt werden, habe ich keinerlei Verständnis.

Diese Vorgehensweise empfinde ich als Beleidigung für die Spätburgundertraube, weil Finesse und Trinkfluß auf der Strecke bleiben.

Genauso schätze ich dezenten Holzfassausbau. Unterstützend: Ja. Dominant: Nein.

Wie immer bei diesen Gelegenheiten, erwähne ich die Betriebe, deren Spätburgunder mir wenig bis gar nicht gefallen haben nicht namentlich.

Meine Topkollektion in Qualität und Geschlossenheit stammt von Wolfgang Hehle vom Deutzerhof. Hier produziert man auf allen Niveaus erstklassige mineralische Spätburgunder mit grossem Reifepotenzial und -bedürfnis. Man sollte sie, bis auf den trinkfertigen Cossmann-Hehle, vor Genuß mindestens 2 Jahre liegen lassen. In der Spitze werden sie locker 10 Jahre, wahrscheinlich sogar länger reifen.

Im Moment sind sie bis auf den Cossmann-Hehle alle noch reduktiv.

Cossmann-Hehle 2010 trocken (gg): fruchtig, typisch, lecker.  (Ausführliche Verkostungsnotiz)

Balthasar C. 2009 (gg+): Ein Chambolle-Typ. Waldpilz, Himbeere, Erdbeere.

Caspar C. 2009 (ggg): Schiefermineral und feine Extraktsüße. (Ausführliche Verkostungsnotiz)

Altenahrer Eck 2009 GG (gggg): Ein Titan! (Im 3er-Vergleich mit starker Konkurrenz)

 

Erwartungsgemäß stark zeigten sich auch die Weine vom Weingut Paul Schumacher, vorallem im gehobenen Segment.

“Pur Pinot” 2008 (gg): Klar, würzig, mit 2008er Säurenerv. Mittelgewichtig.

“Patience” 2009 (ggg): Reif und opulent. Läßt sich bereits gut trinken. (Ausführliche Verkostungsnotiz)

Walporzheimer Kräuterberg (ggg+): Samtiger Spätburgunder von internationaler Klasse. Noch unharmonisch, aber mit grossem Potenzial. Feiner Holzfaßausbau. (Im 3er-Vergleich mit starker Konkurrenz)

 

Weingut Jean Stodden: Schöne Weine mit burgundischem Einschlag. Die angestellten Weine haben Lagerpotenzial, können mich im Preis-Leistungs-Verhältnis aber nicht 100%-ig überzeugen.

Spätburgunder 2010 (gg): Himbeeriger Typ mit Extraktsüße. Süffig.

Spätburgunder J 2009 (gg): Kräftig. Hat noch Biß. Kann reifen.

Spätburgunder JS 2009 (gg): Mineralischer, feiner Typ. Eher leicht.

Herrenberg GG 2008 (ggg+): Vielschichtig, mineralisch, mit tollem Holzausbau. Sollte noch reifen. 

Weingut Nelles: Gefällige Weine mit rauchigem Holzausbau. Den B-48 finde ich zu dick und überholzt. 

RUBER 2009 (gg): fruchtiger, aromatischer Basiswein.

Pinot Noir 2009 (gg): Kräftig und saftig.

Spätburgunder B (gg): Griffig mit straighter Säure.

B-48 GG 2008 (gg+): Dick, mit speckigem Holz. Für Bieber.

 

Weingut J.J. Adeneuer: Eher enttäuschend. Die Qualitäten sind o.k., werden dem Ruf des Weingutes aber nicht gerecht.

J.J. Adeneuer 2010 (g): Backpflaume und Zimt. Klebt!  

Walporzheimer Gärkammer 2010 (gg): Wirkt etwas breit.

J.J. Adeneuer N° 1 2009 (g+): Hat in seiner Reife was von Frühburgunder (Cassis). Jovial. Wirkt leicht unsauber.

Ahrweiler Rosenberg GG 2009 (ggg): Viel Cassis und Schiefer. Reif. Braucht Zeit. 

 

Weingut Brogsitter: Holzbetonte Burgunder. O.K., aber nicht mehr.

Edition B 2009 (gg): Mürbe Frucht. Hat Kraft. Intensive Noten von alten gebrauchten Fässern. Lüften!

Ad Aram 2009 (gg): Süßes Holz an der Obergrenze. Hat etwas von “übertriebenem Luxus”, meint meine Freundin. Kann man trinken. 

 

Eine schöne Entdeckung sind die beiden Spätburgunder vom Winzerhof Körtgen. Nichts Spektakuläres, aber zwei sauber vinifizierte Weine mit Frucht und Trinkfluß. Leider sind beide Weine mit Plastik verkorkt. Das finde ich zumindest für das “beste Faß” ziemlich daneben.

Spätburgunder trocken 2009 (gg-): Typisch, fruchtig, trinkig, lecker. Für 6,90 € ein Best-Buy. (Ausführliche Verkostungsnotiz)

“Körtgens bestes Faß ” 2009 (gg): Dicht, mit dezentem Holz. Trinkig. Ein schöner Erfolg.

Ein Weingut muß ich doch negativ erwähnen, weil ich , beim Ruf des Hauses, von den angestellten Weinen doch eher enttäuscht war:

Weingut H.J. Kreuzberg: Mit den angestellten Weinen tue ich mir schwer. Devonschiefer und Schieferlay sind sehr reduktiv und versprühen im Moment wenig Trinkfreude. Hier wird die Zeit zeigen, was aus den Weinen wird.

Unplugged 2010 (g), Devonschiefer 2010 (gg-), Schieferlay GG 2009 (gg+) 

Die Weine vom Weingut Kriechel habe ich leider fast alle verpasst. Nur den schönen Portugieser -B- 2009 (ggg) habe ich vor Ort und nochmal zu Hause probiert. (ausführliche Verkostungsnotiz)

Meine Kaufempfehlungen:

Weingut Körtgen, Spätburgunder trocken 2009, 6,90 € ab Hof

Weingut Deutzerhof: Caspar C. 2009, 22 € ab Hof

Weingut Schumacher: Kräuterberg 2009, 35 € ab Hof (nach Magnum fragen!)

Insgesamt betrachtet war die Ahr-Weinschau eine sehr schöne Veranstaltung. Man konnte sich einen schönen Überblick über das Anbaugebiet verschaffen und neben viel Mittelmaß auch einige tolle Weine verkosten.

Der Veranstalter Ahrwein e.V. überlegt, das Konzept auch in anderen deutschen Großstädten zu wiederholen.

Wie gesagt: Es lohnt sich hinzugehen. Gerade jungen Weintrinkern möchte ich diese Veranstaltung (ahr und) nahe legen, damit die Weinseminare an der Ahr in Zukunft auch mal andere Themen als Wein & Herzinfakt tragen werden. 😉  

Aber im Ernst: Ahr-Spätburgunder können tollen bis genialen Weingenuß bieten. Die Schiefermineralik der Steilhänge ist und bleibt einzigartig in Deutschland.

Der Aufpreis, den man zu anderen Anbaugebieten aubringen muss, lohnt sich oft!

Infos zu Veranstaltungen rund um die Ahr gibt´s unter: www.ahrwein.de

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