Château Paloumey 2008

Während Marco sich auf diversen Veranstaltungen die Gläser füllen lässt, darf ich im Moment umfangreiche Umbaumaßnahmen im betterwine-Weinkeller durchführen. Auch wenn mich die philosophische Frage, ob der Keller immer zu klein oder die Anzahl an Flaschen und Kisten immer zu groß sein wird, durchaus bewegt, will ich die Betrachtungen diesbezüglich auf ein anderes Mal vertagen. Mein eher greifbares Problem: Ich finde nichts mehr. Alles umgestellt, mit Planen verdeckt, und trotzdem überall Staub. Also blind unter den Abdeckplanen gewühlt und eine Flasche Paloumey 2008 herausgezogen.Wir hatten ja vor kurzem den 2009er probiert, und der fruchtbetonte, saftige Jahrgang stand diesem modern gemachten Bordeaux recht gut.

2008 ist ein eher klassisches Jahr, und am Paloumey lassen sich die Probleme des modernen Bordeauxstils in solchen Jahren fast schon exemplarisch aufzeigen. Der Wein ist natürlich noch jung, hat relativ viel Säure, wenig Frucht und ordentliches Tannin. Soweit, sogut. Hätte ein schöner, leichter Trinkwein werden können, ein toller Essensbegleiter. Trotzdem hat man auf dem Château genauso tief in die Holzkiste gegriffen wie bei dem viel fetteren 2009er. Warum??? Ich habe keine Ahnung. Probieren die ihren verdammten Wein nicht, bevor Dauer und Art der Belegung im Faß festlegt werden? Offensichtlich nicht. Hat sich das Holz irgendwann mal  integriert, ist von der schmalen Frucht nicht mehr viel da – und jung trinkbar ist das gute Stück so auch nicht mehr.

Bleibt noch nachzutragen, das der Wein in der Nase Cassis, Kirsche, leichte Würznoten, schöne Röstaromen, feine Vanille und etwas Kokos zeigt. Am Gaumen eher dünn mit einer kräftigen Säure, frisch, die rotbeerige Frucht sehr zurückhaltend, im Moment alles noch von dichtem Holz überlagert. Nicht ganz uncharmant, aber keineswegs harmonisch.

Gekauft bei Supermarkt (Cora) für 10,90 EUR  / Trinkfenster 2013 – 2016
(habe den 2008er online leider nicht gefunden)

 

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