Bordeaux in Bremen: Cos d’Estournel 1994, Siaurac 1999, Nectars des Bertrands 2009 und Perrin Châteauneuf Les Sinards 2004

Wenn mich die Arbeit in den hohen Norden führt, übernachte ich gerne bei Freunden in Bremen, wo man dann bei ein paar Flaschen Wein und interessanter Gesellschaft etwas entspannen kann.

Zwei der Weine haben wir hier schon ausführlicher besprochen, deshalb hier nur die Verweise auf den wirklich leckeren Spaßwein Nectars des Bertrands 2009 (ggg) und den Château Siaurac Lalande de Pomerol 1999 (gg), der mit seiner frischen, schlanken Art seiner Rolle als Essenbegleiter perfekt gerecht wurde.

Zum ersten Mal im Glas hatte ich den Perrin & Fils Châteauneuf-du-Pape Les Sinards aus 2004 (ggg, Trinkfenster jetzt bis 2016) . Typische CdP-Cuvée, stammt überwiegend von den gleichen Weinbergen wie der große Beaucastel, aber von den jüngeren Rebanlagen. Ein feiner, fruchtiger Wein, rote Beeren, Himbeere, Kirsche, etwas Pflaume, Garrique, eine Idee von gegrilltem Fleisch. Am Gaumen mit leichter Säure, eher leichtem Körper, einer süßen, aber glasklaren Frucht, Würznoten, etwas Pfeffer und noch spürbarem Tannin.  Sehr rund, sehr harmonisch, mit guten Trinkfluß, wirkt spielerisch-leicht und kein bisschen angestrengt oder überextrahiert.

Wein des Abends war jedoch der Cos d’Estournel 1994 (ggg, Trinkfenster jetzt-2015). Ich weiß, 1994 war kein großes Bordeaux-Jahr. Sprechen wir von der ersten und zweiten Reihe, war es aber auch bei weitem nicht so schlecht, wie viele gerne kundtun. Zudem hat es zur Zeit drei große Vorteile:

1) Die Weine sind sehr klassisch, vielleicht nicht so fruchtig und etwas rustikaler als z.B 1995, nicht so druckvoll und langlebig wie 1996, aber durchweg natürlich und harmonisch. Es fehlt vielleicht das letzte Quentchen, aber es ist alles da. Die Weinerzeugung war in diesen Jahren noch traditionell. Keine Rotofermenter, keine anderen Frankenstein-Experimente.

2) Die Weine sind bezahlbar. Nicht billig, aber mit 45-55 EUR für z.B. den Cos d’Estournel absolut preiswert. Nur zum Vergleich: Eine Flasche Cos 2009 kostet dagegen rund 295,00 EUR.

3) Die Weine sind jetzt sehr gut trinkbar und müssen nicht mehr gelagert werden. Deshalb würde ich aus diesem Jahr auch keine kleineren Weine mehr kaufen, die sind wahrscheinlich durch. Aber ich freue mich immer, wenn ich für (relativ) kleines Geld tolle Weine wie Troplong-Mondot, Leoville Barton oder eben den Cos d’Estournel einsammeln kann.

Zurück zum Wein: Offensichtlich aus einer guten Flasche, perfekt gereift, dichte, dunkle Farbe, leichter Rand. In der Nase kühle, dunkle Frucht, Bleistift, Zedern, Lakritze, ein Hauch von Orangenschale. Hat immer noch eine schöne Säure, süßer Kern, perfekt integrierte und harmonische Tannine. Nach ca. 1 Stunde an der Luft feine rote Frucht, Cassis und Kirsche. Eleganter und übrigens noch unfilitrierter St. Estèphe. Ein ganz klassischer Bodeaux auf hohem Niveau.

Wie immer ein schöner Abend – bis zum nächsten Mal.

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