Burgunderprobe: Pierre Naigeon Gevrey-Chambertin Les Echezeaux 2009, Frederic Magnien Gevrey-Chambertin Vieilles Vignes 2009, Deutzerhof Mayschosser Mönchberg GG 2009, Domaine A.-F. Gros Bourgogne Hautes Côtes de Nuits 2005, Domaine Bachelet Maranges “Vieilles Vignes” 2005

In Zeiten der rollenden Finanz- und Wirtschaftskrise muss ein wenig Dekadenz einfach erlaubt sein.

Denn eigentlich wollten wir es ja eher ruhig angehen lassen, aber dann kam es doch mal wieder ganz anders.

Burgunder von hoher Güte am laufenden Band wurde als Thema auserkoren.

Naja, da gibt sicher Schlimmeres 😉

Und wenn man mal angefangen hat mit dem Zeug, kann man ja auch immer so schlecht aufhören, zumal der Weinkeller für weitere Probeflaschen den ganzen Abend weit offen stand und nur 100 Schritte entfernt war.

Den Anfang machte ein Fund aus den Tiefen eben diesen Kellers, nämlich der kleine Bourgogne-Hautes Cotes de Nuits 2005 von der Domaine A.F. Gros , der seine besten Zeiten aber leider schon hinter sich hat.

Trotzdem spürte man bei mürber Frucht und beginnenden Alterungsnoten immer noch seine frühere Qualität, die wir in verschiedenen Proben schon verifiziert haben. Die Weine der Domaine sind an und für sich auch durch die Bank empfehlenswert bis groß! (Echezeaux, Richebourg)

Den aktuellen 2009er für 22,- € und andere Weine der Domaine gibt´s  bei Weinhandlung-Drexler

(gg) auftrinken

Ein sehr schönen Eindruck hinterließ danach der Maranges Vieilles Vignes 2005 der Domaine Bachelet.

Vom südlichsten Zipfel der Cotes de Beaune stammend, überzeugte er in seiner kraftvollen und geradlinigen, wenn auch recht rustikalen Art.

Viel Brombeere und Sauerkirsch, mit dezentem Holzausbau. Griffige Tannine, flüssige Säure. Dabei mit süßem Reifekern. Trocken ausgebaut. Nachhaltig.

Ein Essensbegleiter.

jetzt und 2 weitere Jahre 

Den 2009er gibt´s bei Mövenpick-Weinland für faire 17,80 €

(ggg) jetzt und weitere 3 Jahre

Weiter ging´s mit dem Gevrey-Chambertin Les Seuvrées “Vielles Vignes” 2009 von Nachwuchswinzer Frederic Magnien

Mit jugendlicher Süße und Saft. Schon sehr zugänglich und ungemein klar. Leckerer Duft von Walderdbeere und Himbeere. Hat Substanz und Lagerpotenzial.

29,90 € bei Kölner-Weinkeller

(ggg), jetzt und weitere 5 Jahre

 

Als “Pirat” folgte der 2009er Mayschosser Mönchberg Spätburgunder GG vom Weingut Deutzerhof (49,90 € ab Hof)

Noch sehr jung und verschlossen. Frucht ist noch vom Holz überdeckt. In der Nase Kokos und Milchschoki. Cassis, Brombeere. Am Gaumen unharmonisch aber mit grosser Dichte und einem Versprechen für eine grosse Zukunft.

Abwarten.

(ggg-gggg) Trinkfenster 2014-2020

Und dann kam wie ein Blitz vom Himmel der Wein des Abends, der alles andere mit weitem Abstand in den Schatten stellte.

Man kann sagen: Der 2009er “Les Echezeaux” Gevrey-Chambertin “Vieilles Vignes” von Pierre Naigeon hat uns einfach umgehauen.

Als letzter geöffnet, wurde dieser Pinot als erster (und einziger) vollständig leer und das in einer Spitzenzeit!

Relativ hell in der Farbe, trumpfte er in der Nase ganz groß auf: Unglaublich komplexer und feiner Duft von Erdbeerkompott, Himbeere, Feige und Cranberry. Fantastisches, dezent schokoladiges Holz.

Am Gaumen perfekt ausgewogen. Fein und kraftvoll zugleich.

Wahnsinnig saftig und lecker.

Perfektes Tannin wie von kräftigem Schwarztee.

Ewig Lang (45s).

Kann man jetzt schon sehr gut trinken, trotzdem wird er sicher auch noch lange halten.

Die Lagenbezeichnung “Les Echezeaux” hat übrigens nichts mit den berühmten Vosne-Romanee-Weinen zu tun.

Dieser Lieu dit aus Gevrey-Chambertin ist zwar nominell unklassifiziert, grenzt aber unmittelbar an eine andere der grossen Grand-Cru-Lagen im Burgund, nämlich Charmes-Chambertin.

Es wurden nur knappe 800 Faschen produziert!

Dieses opulente, hedonistische Meisterwerk verkauft Euch Mövenpick-Weinland für sportliche, aber angemessene 62,- €.

(gggg-ggggg) jetzt bis 2020

Das ist sicherlich der Toprotwein unseres Weinjahres.  

Kauft ihn Euch für Weihnachten!

Es lohnt sicht.

Dass wird anschließend den Abend mit einem sehr expressiven 99er Barbaresco “Sori Burdin” von Fontanabianca ausklingen liessen, möchte ich hier nur am Rande erwähnen, denn dieser wird im Januar nochmal in einer Probe auftauchen.

Auch war der Vergleich mit den Pinots zwar sicher sehr interessant, doch waren wir nicht mehr in der Lage, am Ende der Probe noch zu wissenschaftlich verwertbaren Ergebnissen bezüglich dieses Weines zu kommen.;-)

Gefallen hat er uns trotz noch unglaublichen Tannins aber sehr!

Alles in allem war das eine wirklich tolle Probe, die Vorfreude auf unsere grosse traditionelle Weihnachtsprobe mit unseren vinophilen Freunden macht.

Zumal dafür u.a. La Misision 1988 und G. Rinaldi Barolo Cannubi, San Lorenzo, Ravera 2003 auf unserer Liste stehen, denen sich noch andere hochwertige Rote hinzu gesellen werden.

In diesem Sinne wünsche ich schon einmal: Frohe Weihnacht!

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