Château Monbrison 2002

Vielleicht klingt es ein wenig makaber, aber so ziemlich jede Medaille hat zwei Seiten. So war der Bordeaux-Jahrgang 2002 förmlich vom Pech verfolgt: Erst die Anschläge von 9/11, der Irak-Krieg und dann die SARS-Panik führten dazu, das die wichtigste Person der Weinwelt, der Kritiker Robert Parker, seine Teilnahme an den Primeur-Proben für den Jahrgang 2002 absagte. Ein Schock für die Châteaux, denn in einem politisch und wirtschaftlichen schwierigen Umfeld ohne das Zugpferd Parker-Punkte war man gezwungen, preislich sehr zurückhaltend zu agieren. Hinzu kam, das 2002 eher klassische Weine hervorgebracht hatte: Gerade so ausgereift, leichter Körper, viel Säure und Tannin,  bei vielen Right Bank Merlots sind die Trauben nie ganz reif geworden. In der öffentlichen Wahrnehmung führte das alles – bis heute – zu dem einfachen Urteil: Der Jahrgang ist schlecht. Grottenschlecht. Was natürlich Bullshit ist.

Beweistück A: Eine Flasche Château Monbrison aus besagtem Jahrgang. 13% Alkohol. Dunkle Farbe, in der Nase dicht, sehr zurückhaltendes Margaux-Parfum, Veilchen, Cassis, Holunder, rote Beeren, teilweise Zeder, rotes Fleisch und eine schöne, kristallin-salzige Mineralität. Am Gaumen mit einer kräftigen, aber gut integrierten Säure und eher leichtem Körper, Kirsche, Cranberry, Cassis und mit süßem Kern, Médoc-Erdigkeit, mineralisch, der Abgang hat sehr gutes, feines Tannin, ist aber etwas kurz. Trinkt sich so unheimlich gut, ist erwartungsgemäß aber insbesondere zum Essen eine echte Macht.

PS: Die andere Seite der Medaille? 2002er Bordeaux sind immer noch verhältnismäßig fair bepreist – also Augen auf!

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