Fight Club I: Château d’Aiguilhe 2008 vs. Château Lilian Ladouys 2008

Ein dunkler, feuchter Keller – adrenalingeschwängerte Luft. Zwei noch halbstarke Weine, die es wissen wollen. Bei diesen Jungspunden geht es gleich zur Sache: Aus der Flasche direkt in Glas, einmal kurz durchatmen lassen und dann ran an den Feind. Bordeaux, rechtes gegen linkes Ufer, willkommen im Fight Club.

Der Château d’Aiguilhe 2008 (g), ein Côtes de Castillion aus dem Portfolio des umtriebigen Grafen von Neippberg,  zeigt sich gleich erstaunlich offen und gleichzeit sehr konzentriert für einen 2008er. In der Nase Cassis, viel dunkle Kirsche, Schokolade, süßes Holz, Lakritze. Am Gaumen mit einer netten Säure, eher leichtem Körper, dunkler Frucht, süßes, wenn auch noch altersbedingt sehr kräftiges Tannin und Bitterschokolade im Abgang. Am zweiten Tag zwar runder, viel Pflaume, aber auch plumb und flach. Handwerklich sicher solide gemacht, hochmoderner Stilmix aus St. Emilion und Pomerol (naja, eher Lalande), aber sieht man sich die 14% Alkohol und das irgendwie unharmonisch wirkende Gesamtgebilde an, drängt sich einem der Eindruck auf, als hätte hier der Konzentrator Gottes Werk etwas Anschubhilfe geleistet. Enttäuschender Retortenwein.

Glaubt man dem Etikett auf der Rückseite des Château Lilian Ladouys 2008 (gg), soll dieser Jahrgang die Renaissance des Cru Bourgois aus St. Estèphe einleiten. Der Wein zeigt sich eher verschlossen und zurückhaltend, mit einer feinen Nase aus schwarzen und roten Johannisbeeren, Cassis, Kirsche, Kokos, feinster Vanille und, soll mich der Teufel holen, frisch gebackenem Brot. Am Gaumen leicht, mit kräftiger Säure, seidiger Textur,  die Frucht reduziert und zurückhaltend, aber gut gereift, mineralische Noten, etwas erdig, im eher kurzen Abgang weiches, süßes Tannin, etwas Vanille, bleibt leicht und angenehm bitter nach. Wird am zweiten Tag noch feiner und intensiver, zeigt Zeder, Tabak, Mineralität, gibt mehr Frucht preis. Auch hier ein modern gemachter Wein, der jede Menge, vielleicht sogar etwas zu viel neues Holz für seinen leichten Körper gesehen hat, dabei aber zumindest jahrgangstypisch und ehrlich bleibt.

Also ein glasklarer Punktsieg für den Lilian Ladouys – kein großer Wein, aber ein schöner, gut gemachter 2008er. Und während der Lilian Ladouys auf seinen Sieg im Fight Club eine Runde gut gefüllter Gläser ausschenkt, glaube ich Tyler Durden zu hören, wie er dem Grafen von Neipperg und seinem Schützling d’Aiguilhe zuruft: Versucht nicht, uns zu verarschen! Vielleicht habe ich mich aber auch nur verhört…

Lilian Ladouys 2008, Trinkfenster 2014 bis 2020, gekauft für 13,95 EUR im Fachhandel / Online gefunden bei Möwenpick für 19,90 EUR.

d’Aiguilhe 2008, Trinkfenster jetzt bis 2016, gekauft für 16,95 EUR im Fachhandel / online gefunden bei Aux Fins Gourmets für 19,95 EUR.

Dieser Beitrag wurde unter Cotes de Castillon, Fight Club, St. Estephe abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Fight Club I: Château d’Aiguilhe 2008 vs. Château Lilian Ladouys 2008

  1. Pingback: Château Lilian Ladouys 2009 | betterwine.de

Kommentar verfassen