Château Lilian Ladouys 2009

Nachdem sich der 2008er Jahrgang des Lilian Ladouys vor kurzem recht beachtlich in unserem Fight Club geschlagen hatte, war ich einem weiteren Versuch mit dem  verführerischen Jahrgang 2009 nicht abgeneigt. Lilian Ladouys ist ein Crus Bourgeois aus St. Estephe, das Anfang der 1990er Jahre als einer der vielversprechensten Newcomer in Bordeaux gehandelt wurde, aber in den Folgejahren mit teilweise katastrophalen Kellerproblemen zu kämpfen hatte, die die Reputation des Weingutes nachhaltig beschädigten. Seit dem Jahrgang 2008 hat man einen neuen Mâitre de Chai und wohl auch massiv in die Modernisierung des Weingutes investiert, was wie ja schon 2008 festgestellt in jedem Fall zu einer deutlichen Qualitätssteigerung geführt hat.

Wie auch schon sein Vorgänger sehr modern ausgebaut, mit dem was man im Moment wohl in Bordeaux beim Faßausbau als zum guten Ton gehörig empfindet: Röstaromen, mit frisch aufgebrühtem Kaffee, Mokka, Milchschokolade, die im Moment noch die gleichfalls opulente, dunkelbeerige Frucht aus Brombeere und Johannisbeere dominieren. Zeigt stellenweise, aber im Moment noch ganz Verhalten, sekundäre Aromen wie Veilchen, florale Noten, etwas Teer und Cabernet-Würznoten.

Am Gaumen ganz der feine, feminine Schmeichler: Zurückhaltende, aber präsente Säure, dichte, dunkelbeerige und fleischige Frucht, leichte Mineralnoten, kräftiges, dabei sehr geschliffenes Tannin, leichte Bitterstoffe, viel Milchschokolade im Abgang. Der Wein ist insgesamt unheimlich rund, warm, seidig und mundfüllend, hat aber genug Profil um nicht langweilig oder banal zu wirken.

Dieser Tage sicher noch zu jung – ruhig mal eine Flasche probieren, aber in 2-3 Jahren dürfte er deutlich ausgewogener sein, im Moment dominiert das Holz einfach noch zu sehr.  Dennoch – der Wein zeigt mehr Potential und Vielschichtigkeit als viele der andere Cru Bourgeois, die ich aus dem Jahrgang probiert habe – wer also moderne, feminine Bordeaux mag, sollte sich in eine Kiste in den Keller stellen. Da der immer noch maßgebliche Weingott Parker “nur” 84-86 Punkte gegeben hat, mußte das Château mit den Preisen auf dem Boden bleiben – die Flasche ist für unter 20 EUR bei der gebotenen Qualität ein guter Wert. Sehr gute zwei Punkte mit Potential für mehr. 14% Alkohol übrigens.

Nachverkostet November 2013: Das Holz hat sich mittlerweile besser integriert, ist aber immer noch dominant. Trotzdem feine, ätherische Nase mit floralen Noten, roten und schwarzen Beeren. Der Wein ist insgesamt ausgewogener, wirkt schlanker und distinguierter, guter Trinkfluß, für den Jahrgang mit erstaunlich fester Struktur. Noch zwei bis drei Jahre warten.

gekauft für 18,50 EUR bei Aux Fins Gourmets / Trinkfenster 2015 – 2022

 

 

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