Union des Grands Crus de Bordeaux Probe Jahrgang 2009 auf der ProWein – Überblick

Während Marco sich glücklicherweise für einige Besuchstage auf der ProWein Zeit freischaufeln konnte, habe ich es nur am Montag nach Düsseldorf geschafft – die aktuelle Jahrgangsprobe 2009 des Erzeuger- und Vermarktungsverbandes Union des Grands Crus de Bordeaux wollte ich mir nicht entgehen lassen. Das Programm war stramm – wir haben gut 45 Weine probiert, überwiegend vom linken Ufer, zum Ende hin wurde die Zeit etwas knapp, so daß wir uns auf einige wenige Proben aus Pomerol und St. Emilion beschränken mußten. Wir haben beide jeweils alle Weine probiert, in der Regel waren wir uns auch einig. Falls nicht, haben wir beide Meinungen im Text notiert.

Ihr findet in diesem ersten Teil unseren Gesamteindruck, aus Platzgründen werden wir die detaillierten Verkostungsnotizen in einen gesonderten Artikel auslagern.

Die Probe war gut besucht (wir schätzen ca. 300 Besucher), die angestellten Weine waren interessant und haben einen guten Überblick in der Breite geboten. Die absoluten Top-Châteaus – alle Premier Crus, fast alle Superseconds und hoch gehandelte Weine wie z.B. Malescot, Montrose, Cos d’Estournel oder Pontet Canet –  haben erwartungsgemäß gefehlt. Es waren aber auch einige Châteaux aus der erweiterten Spitzengruppe am Start, darunter Pichon Comtesse de Lalande, Lynch Bages, Canon oder Troplong Mondot.

Rund  45 Weine in einem relativ kurzen Zeitfenster zu verkosten ist harte Arbeit und ehrlich gesagt das Maximum von dem, was geschulte Weintrinker wie wir sich als Tagespensum zumuten sollten. Wahrscheinlich sogar schon zuviel. Wir waren danach jedenfalls ziemlich ausgelaugt und kaum mehr für weitere Probeschlucke zu begeistern.

Was man auch bei einer solchen Veranstaltung bedenken sollte, und das betrifft auch die Verkostungsnotizen der Profis: Die Weine sind unheimlich jung, die Weine haben praktisch keine Luft zum Atmen bekommen, hier werden die Flaschen im Minutentakt aufgezogen. Geht ja auch gar nicht anders. Die Gläser werden nicht voll gemacht sondern es gibt bessere Degustationspfützen. Eine solche Probe kann einem einen Überblick verschaffen, man kann  Vergleiche ziehen, die Stilistik eines Weines in Bezug auf Säure, Textur, Tanningerüst, Frucht oder Holzeinsatz einschätzen. Das ist ja auch schon eine ganze Menge. Aber eine ernsthafte und den Weinen wirklich gerecht werdende Bewertung braucht mehr Ruhe und einen längeren Betrachtungszeitraum.

Das alles vorausgeschickt, war unser Gesamteindruck von den angestellten Weinen sehr positiv. Unsere erste Einschätzung hat sich größtenteils bestätigt. Auf dem hier getesten Grand Cru Level gab es kaum Ausfälle, die Weine waren praktisch alle technisch einwandfrei gemacht und in Bezug auf die Qualität des Lesegutes und die Kellerarbeit, insbesondere auch den zwar sehr modernen aber auch sehr gekonnten Holzeinsatz, auf allerhöchstem Niveau. Die Weine sind in der Regel sehr fruchtig, vielfach heute schon unheimlich sexy und verführerisch, zugänglich und überwältigend modern. Man hat bis auf wenige Ausnahmen der Versuchung widerstanden, die Weine zu dick und satt zu machen, dies gilt zumindest für das linke Ufer. Fast alle Weine haben eine eher zurückhaltende Säure, bis ins überbordende gehende Frucht, und ein kräftiges Tanningerüst. Die Guten sind alle vom Cabernet geprägt. Beim Holzeinsatz sind fast alle den gleichen Weg gegangen – es dominieren Röstaromen, Kaffee, Schokolade und exotische Noten.  Viele Weine, insbesondere aus Margaux, wirken durch diese Charakteristiken ähnlich und austauschbar – wenn auch auf hohem Niveau. Es geht aber auch anders, wir haben Weine in fast allen Preisklassen gefunden, die jetzt schon ihr Terroir widerspiegeln und unverkennbar eigene  Persönlichkeit zeigen.

Bleibt das letzte Thema – das liebe Geld. Die Weine sind unbestritten sehr gut und qualitativ auf einem hohen Niveau. Wenn man sich von der Idee lösen kann, auch wenn es uns schwer fällt, 2009 an klassischen Bordeaux Jahrgängen zu messen, gibt es eigentlich kaum etwas zu kritisieren. Sind die Preise, insbesondere nach der letzten “Neubewertung” durch den Weinkritiker Robert Parker, den man wohl ungestraft als lieben Freund der Bordelaiser Weinwirtschaft bezeichnen darf, gerechtfertigt?

Teils teils. Der Jahrgang hat sehr gute, feine Weine hervorgebracht, die man mit unter 20 Euro pro Flasche als durchaus fair bepreist bezeichnen kann. Der Trinkspaß ist enorm, und hier sehen wir eine Relation zu Weinen vergleichbarer Qualität aus anderen Regionen noch gewahrt. Große Probleme haben wir mit dem Segment darüber, das sich mittlerweile irgendwo zwischen 40 und 60 Euro pro Flasche bewegt. Château d’Armailhac für 49,90 EUR? Marquis de Terme zu 45,00 EUR? Spürt ihr die Einschläge noch? Auch in diesem Segment gibt es einige Ausnahmen, aber insgesamt passt das einfach nicht mehr, und hier sehe ich ernsthafte Absatzprobleme für die Châteaux, trotzt Parkers Schützenhilfe. Es scheint mir auch fraglich, trotz der unbestrittenen Qualität, ob sich Weine wie Leoville Barton oder Poyferré auf einem Niveau von rund 100 Euro pro Flasche halten können.  Über Weine in der Preisklasse Troplong Mondot (169,00 EUR) oder Pichon Comtesse (220,00 EUR) muss man nicht mehr viel sagen – diese versuchen wie die Premier Crus auch, erfolgreich die Transformation zum reinen Luxusprodukt abzuschließen – und da spielt Geld bekanntlich keine Rolle mehr. So sehr uns die Comtesse auch begeistert hat – den Weg in unseren Keller wird sie wohl nicht mehr finden. Der 2009er Jahrgang ist im Moment wieder ein Spielball der Spekulanten geworden – es würde uns nicht wundern, wenn sich hier manch einer gehörig die Finger verbrennen wird.

Ab sofort geht es dann ins Detail, sobald sich Marco von seinem ProWein-Marathon erholt hat, werden wir unsere Verkostungsnotizen veröffentlichen:

Medoc
Margaux
St. Julien
St. Estephe
Paulliac

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Eine Antwort auf Union des Grands Crus de Bordeaux Probe Jahrgang 2009 auf der ProWein – Überblick

  1. ralph sagt:

    Sehr interessanter Bericht! Bin schon auf eure Notizen gespannt.
    gruß ralph

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