Domaine Clau de Nell Cabernet Franc 2003

Gute Vorsätze zum neuen Jahr sind immer so eine Sache – was den Wein und das Blog angeht, hatte ich zwei klare Ziele. Auch wenn es schwerfällt: Weniger Frankreich, und als Kontrapunkt unbedingt ein paar Rote von der Loire probieren.

Am ersten Punkt arbeite ich noch, aber an das Thema Loire habe ich mich jetzt mal rangewagt. Das war erstmal gar nicht so einfach. Während die Weißweine  leicht erhältlich sind, wird es bei den Rotweinen schon etwas schwieriger. Umso mehr freut es mich, hier gleich mit dem ersten Wein einen echten Volltreffer vorstellen zu dürfen.

Die Anbaugebiete an der Loire gehörten historisch lange zum Königreich von Burgund, was sich noch heute in manchen Dingen widerspiegelt. So füllt man den Wein in Burgunderflaschen, im roten Bereich wird immer noch viel Pinot Noir angebaut. Bei Clau de Nell haben sich – wie passend – zwei aus dem Burgund stammende Winzer zusammengetan – Anne Claude Leflaive von der nicht ganz unbekannten Domaine Leflaive und Claude Pichard. Letzterer hat das Weingut 2001 aufgebaut, konnte finanziell aber nicht reüssieren – woraufhin Mme. Leflaive im Jahre 2005 – natürlich erst nach dem Konkurs, zuviel wollte man ja auch nicht bezahlen – die Domaine übernahm. Pichard blieb als Winemaker an Bord. Clau de Nell ist von Anfang an rigoros biodynamisch geführt worden, wir haben hier also auch einen waschechten Vin Naturel vor uns.

Das Parfum des reinsortigen Cabernet Franc steigt verführerisch aus dem Glas auf: Brombeere, Himbeere, Erdbeere, Würznoten, Minze, eine klare und präzise Mineralik und erste Reifenoten.

Am Gaumen mit einer lebendigen und tragenden Säure, feinste Frucht mit einem harmonischen Gewebe aus roten und schwarzen Beeren und einer satten Extraktsüße, leicht würzig, mit einer gewissen Erdigkeit. Dann im Abgang ein unglaublich feines, gleichzeitig leicht trocknendes und animierendes, mundfüllendes Tannin, geschliffen ohne Ende! Das alles eingepackt in und zusammen mit der Säure von einem kristallklaren mineralischen Gerüst getragen. Hält lange nach.

Der ganze Wein ist unheimlich leicht, elegant und filigran – in seiner Art burgundisch, aber mit der expressiven Fruchtigkeit und der hier unterschwelligen Wucht der Cabernet Franc, sicher auch zum Teil dem sehr warmen Jahrgang 2003 geschuldet. Ein wunderbarer Wein, eigenständig und jetzt in gutem Alter, mit einem unheimlichen Trinkfluß. Ich musste mich wirklich beherrschen, noch einen kleinen Rest in der Flasche für den zweiten Tag zu lassen. Und das alles bei – bitte festhalten! – 12% Alkohol.

Sicher mit 25 Euro nicht ganz billig, aber ein echter Hammerwein und jeden Cent wert. Hat noch ein paar Jahre vor sich, ist jetzt aber schon perfekt trinkreif. Das ist ein Wein, der – zumindest für mich – ein kleines Stück Neuland erschlossen hat. Wer also auch noch keinen reinsortigen Cabernet Franc auf allerhöchstem Niveau getrunken haben und elegante Weine mag, sollte sich hier in jedem Fall wenigstens eine Flasche ziehen. Knappe, aber aufgrund der burgundischen Eleganz, eigenständigen Art und der hedonistischen, superschweren Flasche immer noch verdiente vier Punkte. Der Genuß fängt halt manchmal auch schon vor dem Entkorken an 🙂

Gekauft für 24,50 EUR bei Lobenberg’s Gute Weine / Trinkfenster jetzt – 2018

 

 

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