Domaine Clau de Nell Grolleau 2005

Loire, die Zweite. Eigentlich ja die Dritte. Nachdem Marco schon gute Erfahrungen mit einem Wein aus der dort heimischen autochtonen Sorte Grolleau gemacht hatte, gibt es diesmal die Interpretation von Clau de Nell ins Glas. Grolleau wurde seinerzeit überwiegend als Basis für den Rosé d’Anjou angebaut, aber mittlerweile ist die Anbaufläche drastisch zugunsten von Cabernet Franc und Gamay reduziert worden. Es sind wohl noch einige tausend Hektar unter Reben, aber Ende der 1950er Jahre waren es noch um die 60,000. Grolleau ist ertragsstark, hat viel Säure und wenig Alkohol, kein Wunder also das unser lieber Freund Robert Parker Jr. den Loire-Winzern allen Ernstes empfohlen hat, die Rebsorte bis auf den letzten Stock auszureißen und durch seiner Ansicht nach besser geeignete zu ersetzen.

Das die Rebsorte, entsprechend alten Pflanzungen, Ertragsreduktion und Selektion vorausgesetzt, ebenfalls sehr gute Weine erzeugen kann, zeigt auch diese Abfüllung:

In der Nase Veilchen, eine stark ausgeprägte Mineralik, Brombeere, Kirsche, Walderdbeere, etwas Pflaume, Erde, changiert noch stark.

Am Gaumen lebendige und tragende Säure, sehr elegant, aber gleichzeitig dicht, mineralisch, entwickelt am Gaumen zunächst eine fruchtige, eher rotbeerige Stoffigkeit, die sich zum Abgang hin immer mehr zu einem fast schon filigranen Netz aus Frucht, mildem und süßen Tannin, wirklich nur ganz leichten Würz- und Kräuternoten und animierender Säure hin auflöst. Hält zwar nicht besonders lange nach, aber sehr rund und fein, mit tollem Trinkfluß. Wird mit der Zeit etwas pikanter und gleichzeitig schokoladig. Am zweiten Tag Brombeere und feine Kräuteraromen in der Nase, weicher, runder und auch etwas breiter, behält aber noch seine Spannung. Der Wein ist leicht, frisch und hat trotzdem genug Tiefgang, und das alles bei 12% Alkohol.

Ein Vergleich fällt schwer, erinnert ein wenig an Carignan von wirklich alten Reben, ist aber feiner und mit weniger Tannin ausgestattet. In jedem Fall eine hoch interessante Rebsorte, von der man in dieser Qualität gerne mehr sehen und trinken möchte. Es muß ja nicht immer Cabernet-Merlot sein, und allen anderen Entdeckungsreisenden in Sachen Wein können wir in jedem Fall eine Empfehlung aussprechen.

Gekauft für 26,00 EUR bei Lobenberg’s Gute Weine / Trinkfenster jetzt – 2016

 

 

 

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