Wie gut altern kleine Weine? Ein Blick auf Guigal Côtes du Rhône 2005 und 2006

Liebe Freunde des gepflegten Altweines, dieser Artikel ist kein Grund von euren Gläsern mit 1947er Petrus oder Gevrey-Chambertin Vandermeulen 1955 aufzuschauen. Das große Bordeaux oder Burgunder-Weine gut und gerne einige Jahrzehnte reifen und dabei auch noch besser werden, düfte den meisten Lesern wohl bekannt sein. Es geht also eher um die Frage, wie sich eigentlich einfache Qualitäten halten, die nicht unbedingt auf längere Lagerung hin ausgelegt sind und in der Regel auch keinen Reifeprozess in der Flasche benötigen. Mit einfacher Qualität meinen wir natürlich nicht die teilweise unsägliche Supermarktplörre, sondern solide Basisweine von guten Winzern, Genossenschaften oder auch Negociants. Also  alles das, was sich üblicherweise in der Kategorie zwischen 5-8 Euro pro Flasche bewegt. Wie verändern sich die Weine mit den Jahren und wie lange bleiben sie, anständige Lagerung vorausgesetzt, überhaupt trinkbar?

Generalisieren kann man das natürlich alles nicht, aber zu diesem Zwecke habe ich exemplarisch zwei etwas ältere Flaschen von Guigals Côtes du Rhône aus dem Keller gesucht: 2005 liegt dort seit rund 3 1/2 Jahren, 2006 seit knapp 3 Jahren. Beide Weine sind nicht teuer (laut Cellartracker habe ich je 5,90 EUR bezahlt) und von solider, aber nicht übermäßig guter Qualität. 2005 und 2006 waren an der Rhône eher durchschnittlich, passt also auch.

Beide Weine sind anfangs verschlossen und in der Nase eher reduktiv, brauchen eine gute Stunde bis Sie sich öffnen. Farblich noch intakt, dunkles rot, kleiner Rand.

Der Guigal Côtes du Rhône 2005 (g-gg)  bleibt in der Nase reduktiv, feine rote Beeren, Himbeere, Kirsche, stellenweise erdig, Würznoten. Am Gaumen mit weniger Säure, feiner, extraktsüßer Frucht, kaum mehr würzig, größtenteils abgeschmolzenem Tannin, zur Zeit deutlich runder als der 2006er. Hält sich auf am zweiten und dritten Tag noch sehr gut, wird dann dunkelfruchtiger.

Auch der Guigal Côtes du Rhône 2005 (g+) ist in der Nase erstmal sehr fein, rote Beeren, Himbeere, Würznoten, etwas Pfeffer. Am Gaumen mit guter Säure, extraktsüßem Kern, roter und dunkle Frucht, immer noch merklichem, aber deutlich feinerem Tannin, im Abgang spürt man den mit 13.5% eigentlich recht moderaten Alkohol. Damit hatte der Wein aber auch schon in jungen Jahren zu kämpfen, wenn ich mich recht entsinne. Das bessert sich am zweiten Tag etwas, mehr Frucht, vor allem dunkle Beeren, wird runder, bleibt aber kernig-würziger als der 2005er.

Beiden Weine sind in der Frucht zurückhaltender und auch etwas feiner geworden, insgesamt runder, es fehlt aber jetzt der Druck und die kräftigere, sehr fruchtig-würzige Aromatik, die einen jungen Côtes du Rhône auszeichnet. Mit Sekundäraromen, wie größere Weine sie nach erfolgter Reifung zeigen, konnten beide erwartungsgemäß nicht aufwarten.

Was wäre also das Fazit? In jedem Fall noch trinkbar, verändert, wenn auch nicht verbessert. Das sind Weine, die ich einige Jahre liegen lassen kann – hier würde ich das Potential auf ca. 5 Jahre einschätzen – aber die sich nach der ersten Harmonisierungsphase nicht verbessern.

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