Spätburgunder Barrique Tuniberg (Baden) 2010

Ein guter, alter Bekannter aus Hamburger Zeiten, Josef Simon, der vor kurzem das elterliche Weingut am Tuniberg übernommen hat, hat mir diese Weine zukommen lassen, um mir einen Eindruck vom eigenen Weinschaffen, wie dem einiger benachbarter und befreundeter Weingüter zu ermöglichen.

Die zur Verkostung stehenden Premiumspätburgunder der badischen Weingüter stammen alle aus dem Bereich Tuniberg, der im südwestlichsten Zipfel der Republik, unweit von Freiburg, im Dreiländereck zwischen dem südlichen Baden, der Schweiz und dem Elsass liegt.

Die Lagen am Tuniberg bestehen zum Großteil aus leichten Lößböden, weshalb die Weine hier, trotz des eher südlichen Klimas für Spätburgunder (welches hier aber immer noch etwas kühler, als das am Kaiserstuhl ist) sehr harmonisch gedeihen und bei physiologischer Reife nicht überreif und dicklich werden.

Die angestellten 2010er Spätburgunder, die allesamt im Barrique ausgebaut wurden, sind natürlich noch sehr jung und haben Potenzial für weitere Flaschenreifung.

Sie zeigen alle eine gute Substanz, sind in diesem frühen Stadium getrunken aber sicher noch etwas unharmonisch, verschlossen und vom Holzfaßausbau dominiert.

Jahrgangstypisch haben alle Weine eine frische Säurestruktur und reifefähige Tannine.

Trotzdem bereiten sie mit ausreichender Belüftung auch jetzt schon ordentlich Trinkfreude.

Sie sind alle, und das schätze ich, sehr trocken ausgebaut.

Die Weine aus dem Munzinger Kapellenberg zeigen darüber hinaus interessante kräutrige Noten.

Insgesamt zeigt sich das Feld sehr geschlossen, aber für mich mit einem klaren Favoriten.

Ich habe die Weine über zwei Tage probiert.

Hier meine Verkostungsnotizen:

Weingut Gebr. Mathis “Kalkbödele” Spätburgunder Reserve 2010: Braucht ordentlich Luft, um das Holz zu integrieren. Kräftig, mit reifer Frucht. Schoki, Kirsch, etwas Rosine. Saftiges, cremiges Mundgefühl. Gute Säure. Kompakte Tanninstruktur. Hat alles, was ein guter Spätburgunder braucht.

Trinkfenster 2013-2017 (gg+)

J.J. Simon Pinot Noir 2010 Barrique: Dezente Marzipan- und Sahnetoffeenoten vom Holz. Kräftig, mit klarer Frucht von Zwetschge, Cassis und Sauerkirsch. Mittelkräftig. Frisch, mit mineralischem Kern. Griffige, noch rauhe (Trauben-) tannine. Transparent und flüssig. Der reduktivste Wein von allen. Zeigt Potenzial.

2014-2018 (gg+)

Weingut Hercher Spätburgunder “im Barrique gereift” Freiburger Steinmauer 2010: Äherische Holznote. Fruchtbetonter Duft. Am Gaumen kräftig und direkt. Kirsch, Schlehe und Orangenschale. Wirkt im jetzigen Stadium etwas angestrengt und unruhig. Tannin und Säure benötigen Reifung.

2013-2016 (gg)

Weingut C. Lang Spätburgunder Spätlese Munzinger Kapellenberg 2010: Schöne Frucht. Das süßwürzige Holz steht noch für sich, ist aber fein. Schwarzkirsch, Cassis, Schwarztee, Eisenkraut, Rosinen. Am Gaumen zupackend und flüssig, mit roten Beeren und Sauerkirsch. Griffiges Tannin. Noch recht kompakt. Braucht noch ein wenig Zeit. Guter Nachhall.

2013-2017 (gg+)

Weingut Fridolin Luhr Munzinger Kapellenberg “im Barrique greift” 2010: Verhaltene Frucht. Röstiges Holz. Pflaume, Sauerkirsch, Hagebutte, Darjeeling, Zimt. Geht alles noch nicht richtig zusammen. Wirkt etwas stumpf. Spezielle kräutrige Noten. Abwarten.

2013-2015 (gg-)

St. Remigius Spätburgunder Reserve Merdinger Bühl 2010: Für mich der typischste der sechs Badenser und der primus inter pares. Rauchiges, vanilliges Holz. Reife, klare Frucht. Waldbeeren, Kräuter, Brioche, Waldpilze. Etwas Rosine. Finessereiches Gaumenspiel. Hat Saft und Kraft. Ausgewogene, schokoladige Taninstruktur, gute Frische, sehr gute Länge. 2013-2017 (ggg)

Alle Weine kosten zwischen 15-20 € ab Hof.

Wer diese Barriquespätburgunder und andere Weine der Weingüter verkosten möchte, hat am Ende der Woche Zeit dazu.

Am Freitag den 30.03.2012 gibt es ab 19.00 Uhr ein Verkostungsmenü mit den Weinen im Schloß Reinach in Munzingen (Reservierung unter 07664-4070 bei Schloß Reinach), am Samstag den 31.03 eine kostenfreie Probenveranstaltung von 11.00-18.00 Uhr ebendort.

Weitere Infos und die Webadressen der Weingüter findet Ihr unter http://weinviertel.de/diary/?m=201203

 

 

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