Pittnauer Blaufränkisch Lagenweine – Ungerberg 2008 und Rosenberg 2009

Wir haben es schon immer heimlich und hinter vorgehaltener Hand gesagt, aber langsam sollten wir es hier auch mal schreiben: Blaufränkisch ist eine der ganz großen Rebsorten.

Auch international. Punkt.

Man braucht nur einen Winzer, der weiß, was er tut. Gerhard Pittnauer aus Gols am Neusiedlersee ist so einer. So konnten wir heute abend zwei beeindruckende Beweisstücke in Sachen Blaufränkisch und großes Kino verkosten.

Der Pittnauer Blaufränkisch Ungerberg 2008 (gggg-, Trinkfenster 2014-2020) kommt aus einer Lage mit besonders hohem Lehmanteil. In der Nase sehr fein, elegant und leicht, stellenweise fast ätherisch, zeigt er pikante Würznoten, Stachelbeere, Himbeere, Walderdbeere, später auch Blaubeere, Erdigkeit, etwas Kaffee und Röstaromen vom Holz.  Am Gaumen durchgängig transparent und mit der glasklaren tragenden Säure eines großen Nord-Rhône Weins. Strukturiert mit gutem Grip aber gleichzeitig fein texturiert, würzig, mit kühlem, aber extraktsüßem Fruchtkern und einer gewissen Erdigkeit. Schönes Finish mit feinem Tannin und erstem Schmelz, jeder Schluck erfrischt.

Lehm mit einem guten Anteil an eisenhaltigem Schotter ist der Boden, von dem der Pittnauer Rosenberg 2009 (ggg, Trinkfenster 2016-2022) stammt. Reifer und fülliger schon in der Nase, sehr pikante Würznoten, auch hier weiße Früchte, Stachelbeere, wilder Pfirsich, Cassis, rote Beeren, metallisch, stellenweise eine Idee von Wildbret. Am Gaumen noch sehr jugendlich, säuerlich-frisch und noch nicht ganz harmonisch. Sehr pikant, fast schon grasig, mit viel Sauerkirsche, roter Johannisbeere, Stachelbeere, Zitronengras, Limette, Ingwer, Eisen. Auch hier mit schönem Tannin im Abgang, noch von der Säure dominiert.

Diese Lagenblaufränkisch sind keine hedonistischen Spaßweine oder Brecher. Der hier verfolgte Ansatz zielt mehr auf Eleganz, Transparenz und Vielschichtigkeit.

Dabei reflektieren sie ausgesprochen gut die Sorteneigenschaften und ihr jeweiliges Terroir und sind empfehlenswert für ihre Frische, Würzigkeit und ihre wirklich außergewöhnlichen Fruchtaromatik.

Blaufränkisch braucht Zeit, und das gilt auch für diese beiden – wer kann, sollte eine Flasche jetzt probieren und die Nächste in 5 oder 6 Jahren – beide Weine dürften sich dann zugänglicher und ausgewogener präsentieren – vor allem der Rosenberg 2009 wird von der Lagerzeit profitieren.

Full Disclosure: Beide Weine wurden uns auf Anfrage vom Weingut zur Verkostung gestellt.

Online haben wir diese beiden in Deutschland nicht gefunden, aber Welcome Vino  führt andere Jahrgänge und auch sonst vieles von Pittnauer. Einfach mal telefonisch nachfragen, vielleicht kann man dort ja auch diese beiden Exemplare ranschaffen. Die Weine dürften beide knapp über 30 Euro liegen.

Die Website des Weingutes ist einen Besuch wert: www.pittnauer.com

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