Fight Club II: Domenico Clerico Langhe Dolcetto Visadi 2010 vs. Fratelli Brovia Dolcetto d’Alba Vignavillej 2008

Andere mögen am Korken sparen, bei Clericos nimmt man auch für den Basiswein nur das Beste

Dolcetto, allzu häufig und dabei völlig zu unrecht unterschätzt. Der perfekte Speisebegleiter: Erfrischende Säure, in der Jugend vollfruchtig und mit kräftigem Tannin. Wer keinen weichgespülten Stoff mag, trinkt ihn auch gerne pur. Nun ist es beim Dolcetto, der im Piemont auf den weniger privilegierten, also kühleren, Lagen angebaut wird, so wie bei den meisten anderen Weinen auch. Es gibt eine Menge Schrott. Aber die Besten bringen eine Menge Klasse für einen sehr überschaubaren Preis ins Glas. Überschaubar heißt hier übrigens um die 10,00 EUR. Und es ist ja nicht unbedingt ein Nachteil, wenn ein Wein keine 15 Jahre lagern muss, sondern wirklich in den ersten  Jahren voll auf den Punkt und da ist.

Heute stehen sich also zwei echte Piemonteser Jungspunde gegenüber. Aus dem aktuellen Jahrgang 2010 der Dolcetto des Barolo-Godfathers Domenico Clerico, mit zwei Jahren mehr Kampferfahrung der Vignavillej der Gebrüder Brovia.

Fratelli Brovia Dolcetto d’Alba Vignavillej 2008

Der Fratelli Brovia Dolcetto d’Alba Vignavillej 2008 (gg-, jetzt bis 2013) ist in der Nase sehr fruchtig, ausladend und breitschultrig, Brombeere, Pflaume, etwas Erde, Vanille. Am Gaumen dicht, rund und warm, die fraglos vorhandene Säure ist gut integriert. Die immer noch im Überfluss auftrumpfende hochreife Frucht dominiert den Wein, auch hier überwiegend dunkle Beeren und Pflaume, fast schon rosinig, jede Menge Extraktsüße. Zeigt eine leicht erdige, mineralische Note und recht feines, fast vollständig abgeschmolzenes aber immer noch präsentes Tannin im Abgang. Kann die 14% Alkohol leider nicht ganz verbergen, wirkt duch die ungebändige Frucht etwas unstrukturiert.

Domenico Clerico Dolcetto Langhe Visadi 2010

Ganz anders der Domenico Clerico Dolcetto Langhe Visadi 2010 (ggg, jetzt bis 2015). In der Nase gegenüber dem Brovia fast schon zurückhaltend wirkend, braucht eine gute Stunde Luft. Mit feinen roten Beeren, Johannisbeere, Pflaume, Brombeere, Mandel, sauber und kristallklar. Das setzt sich auch am Gaumen fort, eher kompakt, frisch mit schöner Säure, Kirsche, Brombeere, Pflaume, guter Extraktsüße, mit einem feinen, strukturgebendem mineralischen Gerüst, erdig, etwas Teer und Leder. Der Wein drückt kräftig nach hinten raus, mit wirklich allerfeinstem, leicht schokoladigem Tannin im Abgang, bleibt lange nach. Frisch, fruchtig, fein, rund und balanciert, ein echtes Meisterstück.

Der Brovia ist ein guter Wein, keine Frage, und wer den dicken, fruchtigen Typ bevorzugt, wird ihn vielleicht sogar bevorzugen. Klarer Sieger nach Punkten ist aber der zugegeben auch jüngere Domenico Clerico. Frisch, klar, präzise, strukturiert und trotzdem mit einer reifen, druckvollen Frucht. Der beste Wein unter 10 Euro, den ich in letzter Zeit getrunken habe – und das will wirklich etwas heißen. Da zeigt sich die wahre Kunst eines Winzers, auch bei den Basisqualitäten einen herausragenden Wein abzuliefern.

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