Bordeaux 2011 – Willkommen an der Gieronde!

Nur mäßig gespannt war ich auf den aktuellen Jahrgang 2011 im Bordeaux. Das Wetter war ungewöhnlich: der Frühling warm, der Sommer eher kühl und regnerisch, die Ernte, gerade beim Cabernet, schwierig. Im Vorfeld ging man von einem bestenfalls durchschnittlichen und sehr inkonsistenten Jahr aus.

Das änderte sich  mit der Primeur-Verkostung, die, so wie jedes Jahr, im April von der Bordelaiser Weinwirtschaft organisiert wurde. Die ersten Eindrücke der  –  in der Regel auf Kosten der Chateaux dort verweilenden – mehr oder weniger professionellen Weinjournalisten: Soooo schlecht ist der Jahrgang nun doch nicht. Besser als erwartet. Eigentlich sogar ziemlich gut. Leute wie Tim Atkin MW hatten sogar 16 Weine mit 96 und mehr Punkten notiert. Also doch schon wieder ein neuer Jahrhundertjahrgang? Die Meinungen gehen auseinander. Unabhängigere Betrachter wie Chris Kissack sehen selbst die üblichen Top-Weine nur auf 15-17 Punkte Niveau. Die Revue de Vin de France (RVF) hat mit Ausone nur einen einzigen Wein auf 18 Punkten.  Selbst mein Spezi Robert Parker sieht mit Ausone und  Margaux nur zwei Weine sicher auf 96 Punkten.

Lassen wir die offensichtlich also zumindest strittige Qualität der Weine mal für einen Moment beiseite und sprechen wir über die Preise. Die Premier Crus haben “deutliche” Preisabschläge angekündigt. Lafite-Rothschild gibt 30% nach und kostet damit “nur” noch 950,00 EUR pro Flasche. Klingt erstmal nach einem kräftigen Nachlass, aber wen man bedenkt das eine Flasche 2005er Lafite noch für 450 EUR zu haben war, ist das immer noch ein Aufschlag von mehr  als 100% für einen Wein, den selbst Parker nur bei 90-93 Punkten sieht. Da hat der gute Mann schon Languedoc-Weine für 10 Euro mit mehr Punkten bedacht…

Die meisten kleinen Châteaux, so wurde schon im Vorfeld kommuniziert, wollen hingegen  mit den Preisen gar nicht oder kaum runter. Cantemerle, für mich immer der Inbegriff eines ordentlichen, aber selbst in großen Jahren völlig unspektakulären Weines, gibt 6% nach. 29,00 EUR also, das ist der Preis, der auch für den deutlich besseren 2009er aufgerufen wurde.  Parker gibt heuer 88-90 Punkte, das ist  knapp unter der Wahrnehmungsgrenze. Es gibt auch Ausnahmen, so geht das Château Sérilhan fast 30% unter den Preis des 2010er und ist damit auf dem Niveau seines 2008er Jahrgangs.

Nun hört man allenthalben das Argument, das die Erntemengen in 2011 so gering waren, das die Preise nicht noch weiter sinken können. Und warum? Damit die Profite der Châteaux stabil bleiben! Die Logik dahinter: Der Wein ist schlecht, aber wir haben so wenig davon machen können, das wir ihn einfach teuer verkaufen müssen. Absoluter Irrsinn!

Letztlich liegt es natürlich in unseren Händen als Käufer, ob sich das alles so am Markt durchsetzen lassen wird. Sollte man also Bordeaux 2011 subskribieren? Klare Antwort: Nein. Die Qualität scheint  so unregelmäßig zu sein, das sich selbst die Kritiker uneinig sind.  Wartet also ab, bis ihr die Weine probieren könnt. Aber selbst die guten Weine sind zu teuer.

Mäßige Qualität, dafür dann deutlich zu hohe Preise, die Lager sind noch voll mit 2007, 2008, teilweise auch 2009 und 2010. Ernsthaftes Potential nach oben sehe ich für die 2011er da nicht. Es sollte wohl mit dem Teufel zugehen, wenn die Weine zur Arrivage 2013/14 nicht für die gleichen Preise oder günstiger gehandelt werden.

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