Fight Club III: Château Belle Vue Haut-Medoc 2009 vs. Château Cambon la Pelouse 2009

Belle Vue 2009 vs. Cambon la Pelouse 2009

Frisch aus der Subskription, und dann nach kurzer Ruhepause direkt bei uns in die Arena. Eigentlich eine ganz reizvolle Paarung: beide Weine sind aus dem Wunderjahrgang (TM) 2009, beide haben ihre Weinberge im Haut-Medoc, direkt südlich der Appellation Margaux, um die Ortschaft Macau herum. So grenzt z.B. Cambon la Pelouse direkt an Giscours (Margaux) und Cantemerle (Haut-Medoc). Das Terroir ist bei beiden ähnlich, in der Nähe der Gironde gelegen und mit stark kieshaltigem Boden. Der Kies reguliert den Wasserhaushalt der Anbauflächen und ermöglicht den Weinen gleichzeitig eine mineralische Struktur. Also beste Voraussetzung für ein spannendes Duell dieser beiden Bordeaux Cru Bourgeois.

Der Belle-Vue braucht im Moment noch kräftiges Essen, z.B. Spareribs vom Grill

In der Farbe sind beide kaum zu unterscheiden, dichtes rot, fast schon purpur. Im linken Glas der Château Belle-Vue Haut-Medoc 2009 (ggg-, Trinkfenster 2015-2022). In der Nase satt und dicht,  Brombeere, schwarze Johannisbeere, Blaubeere, etwas Holunder, erdig, merkliches Holz, jede Menge Röstaromen, später auch Amarena- und Herzkirsche. Am Gaumen breit und ausladend, mit leichter Säure, unfilitriert. Sexy, saftig, samtige Textur, schöne, schwarzbeerige Frucht, pflaumig, Kirsche, leicht mineralisch, erdig, superfeines Tannin, relativ langer Abgang. Der mit 20% sehr hohe Petit Verdot Anteil gibt dem Wein neben einer im Moment noch kaum wahrnehmbaren floralen Note auch das nötige Rückgrat und ein gewisses Lagerungspotential. Ohne Frage sehr modern, aber auch  jahrgangstypisch einfach lecker. Hat im Moment noch soviel Kraft das er kaum laufen kann, sollte also noch einige Zeit im Keller abspecken. 14% Alkohol.

Fein, elegant und mit burgundischer Würze und Süße

Anders der Château Cambon la Pelouse 2009 (gg-ggg, Trinkfenster 2013 bis 2020). In der Nase eher ungewöhnlich mit Walderdbeere, dunklen Waldbereren, Kirsche, Cassis. Nimmt man eine tiefen Zug, zeigt er feine Würznoten und eine betörende, burgundische Süße. Am Gaumen klar, fein und präzise, rund und später auch weich, mit guter Säure, stoffig, aber keinesfalls dicht, recht konzentriert, kirschige Frucht, Waldbeeren, schwarze Johannisbeere, mineralisch und mit pikanter Würze, im Abgang feines, aber merkliches, leicht adstringierendes Tannin, moderater Holzeinsatz. Mit ausreichend Belüftung jetzt schon gut trinkbar, dürfte sich auch zukünftig kaum verschließen. Moderner Stil,  hat auch 14 Freunde mitgebracht.

Denkbar knapp. Im Moment ist der Cambon la Pelouse sicher schöner zu trinken, aber man bleibt  mit dem Gefühl zurück, das hier mehr möglich gewesen wäre. Ein schöner, feiner, fruchtiger Wein, aber der letzte Kick fehlt. Der Belle-Vue ist heuer noch bis an die Schmerzgrenze fruchtig, kräftig und von neuem Holz geprägt. Brachial, zeigt aber mehr Potential und die besseren Anlagen. Wird interessant zu sehen, ob er dieses Versprechen einlösen kann oder eher auseinanderfällt. Wir halten euch auf dem Laufenden 🙂

Gekauft in Subskription, online gefunden bei Les Amis du Vin:
Belle Vue für 18,50 EUR, Cambon la Pelouse für 18,00 EUR

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