Pittacum Barrica 2007 und Pittacum Aurea 2007 D.O. Bierza

In der spanischen D.O. Bierza keltert man Rotweine aus der autochtonen Sorte Mencia

Terras Gauda ist ein relativ junges spanisches Wein-Konglomerat, das sich vor allem mit seinen Weißen einen Namen gemacht hat. Die ebenfalls dazugehörige, in Bierzo gelegene Bodegas Pittacum produziert hingegen ausschließlich Rotweine, und zwar aus der autochtonen Sorte Mencia. Da die D.O. Bierzo im Nordwesten Spaniens entlang des Jakobsweges liegt, hat sich lange die Auffassung gehalten, das Mencia eine Variante der so aus Frankreich eingeführten Cabernet Franc sei – dies wurde aber vor kurzem durch DNS-Tests widerlegt. Traditionell war und ist Mencia immer eher ein heller, rustikaler, fruchtiger, stark säurehaltiger Wein gewesen, den der furchtlose Trinker meist jung und gut gekühlt seiner Bestimmung zuführen sollte. Einige qualitätsorientierte Winzer, darunter Pittacum, erzeugen mittlerweile durch bewährte  Maßnahmen im Weinberg wie geringere Erträge, sorgfältige Selektion und schonende Lese, vor allem aber durch ihre Kellerarbeit, hier insbesondere die deutlich längeren Maischestandzeiten, Rotweine auf zumindest international konkurrenzfähigem Niveau.

Nett, gefällig und fruchtbetont

Der Basiswein Pittacum Barrica 2007 (gg-, Trinkfenster jetzt – 2015) lagert 8 Monate lang in Barriques, es wurden in diesem Jahrgang rund 180.000 Flaschen produziert. In der Nase intensiv, süß, aber nicht penetrant, mit einer leichten Schiefernote, dunkle Frucht, Pflaume, Kirsche, Kräuter, Rosmarin, eine Idee von Minze, Tabak. Am Gaumen mit einer  kräftigen Säure, voluminös, dicht, konzentriert, saftig, auch hier Kirsche, Pflaume, hohe Extraktsüße, schöner, leicht bitterer, mit feinem Tannin ausgekleideter Abgang.  Am zweiten Tag mit Brombeere,  Tabak, am Gaumen breiter und undifferenzierter, würzig, der schöne Abgang bleibt. International gemachter und sehr fruchtiger Wein ohne nennenswerte Stärken und Schwächen, der sich jetzt schon gut trinkt und besonders gerne etwas kühler ins Glas kommt. 14.5% Alkohol.

Das Goldkind der Bodega - interessant, wirkt aber etwas overdone

Der Lagenwein Pittacum Aurea 2007 (ggg, Trinkfenster 2015-2022) stammt von einem nur 1ha großen Weinberg, karge Schieferböden, 70-100 Jahre alte Reben, 14 Monate im Barrique, rund 12.000 Flaschen wurden abgefüllt. Zeigt sich im Glas ausladend und mit einem herrlichen Schieferstinker, sehr reife, dunkle Frucht, Schwarzkirsche, Pflaume, Erde, auch hier Kräuter, Röstaromen vom Holz, Vanille, Toffee. Am Gaumen konzentriert, warm, üppig und fleischig, sehr dicht, Alkohol scheint durch, eingekochter, süßer Rumtopf, Lakritze, mineralisch, Schiefer, erdig, balsamische Würznoten, mencia-typisch etwas staubig im wirklich langen Abgang, mit schönem, schokoladigen Tannin. Der Wein deutet durchaus Komplexität und ein interessantes mineralisches Spiel an, das aber keine Chance gegen die hochreife, eingekochte Frucht mit ihrer grenzwertigen Süße und den dann doch merklichen Alkohol hat. Klar, da passiert jede Menge am Gaumen, aber so richtig zusammen findet das alles erstmal nicht.  Dann am zweiten Tag  etwas harmonischer, strukturierter, feiner und mit einer schönen Mineralik, geiler Abgang, behält aber seine dicke, eingekochte, fast schon rosinige Tonalität. Der Wein braucht in jedem Fall Zeit. Nagelt mich bitte nicht fest, aber er dürfte wohl erst in  4-6 Jahren zu seiner Bestform auflaufen.

Beide Weine sind in jedem Fall nur etwas für Liebhaber des dicken, fruchtigen Weinstils. Finesse-Trinker werden hier nicht glücklich, mehr als ein Glas würde ich mir von dem Stoff nicht geben. Der Pittacum Aurea ist interessant und hat Potential, wirkt für mich aber nicht wirklich aus einem Guss. Bei den Voraussetzungen sollte da mehr möglich sein.  Wobei mehr hier auch einfach mehr Fokus auf das Wesentliche sein könnte.

Full Disclosure: Die Weine wurden uns unaufgefordert und kostenlos von Terras Gauda zur Verkostung gestellt.

Online z.B. gefunden bei Silkes Weinkeller, Pittacum Barrica 2007 für 11,50 EUR und Pittacum Aurea 2007 für 29,50 EUR

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