Damilano Barolo Cannubi 1998 …und was es sonst noch diese Woche gab

Leider ein Totalausfall: Mirafiore Barolo 1964

Meine Woche war ziemlich stressig. Zwei neue, größere Fälle mit einer gemeinsamen Aktenstärke von gut 8 cm auf den Tisch bekommen, Deadline natürlich am besten gestern. Parallel dazu einen Vortrag vorbereiten, halten und dazu zwei Tagen Kongress. Gut, besser so als Langeweile, aber da freut man sich schon mal auf’s wohlverdiente Wochenende. Vor allem wenn das Kongresshotel genau zwei Weine anbietet: Ja, richtig geraten, es gab “Rot” und “Weiß”. Wider besseren Wissens “Rot” probiert – klebrig, penetrant süß, Vanille bis zum Anschlag, leicht würzig, eingekochte Frucht, wahrscheinlich Grenache von der Rhone oder anderswo aus dem Süden Frankreichs.

Da der Sommer ja immer noch auf sich warten lässt, gab’s zur Belohnung für die stressige Woche heute Barolo. Obwohl, Barolo geht ja eigentlich immer. Zuerst eine Hochrisikoflasche aufgezogen, einen Barolo Serralunga d’Alba 1964 von Mirafiore. Durchtränkter Korken, im Glas jede Menge Sediment und helle, rostbraune Farbe. In der Nase flüchtige Säure, Sherry, Liebstöckel. Am Gaumen ein Totalausfall und ungenießbar, zum Glück für nur relativ kleines Geld auf Ebay eingesammelt.

Ein archetypischer Cannubi aus einem großen Jahr

Erwartungsgemäß gab der Damilano Barolo Cannubi 1998 dann sein Bestes, um die Schmach vergessen zu machen. Guter Jahrgang, alte Reben (1935 bestockt), mit Cannubi eine der ganz großen Cru-Lagen im Barolo, da kann man schon etwas erwarten.

Braucht noch gute zwei Stunden Luft, bis er sich ganz zeigt. In der Nase sehr fein, Rosen, etwas Teer, leicht würzig, schwarzer Tee, Brombeere, Kirsche, Holunder, stellenweise auch ätherische Noten, Minze, Lakritze. Das ist alles fein verwoben und kommt mit einer burgundischen Leichtigkeit daher.

Am Gaumen mit erstaunlich leichtem Körper, zwar ohne den allerletzen Druck, aber dafür rund, geschliffen und harmonisch. Mit feiner Säure, herrlich reifem und extraktsüßem Kern aus Kirsche und Waldbeeren, im langen Abgang das schon größtenteils aufgelöste, leicht ätherische Tannin mit etwas Bitterschokolade in perfekter Harmonie mit dem Teer, Gummi und Darjeeling-Tee der Nebbiolo. Dabei immer leicht und tänzerisch,  sehr burgundisch auf seine Art. Wow!

Ein archetypischer Cannubi, vielleicht nicht so dicht und druckvoll wie manch andere Weine aus dieser Lage, aber dafür bewusst spielerisch, leicht und filigran. Ganz großes Kino, ein Glück für Marco, das ich noch eine Flasche habe 🙂

Gekauft für lächerliche 21,00 EUR auf Ebay / aktuelle Jahrgänge eher  55,00 EUR
z.B. (der wahrscheinlich schwächere) Damilano Barolo Cannubi 2003 bei La Cantinetta

 

 

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