Clos Fantine La Liquiere La Lanterne Rouge V.d.F. (2011)

Geiles Etikett, geiler Name, geiler Wein..

 

Das Etikett dieses Weines ist schon mal sehr geil.

Der Name auch, wie ich finde.

Und der Inhalt der Flasche defintif!

Als Wahlkölner trinke ich diesen Roten auf den FC und den Wiederaufstieg in der nächsten Saison…(wenn`s denn klappt!).

Zuerst zum Namen.

Die Bezeichnung “Lanterne Rouge” oder auf deutsch  “Rote Laterne” leitet sich ursprünglich von den roten Rücklichtern am Ende der französischen Eisenbahnzüge ab.

“Être la lanterne rouge”, auf deutsch “die rote Laterne innehaben”, bedeutet umgangssprachlich ja soviel wie: Der Letzte sein, der ankommt.

Bei der Tour de France bezeichnet man deshalb auch den letztplazierten Fahrer im Feld traditionsgemäß als Rote Laterne.

Diesem kommt von der französischen Öffentlichkeit immer besondere Aufmerksamkeit zu, obwohl und gerade weil er vom Siegerpodest meilenweit entfernt bleibt, denn man bewundert ihn dafür, dass er sich trotz fehlender Siegchance durch halb Frankreich bis auf den Champs-Élysées durchkämpft hat. Außerdem gehört bei einem Profiradrennen erstaunlicherweise auch viel Geschick dazu, Letzter zu werden, da man, wenn man das Zeitlimit einer Etappe nicht einhält, einfach aus dem Rennen genommen wird.

Was hat das nun mit unserem Wein zu tun?

Ganz einfach!

Der L.R., ist ein ROTwein, der mit intensivem Purpur im Glas steht.

Er besteht zur Hälfte aus der in Frankreich selten gewordenen und nicht gerade als erstklassig geltenden roten Traube AramonDiese wird auf dem Weingut Clos Fantine deshalb jedoch nicht stiefmütterlich rausgerissen, um höherwertige Sorten zu pflanzen, sondern bewahrt und gepflegt. Man schenkt der Aramon hier Beachtung, obwohl sie keine Vorzeigesorte ist und anderswo ganz hinten ansteht.

Auch wird sie hier als letzte aller Rebsorten gelesen, so hat sie zusätzlich noch in dieser Hinsicht “die rote Laterne inne”.

(By the way: Die Cinsault, die ihr hier als Verschnittpartner dient, ist ebenfalls eine spätreifende Sorte.)

So macht der plakative Name Sinn!

Was das Gute darüber hinaus ist: Der Inhalt der Flasche steht der schönen bildhaften Namensgebung auch geschmacklich nicht nach.

Der L.R. ist nicht der Topfahrer , sondern der aufrichtige, fruchtbetonte Alltagswein dieses kleinen Weingutes aus dem Faugères, das sich dem ungeschwefelten, “natürlichen” Wein verschrieben hat. Darüber hinaus gibt es noch einen Faugères A.O.C.  und eine Reserve.

Er ist, wie nicht ganz unüblich bei Vin Naturel, nur weitgefasst als Vin de France deklariert, stammt dabei aber ausschließlich aus dem Jahrgang 2011 und nur aus den eigenen Weinbergen des Gutes.

In der Nase zeigt er sich begleitet von typischem Vin Naturel-Aromen: Etwas Flüchtige, etwas Oxidation.

Darüber lasse ich mich nicht weiter aus, denn das gehört in gewissem Masse immer dazu, wenn man bei der Weinbereitung auf den Zusatz von Schwefel verzichtet. Wie bei allem, macht die Menge das Gift, und bei diesem Wein ist das alles voll im grünen-ähm-ich meine “roten” Bereich ;-).

Auf jeden Fall gibt es in dieser Hinsicht extremere Vins naturels.

Nun zum Eigentlichen:

Der L.R. ist ein ungemein trinkiger und erfrischender Geselle.

Von der Kohlensäurevergärung bestimmt, duftet er fruchtbetont und frisch nach reifer Kirsche, Holunder und Holunderblüte. Entwickelt mit Belüftung zunehmend Süße.

Am Gaumen entfaltet er sich mittelkräftig bis kräftig, mit intensiver, saftiger Frucht, prägnanter Säure und mineralisch-salzigem Fond. Erinnert dabei an einen guten trockenen Lambrusco.

Wieder viel Kirsch, explizit Sauerkirsch und Holunder.

Lakritzige Würze. Griffiges, leicht grünes Tannin.

Sein extraktsüßer Kern und frischer Säurenerv sorgen im Zusammenspiel für Spannkraft und den Lust-auf-mehr-Faktor.

Sicher, das ist kein Plüschhäs´schen, weil mit Ecken und Kanten ausgestattet.

Ich empfinde ihn im Sinne seiner unverstellten, jugendlich ungestümen Persönlichkeit aber als ungemein anregend und spannend.

Der L.R. ist in jedem Fall ein purer “Vin de Soif”, eben ein ehrlicher Trinkwein und Kämpfertyp im besten Sinne.

Die Cinsault gibt ihm Substanz und Reife, die Aramon den Frischekick und Fluß.

Ein Hammer zu gegrilltem Fleisch und Fisch, aber auch zu kräftigem Käse, oder einfach so.

Dann werden die Letzten die Ersten sein!

aus biologischem Anbau,  spontan vergoren, ungefiltert, ungeschwefelt

leicht gekühlt bei 14-16° C trinken

50 % Cinsault und 50 % Aramon

13 % Alkohol

jetzt und 1 Jahr

9,- € bei La VinCaillerie

 

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