Château Lanessan Haut-Médoc 2000

So wünscht man sich seinen Bordeaux: Balanciert, guter Trinkfluß und preislich im Rahmen

Zum 300. Geburtstag von Rousseau darf es auch mal wieder ein Franzose sein. Lanessan ist eines dieser Bordeaux-Weingüter, das jede Menge Geschichte atmet und zu dem man diverse Anekdoten zu erzählen weiss: So habe es zum Beispiel der damalige Eigentümer schlichtweg abgelehnt, seine Weine zur Klassifikation von 1855 anzustellen, da der bereits exorbitant gute Ruf des Château dadurch kaum mehr zu steigern sei und er den bürokratischen Nonsense ablehnte. Ob dies nun wahr ist oder nicht, unbestritten ist sicher das Lanessan bis in die späten 1920er große Weine erzeugt hat, die in guten Jahren durchaus mit den Premier und Deuxieme Crus ihrer Zeit mithalten konnten. Allein, vom großen Ruhm vergangener Tage kann man nicht zehren. Über die letzten Jahrzehnte hat man den Anschluss an die ganz Großen verpasst, war bis zu Annulierung der gesamten Cru Bourgeois Klassifikation zuletzt als Cru Bourgeois Superieur geführt. Die Weine sind nie wirklich schlecht, aber bekommen nur in wirklich großen Jahrgängen den nötigen Kick, um sich über den Durchschnitt zu erheben.

So auch der gut gereifte und jetzt perfekt im Trinkfenster befindliche Jahrgang 2000. Empfängt uns in der  Nase erstmal mit gehörigem Pferdestall, dann schwarze Johannisbeere, Pflaume, Rumtopf und zimtiger Weihnachtsstern, später auch etwas Minze. Am Gaumen mit kräftiger, spülender Säure, balanciert und rund, immer noch saftiger Textur, tiefer, dunkler Frucht, Cassis, Kirsche und der typischen Médoc-Erdigkeit. Im vielleicht etwas kurzen Abgang mit feinem, noch gerade so spürbarem Tannin. Gute Struktur, klar vom Cabernet bestimmt.

Ein schöner, jetzt perfekt trinkbarer Bordeaux nach traditioneller Machart, dazu aus dem vielleicht letzten wirklich klassischen Jahrgang 2000. Hält vielleicht noch ein paar Jahre, aber besser wird er sicher nicht mehr. 13% Alkohol, alles in allem knappe 3 Punkte. Eine Kiste würde ich mir davon jetzt auch nicht mehr kaufen, aber bei dem sehr fairen Preis dürfen es schon ein paar Flaschen sein.

Gekauft für 19,80 EUR bei Axel Buess Exquisite Weine / Trinkfenster: Jetzt – 2014

 

 

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