Rocche Costamagna Rocche dell’Annunziata Barolo 2000

Für Freunde des gepflegten internationalen Weinstils: Rocche dell’Annunziata Barolo 2000

Die Barolo-Kriege verlaufen längst nicht mehr entlang der Demarkationslinie von Traditionalisten und Erneuerern – die wirklich herausragenden Winzer haben mittlerweile eine Position gefunden, die das Beste aus beiden Welten vereint.

Die meisten Baroli, die wir bisher hier im Glas hatten, waren somit auch Terroir-Weine im besten Sinne, die die feine, kristalline Struktur der Nebbiolo voll zur Geltung gebracht haben und z.B. auf dickes Holz oder übermäßige Konzentration verzichtet haben.

Parallel dazu hat sich im Piemont aber auch ein anderer, eher internationaler Stil entwickelt, der weniger die Besonderheiten der Nebbiolo zelebriert sondern Anschluß an den als international *hust, Parker, hust* vorherrschend empfundenen Weingeschmack gesucht hat.

Ein Vertreter dieses internationalen Stils im Barolo ist Rocche Costamagna. Dieser Wein ist aus La Morra, genauer aus der Cru-Lage Rocche dell’Annunziata, wo man rund 4,5h unter Reben hat. Barolos aus La Morra sind immer eher feminin, weich und schmeichlerisch. Vielleicht nicht so langlebig wie die anderen Barolos, dafür aber auch schon früher zugänglich.

In der Nase betörend fruchtig und süß, intensive rote Beeren, Flieder und Rosen, etwas Lakritze, aber in erster Linie sehr fruchtig. Fächert mit der Zeit mehr auf, wird etwas komplexer, zeigt sublime Aromen von Teer, Tabak, Zeder und Minze.

Am Gaumen mit für einen Barolo eher leichten Säure (kleine Randnotiz: Laut Weingut sind es 5.8 g/l , das ist dann immer noch fast 50% mehr als ein durchschnittlicher Bordeaux in 2009 auf die Flasche bringt), vielleicht etwas wenig Struktur, geprägt von seiner sehr intensiven, hochreifen und extraktsüßen Frucht, Erdbeere, Waldhimbeere, etwas Herzkirsche, mineralisch, noch gerade so merkliches, aber schönes Tannin mit Teer und Lakritze im etwas kurzen Abgang.

Mir persönlich etwas zu fruchtig, eindeutig und modern – man leidet mit der armen, vergewaltigten Nebbiolo. Das ist dann wie bei den hochkonzentrierten Spätburgundern, die man hierzulande gerne macht – das mögen objektiv gute Weine sein, aber das ist nicht das, was man von dieser Rebsorte sehen will. Andererseits ist das hier sicher ein sehr guter Wein, wenn man eben diese internationale Stilistik mag – handwerklich solide und ohne Mängel.

Gekauft bei Ebay für rund 24,00 EUR / Trinkfenster: Jetzt – 2014
Online gibt es bei Donatelli den (wahrscheinlich besseren) Jahrgang 2001 für 31,00 EUR

 

 

 

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