Jaboulet Ainé Hermitage La Chapelle 1998

Ein großer Name: Jaboulet Hermitage La Chapelle 1998

Manche Weine haben einen legendären Ruf, der sich selbst zu besten Zeiten nur schwer durch das rechtfertigen lässt, was man dann in der Flasche vorfindet. Das gilt natürlich ganz besonders, wenn das Weingut eine schwierige Phase durchmachen musste, wie Jaboulet Ainé im Jahre 1997 nach dem unerwarteten Tod des charismatischen Gérard Jaboulet.

Insofern waren meine Hoffnungen, in der Flasche Hermitage La Chapelle 1998 trotz des eigentlich großen Jahrgangs an der Rhône einen außerordentlichen Wein zu finden, arg gedämpft. Die Farbe ist erstmal intakt und recht dicht, aber nicht so kräftig, wie man es bei einem Hermitage erwarten dürfte. Der Wein ist für einen gerade mal 14 Jahre alten Hermitage unheimlich weit entwickelt. Direkt aus der Flasche staubig und mit einem penetranten Fehlton, der sich aber mit einiger Zeit an der Luft legte. Braucht in jedem Fall mehrere Stunden Belüftung.

In der Nase durchaus komplex, Oliventapenade als Grundton, etwas Minze, Anis, wenig rote Beeren, rauchig, Wildbret, Bacon, rotes Fleisch, Veilchen, aber leider immer auch ewas staubig. Am Gaumen mit kräftiger, klar dominierender Säure, noch etwas Sauerkirsche als letzte Verneigung vor der Primärfrucht, die sicher auch mal da war. Im Abgang würzig, Pfeffer, Olive, Kaffee,  Röstaromen direkt vom Grill, etwas staubiges Tannin, die Säure trägt bis zum Ende. Sicher ein typischer und guter Nord-Rhône, vor allem in der Nase, dem handwerklich die nötige Balance etwas abgeht, was die Zeit aber noch richten mag.  Wer aber nach der Größe und Schönheit sucht, die der große Namen verspricht, wird sie hier nicht finden. Also kein großer Hermitage und dafür mit einem Preisschild, bei dem mir die Tränen kommen. Überaus knappe drei Punkte.

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4 Antworten auf Jaboulet Ainé Hermitage La Chapelle 1998

  1. Alex sagt:

    Hallo Stefan,

    schön das du deine Erfahrungen mit uns teilst. Es ist sicher was dran an dem alten Spruch “Es gibt keine guten Weine, nur gute Flaschen”. Bei dem 98er Chapelle können wir das mal auf die Probe stellen, es gibt nämlich noch eine Flasche im Keller. Mal sehen, wie die sich gehalten hat. Werde hier berichten 🙂

    LG,
    Alex

  2. Stefan sagt:

    Tatsächlich erinnert mich die obige Beschreibung eher an eine Flasche 1999er La Chapelle, getrunken am Silvesterabend 2012. Im Gegensatz dazu war 1998, getrunken im Juni 2013, eine Offenbarung. Ein ausgeprägtes Bukett sekundärer Noten, aber auch noch viel Primärfrucht. Sehr geschmeidig, ausgewogen und elegant am Gaumen, ein kräftiger, aber nicht überbordender Körper. Einzig die Erscheinung (äußerst trüb) war nicht top. Ob es nun Flaschenglück ist oder nicht, dafür fehlt mir die Erfahrung mit La Chapelle. Ein 1994er, getrunken im April 2012, war jedenfalls nicht der Rede wert.

  3. Alex sagt:

    Hallo Eric,

    danke für deinen Kommentar. Klar spielt bei einem Wein in dem Alter auch die Flaschenform eine Rolle. Ich fand den Wein übrigens gar nicht schlecht, nur nicht außerordentlich gut. Ein großer Hermitage ist was anderes.

    LG,
    Alex

  4. Rauschenberger sagt:

    Lieber Weinfreund

    hab gerade ein 1998 aufgemacht , er ist gar nicht wie du ihm beschreibt
    Vermutlich hast du ein schlechte flasche erwischt
    mfg
    Eric

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