Kleine Sommerprobe mit Elio Grasso Gavarini Vigna Chinera 1997, Citran 2009 und einigen alten Bekannten

Ein lauer Sommerabend. Marco in der Stadt. Ehrensache dass da auch bei sommerlichen Temperaturen eine kleine, aber mit sehr unterschiedlichen Charakteren bestückte Probe aus dem betterwine-Keller gezaubert wird.

Also die Flaschen temperiert, aufgezogen und los geht’s.

Gesichtslos und unspektakulär der Citran 2009, hedonistisch und verführerisch dagegen Nectar des Bertrands 2009

Den Anfang machten zwei 2009er Bordeaux.

Offen und direkt sehr zugänglich das Cru Bourgeois Château Citran. In der Nase mit süßer, roter Frucht, auch etwas Cassis, Vanille vom Holz, später auch eine ganz leichte Médoc-Erdigkeit. Am Gaumen auch überwiegend rotfruchtig, die Cabernet tritt stark zurück, leicht unreife Säure, kaum Tannin. Der Wein ist sehr modern und primärfruchtig ausgelegt, rund, einigermaßen frisch, zeigt aber keine Bordeaux-Typizität. Tut nicht weh, macht aber auch nicht unbedingt froh und ist damit viel zu teuer (g+, jetzt bis 2015).

In immer besserer Form zeigte sich hingegen der Nectar des Bertrands 2009. Braucht 3-4 Stunden an der Luft, baut dann aber immer weiter aus. Tiefe und reiche Merlot-Frucht, seidige Textur, hochklassiges, feinkörniges Tannin (ggg+, 2013-2018). Der Wein liefert wirklich weit über seiner Preisklasse.

Ein Wolf im Schafspelz und zwei echte kantige Weine

Zwischenzeitlich hatte sich der gute Peter zu uns gesellt und das Grillgut konnte auf den Tisch.

Als perfekter Begleiter zum Steak zeigte sich der Laffont Madiran Tradition 2006. Ist mittlerweile etwas runder und hat einen schönen Schmelz entwickelt. Die kräftige Säure spült perfekt, immer noch dichte Holunder- und Brombeerfrucht, ordentlich Tannin. Ein robuster Stoff. Kratzt in dem Zustand locker an den drei Punkten. (ggg).

Zweiter Sieger zum Gegrillten war heute dagegen nur der Syrah “Les Candives” VdP 2009 von Yves Cuilleron. Ein klassischer, archetypischer Nord-Rhône mit kühler, dunkler Frucht, viel Oliventapenade, Veilchen und einer tollen Säure, dem im Moment aber dann doch die letzte Nachhaltigkeit und Präzision fehlt (gg+).

Gegen diese kantigen, knochentrocknen Weine kommt der Deutzerhof Frühburgunder Alpha und Omega 2009 erstmal als Wolf im Schafspelz daher. Das ist natürlich eine ganz andere Nummer, hohe Extraktsüße, feine, glasklare, aber auch dominierende rotbeerige Frucht. Hat man sich aber erstmal wieder darauf eingetrunken, entfalten auch die pikante Würzigkeit und das extrem geschliffene Tannin ihre Wirkung. Lecker! (ggg).

Bevor es dann zum Wein des Abends ging haben wir noch zwei südfranzösische Rote von Jacques-Weindepot dazwischen geschoben, nämlich den 2009er Petit Verdot von der Domaine du Bosc, der bei aller weinmacherisch erzeugter Fülle und Würze doch leicht unsauber wirkte und uns nicht überzeugen konnte. Seifig, floral, ohne Struktur (g-, jetzt trinken).

Um so besser hingegen der Cabernet de L´Arjolle 2009, der die stilsichere Handschrift, den dieser Wein in fast jedem Jahr besitzt, wieder unter Beweis stellt. Gutes Holz, pikante Frucht, ordentlich Power und Potenzial. Dabei mit dem Touch Meersaum, der dem Citran 2009 aus dem Bordelais sicher gut zu Gesicht gestanden hätte. Ein zuverlässiger Value mit Niveau, der noch etwas Zeit in der Flasche vertragen kann (gg-ggg, 60 % Cabernet Sauvignon, 40 %Cabernet Franc, 2013-2018).

Ein großer, traditioneller Barolo: Elio Grasso Gavarini “Vigna Chiniera” 1997

Gut Ding will Weile haben und so war mittlerweile auch der Elio Grasso Barolo Gavarini Vigna Chinera 1997 ausreichend belüftet. Ein für das Hitzejahr 1997 untypischer Wein, sehr fein, distinguiert, fast schon ätherisch. In der Nase Kirsche, schwarzer Tee, Rosen, etwas Teer, mineralisch. Am Gaumen unglaublich balanciert, filigran, feinste rote Beeren, intaktes, feinkörniges Tannin – natürlich von der Frucht, der Wein dürfte kaum Neuholz gesehen haben. Noten von Anis, schwarzem Tee, floral und wieder etwas Teer. Trotz aller Leichtigkeit noch mit ausreichend Druck und Kraft. Natürlich kein Vergleich zu den ganzen Jungspunden am Tisch (gggg-, jetzt bis 2015).

10er Goldtröpfchen Kabinett von Später-Veit

 

Zum Abschluß fand dann doch auch noch ein Weißer den Weg in unsere Gläser, nämlich der  Später-Veit Piesporter Goldtröpfchen Kabinett 2010.

Ein  ausgewogener Riesling, mit typisch rotbeeriger aber auch tropischer Frucht (Maracuja), der sich mit gut eingebundener Restsüße als Reparaturwein glänzend bewährte (gg+, jetzt und 2 Jahre).

Alles in allem wieder Mal eine spannende Probe, auch weil sie so wild zusammengemixt war und man die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Weine direkt miteinander vergleichen konnte.

Wir versuchen in jedem Fall noch von dem Madiran nachzukaufen. Das ist ein ehrlicher, direkter Stoff, der überzeugt, und das für unter 8,-€.

 

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