Domaine Lassolle Coup Franc 2008

Der Coup.

Leute, Leute. Da ahnt man nichts Böses und kauft sich dann im Weinlager um die Ecke ahnungslos eine Flasche Vin Naturel.

Nicht das das Angebot dort nicht ausufernd wäre, nein, trotzdem suche ich mir unbekannterweise einen Wein vom wahrscheinlich freakigsten Weingut des gesamten Sortiments aus.

Das könnte man auch als ein kleines Zeichen nehmen.

Nachdem ich bei Facebook und auf anderen Weinblogs kürzlich eine Diskussion über objektive Kriterien bei der Weinbewertung verfolgt habe, möchte ich mich bei der Verkostung dieses Weines einmal ganz auf mein subjektives Empfinden zurückwerfen und jede Fehleranalyse als Bewertungsgrundlage bei diesem puren Roten aussen vorlassen.

Denn, um es doch vorne weg zu schicken, der Coup Franc hat flüchtige Säure, etwas Oxidation, auch einen kleinen Spontistinker aber was nach allgemeinen Bewertungskriterien in der Anhäufung der sogenannten Weinfehler gar nicht sein dürfte: Er  schmeckt mir trotzdem gut.

Soll ich daraus jetzt schließen, dass ich mich aus der Weinkritik zurückziehen soll, weil ich ihm trotz dieser objektiven Fehler ein gutes Zeugnis ausstellen werde?

Vielleicht ja.

Ich weigere mich in diesem Fall aber lieber normierte Geschmackskriterien anzuerkennen, egal wie sehr diese im allgemeinen berechtigt sein mögen, denn was schmeckt, das schmeckt, so einfach muss das bleiben.

Denn alles andere geht letztendlich an unseren eigenen Bedürfnissen vorbei.

Nun zu dem, was ich jenseits aller vorgeformten Trinksozialisation unmittelbar wahrnehme und das sind ausnahmslos intensive Eindrücke.

Und: Die Fehltöne gehen mit zunehmender Belüftung zurück und ich beginne mich natürlich gleichzeitig an sie zu gewöhnen und sie als das zu nehmen, was sie sind: Teil dieses Weins, der über echte Qualität verfügt.

In der kräftigen Nase habe ich Fruchtnoten von erdiger, süßer Cassis und schokoladiger Kirsche. Auch rohes Fleisch, später auch Minze und Graphit. Zu Anfang etwas scharfe und apfelige Säure, die Reifungsbedürfnis signalisiert, mit Belüftung nach 1-2 Stunden dann aber zurücktritt. Dann kommt auch seine stilistische Nähe zum Bordeaux immer stärker zum tragen und er wirkt zugleich immer reifer, tiefer und auch extraktsüßer.

Alles im Duft ist kompakt miteinander Verwoben und hat in seinem zugleich Süßen und pikant Säurefrischen eine schöne Komplexität und vorallem auch etwas Pures und Unverstelltes.

Am Gaumen ist der Coup geradlinig und roh, mit Cabernet Franc-typischem Säurenerv, der dominant ist, aber zugleich sehr schön die Aromen trägt.

Begleitende zugleich reife Süße, die aber nicht nervt.

Viel intensive Cassis und Sauerkirsch.

Dabei ist der Coup bei 12,8 % Alkohol flüssig und trinkanimierend.

Die Nachhaltigkeit, über die er verfügt, verläuft noch nicht harmonisch am Gaumen, der Wein bleibt eher mit seiner Extraktsüße vorne stecken, während die Säurefrische ihn nach hinten raus gnadenlos wegträgt. Dann taucht er aber vorne wieder auf und offenbart auch seine durchaus reifen Tannine, die in ihrer bitterschokoladigen Qualität glänzen.

Ich persönlich finde diesen Südwestfranzosen richtig spannend, gerade in seiner widersprüchlichen und unharmonischen Art, würde aber denken, dass das nicht unbedingt mehrheitsfähig ist.

Wer sich zu den experimentierfreudigen Weintrinkern zählt sollte diesen Wein jedoch in Betracht ziehen.

Ich glaube er kann gut reifen und wird in  1-2 Jahren ausgewogener und noch besser werden. Das Risiko, das er, bei nur geringer Schwefelung abstürzt, ist glaube ich überschaubar.

Will man ihn jetzt trinken, sollte man ihn 1-2 Stunden dekantieren.

Was man sicher kritisieren kann, ist der Preis. Mit knapp 20,- € ist der nicht ganz ohne.

Trotzdem würde ich ihn für dieser authentische Stück Weinkultur jederzeit wieder bezahlen.

Keine Frage.

jetzt und weitere 3 Jahre 19,50 € bei Kölner Weinkeller

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