Domaine Remi Jeanniard Chambolle-Musigny Vielles Vignes 2010

Ich konnte mittlerweile eine gewisse Anzahl an kleineren Burgundern aus dem 2010er Jahrgang probieren und bin wirklich begeistert. Die Weine sind ganz anders als 2009, weniger dicht, weniger opulent, weniger ausladend. Dafür haben sie eine erfrischende Säure und innere Kohärenz, was bei den besseren Weinen für einen Spannungsbogen sorgt, der einen im positiven Sinne gefangen nimmt. Dazu kommt das ebenfalls voll ausgereifte Lesegut, dessen hoher Anteil an kleinen Beeren für ein ungewöhnlich präsentes, aber auch feinkörniges und reifes Tannin sorgt.

Die Weine sind in der Frucht präzise, klar und transparent aber bringen deutlich mehr Dichte und Ausdruck als zum Beispiel 2006 oder 2008 ein.

Ein schönes Beispiel dafür ist die Villages-Abfüllung Chambolle-Musigny von Remi Jeanniard, einer eher unbekannten Domaine, die bisher nicht durch übermäßig qualitätsbewußtes Arbeiten aufgefallen wäre.

Von dem Wein gibt es rund 3000 Flaschen bei einem (theoretischen Ertrag) von 52hl/ha. Immerhin, die Reben sind alle zwischen 35 und 70 Jahren alt, der Wein ist klassisch ausgebaut.

Domaine Remi Jeanniard Chambolle-Musigny

Da fällt es einem schwer, die Finger von der Flasche zu lassen: Chambolle-Musigny von Remi Jeanniard

Im Glas für einen Pinot relativ dichtes, helles Rot. In der Nase duftig, feine rote Beeren, Walderdbeere, Himbeere, nur leicht würzig, mineralisch, Waldboden, im Gesamtpaket durchaus Chambolle.

Am Gaumen dann deutlich spannender: Leicht, packende Säure, seidige Textur, elegante, vielschichtige rote Frucht, unheimlich klar und präzise, gleichzeitig aber präsent und relativ druckvoll. Feine Pinot-Würznoten, kristalline Mineralität, im Abgang präsentes, feines Tannin.

Der Wein hat diesen magischen Spannungsbogen, hält relativ lange nach und wird von der Säure bis ins Finish getragen. Das ist jetzt kein großes Kino, aber einfach ein herrlich animierender Trinkwein, bei dem es einem schwer fällt, nicht immer wieder das Glas nachzufüllen.

2010 ist ein sehr konsistentes Jahr, ähnlich wie 2005 und 2009. Die Qualitätsdichte ist hoch. Es muss also nicht exakt dieser Wein sein. Finesse-Trinker, auch solche mit gutem Keller zum Reifen, kommen an Burgund 2010 nicht vorbei.

Viele Grand und Premier Crus sind wegen der geringen Erträge sehr teuer – gute Villages oder nicht klassifizierte Lagenweine sind also die schlauere Wahl.

Gekauft für 19,90 EUR  in Frankreich auf einer Foire aux Vins (Cora) /
Trinkfenster jetzt – 2019

 

 

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