Exklusivität oder doch schon Manierismus?

Die Weinkritik ist eine der letzten Bastionen der blumigen Sprache. Mit einer wortgewaltigen Beschreibung kann der Autor hoffen die Komplexität und Magie eines Weines einzufangen oder aber auch aus einem müden Tropfen auf dem Papier den nächsten Stern am Weinhimmel machen. Gerade der ambitionierte Weinhandel billigt da manch kleinem Gewächs ungeahnte Qualitäten zu und zieht Vergleiche, die man dann häufig nicht nachvollziehen kann, wenn man den Wein vor sich im Glas hat.

Soweit, sogut – aber habt ihr euch dieser Tage mal die Website von Mövenpick Wein angesehen? Da kommt der Wein nicht mehr aus Südamerika sondern aus Sudamérica, den man dann nicht vor dem Kamin sondern dem Cheminée genießt. Die Weine werden hier noch wie zu Kaiser Wilhelms Zeiten chambriert. Sollte man den Wein nach dem Öffnen dekantieren oder nicht? Ich nehme einen Probeschluck, der Möwenpick Kunde degustiert. Diese Tonalität zieht sich so auch durch die Werbemailings des Hauses. Uns nervt das – sprachlich ist man hier weit über das Ziel hinaus geschossen, die Grenze zum Manierismus längst überschritten.

Die Intention ist klar – hier versucht man ein exklusives Image aufzubauen, in dem man dem zumindest von uns längst totgeglaubten Geist des elitären Weinsnobs wieder neues Leben einhaucht. Guter Wein als exklusives, also im wahrsten Sinne des Wortes abgrenzendes und auschließendes Erlebnis –  ist es das, wo wir wirklich wieder hinwollen?

Was haltet ihr vom Marketing à la Mövenpick?

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Eine Antwort auf Exklusivität oder doch schon Manierismus?

  1. Thomas sagt:

    Danke für den Beitrag. Mir geht das Gesülze auch total auf den Geist.

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