Fight Club V: H.J. Kreuzberg Dernauer vs. Marienthaler Spätburgunder

Beeindruckende Spätburgunder von der Ahr

Das ist das erste Mal, dass ich den Fight Club hoste.

Im Gegensatz zum sonst üblichen Prozedere werde ich dieses Mal nicht Weine aus zwei verschiedenen Weingütern, sondern zwei trockene Spätburgunder aus ein und demselben Haus gegeneinander antreten lassen.

Diese zeigen im direkten Vergleich natürlich keine riesigen Unterschiede, da sie aus der selben Sorte stammen, aus dem selben Jahrgang, einen ähnlichen Ausbau erfahren haben und von ihrer Wertigkeit als VdP-Ortsweine auch nominell auf einer Stufe stehen.

Trotzdem haben sie einen deutlich unterscheidbaren Charakter, was sicher auch an den unterschiedlichen Böden liegt, von denen sie stammen. (Die Marienthaler Lagen haben einen höheren Grauwacke-Anteil als die schiefergeprägten Dernauer Lagen)

Vorwegschicken möchte ich, dass ich bisher widersprüchliche Erfahrungen mit den Weinen aus dem Hause H.J. Kreuzberg gemacht habe. Bei verschiedenen Gelegenheiten verkostet, zeigten sie sich manches Mal etwas stumpf und was die Qualität des Fassausbaus angeht, nicht auf der Höhe.

Um so mehr hat es mich gefreut, dass ich anläßlich einer kleinen Wandertour mit Freunden durch das schöne Ahrtal, die Gelegenheit hatte, bei der anschließenden Einkehr in der zum Weingut gehörigen Stausswirtschaft, einige der neuen 2011er Spätburgunder zu probieren.

Diese zeigen, wie ich finde, von den Basisqualitäten ab eine eindeutige Aufwärtstendenz gegenüber den mir bekannten Weinen aus den Jahrgängen 2008-2010, was auch am stark verbesserten Faßausbau liegt.

Nun zu den Kontrahenten.

Den Anfang macht der Zugänglichere der Beiden, der Dernauer Spätburgunder 2011.

Er ist schon in der Nase ein fruchtiger, filligraner Wein, der mit feiner Kirsche, Himbeere, Cassis und gut eingebundenem, würzigem Holz punktet. Da könnte man sich, von seiner Duftigkeit animiert, glatt reinlegen.

Am Gaumen entfaltet er sich kräftig und fein zugleich. Die Frucht spielt schön zwischen extraktsüßem Saft und fein ziselierter Säure.

Neben seiner feinfruchtigen Art hat er einen ausgewogenen Körper und eine gute Länge. Die Tannine sind weich und rund und stammen mehr aus der Frucht, denn aus dem Holz.

Ein in jeder Hinsicht eleganter und sehr flüssiger Spätburgunder, den man jetzt schon mit grossem Genuß trinken kann.

jetzt und weitere 5 Jahre, (ggg)

Der 2011er Marienthaler zeigt sich mindestens ebenbürtig.

Schon im Duft merkt man aber klare Unterschiede.

Die Frucht ist von dunklen Beeren wie Brombeere und Johannisbeere geprägt, aber bei weitem nicht so präsent wie bei seinem Dernauer Pendant. Zeigt außerdem spannende Graphit- und Steintöne. Das Holz kommt etwas röstiger, ist aber ebenso gut eingebunden.

Auch am Gaumen ist der Marienthaler in seiner dunkelbeerigen Frucht noch verhaltener, gleichzeitig hat er mehr Druck.

Präsente, bitterschokoladige Tannine und salziges Mineral ohne Ende. Sehr gute Länge.

Wirkt insgesamt etwas trockener.

Potenziell ein klassischer, mineralischer Spätburgunder.

Sollte aber in jedem Fall noch ein wenig abhängen, um sich entfalten und harmonisieren zu können.

Ende nächsten Jahres kann man da aber sicher schon mal ran.

Hat sehr gutes Lagerpotenzial.

2013- 2020, (ggg+)

Dieser Fight-Club zeigt, wie unterschiedlich, trotz grosser Gemeinsamkeiten zwei Spätburgunder aus einem Haus sein können.

Schön, dass es gelungen ist, diese so schön herauszuarbeiten.

Ich persönlich ziehe den maskulinen Marienthaler dem gefälligeren Dernauer vor.

Das ist aber Geschmacksfrage und hängt auch davon ab, ob man die Geduld hat auf den Marienthaler zu warten. Zum sofortigen Genuß eignet sich der Dernauer besser.

Klassische und klasse Ahrweine sind beide allemal.

Mit diesen Weinen und dem Rest der Rotweinkollektion ist das Weingut aus meiner Sicht wieder auf dem Weg zur Spitze des Anbaugebiets.

Auf die Grossen Gewächse von hier darf man demnächst gespannt sein.

beide Weine kosten 29,-€ ab Hof. www.weingut-kreuzberg.de

 

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