Weiser Künstler Riesling Kabinett Enkircher Ellergrub 2007 und 2011

Rieslinge die reifen sollten: Weiser Künstler Enkircher Ellergub Kabinett

Mit diesem Vergleich zweier typischer Kabinettweine vom Weingut Weiser-Künstler, die aus der gleichen Schiefersteillage, aber aus unterschiedlichen Jahrgängen stammen, möchte ich hiermit einmal die Lanze brechen für den gereiften Riesling von der Mosel, der auch beim nominell kleinsten Prädikat über eine große Lager- und Entwicklungsfähigkeit verfügt.

Von diesem Weingut aus Traben-Trarbach haben wir bisher den Basisriesling aus 2010 und 2011 verkostet, der uns in beiden Jahren in seiner leichten, unverstellten und animierenden Art sehr viel Trinkspaß bereitet hat.

Jetzt zeigen diese beiden restsüßen Kabinettweine einmal mehr, welches Potenzial in diesem Weingut steckt, gerade auch, weil der direkte Vergleich zwischen dem 07er und 11er Jahrgang zeigt, wie gut sich die Rieslinge entwickeln.

Der 2007er zeigt sich im Duft harmonisch, mit würzige Reifenoten und feiner Schiefermineralik. Die Frucht ist von gelben, reifen Früchten und feinen Zitrusnoten geprägt.

Am Gaumen dann mit erstaunlich jugendlicher und saftiger Frucht von grünem und gelbem Apfel, süßem Pfirsich, Quitte und Zitrus.

Schöner mineralischer Fond. Geiles Süß-Sauer-Spiel.

Ein schlankes und feines Stöffchen, das im Moment genau zwischen gereift und jugendlich frisch steht und je nach Belüftungszustand zwischen diesen beiden Polen hin- und herschwingt.

Kann sich für meinen Geschmack  deshalb noch weiter harmonisieren, ist aber auch jetzt schon ein echter und spannender Genuß.

Typisch für seine Altersklasse mit leicht karamelligem Abgang, aber jenseits von altersschwach.

Die Säure geht animierend nach und nicht nur die. Auch die Frucht trägt sich über die ausgewogenene Restsüße angenehm fort.

Ein schöner, typischer Moselkabinett. Wer ihn noch im  Keller hat, darf sich freuen.

(ggg) (2013-2016)

 

Der 2011er ist ein ebenso idealtypischer, restsüßer Kabinett von der Mosel.

Noch ist er sehr unruhig und macht über Tage (und sogar Wochen) verkostet auf und zu.

Vegetabiler, kräutriger Spontistinker. Pralle  Stachelbeeer-, Pfirsich- und Zitrusaromen in der Nase. Auch feuchter Schieferstein.

Überhaupt nicht süß im Duft, geschmacklich würde man nach dem Reinriechen einen weitaus trockeneren Wein erwarten.

Am Gaumen mit klarer, pikanter und zugleich süßer und saftiger Frucht und klassischer Schiefermineralik. Zischende, reifebedürftige Säure. Dezente Bitterstoffe, die der Süße guten Halt geben und in der weiteren Reifung abschmelzen dürften.

Der Schwefel ist im jetzigen Stadium noch spürbar (süße Weine haben davon bekanntlich mehr nötig als trockene).

Wer neugierig ist kann ihn zu Beginn des nächsten Sommers rausholen und schauen, was sich getan hat. Ich würde aber eher noch ein Jahr länger warten.

Trinkfenster 2014-2020 (ggg)

 

Was ich wirklich erstaunlich finde: Beide Rieslinge oxidieren bei geöffneter Flasche im Kühlschrank kaum. Selbst der kleine Rest vom 2007er macht fast 6 Wochen nach der Öffnung immer noch Spaß.

Und bitte keine Angst vor der Restsüße dieser Weine.

Die ist natürlich da, aber genau dass was diesen Typ Wein ausmacht und zusammen mit der prägnanten Säure des Rieslings ein Garant für geniales Süße-Säure-Spiel ist. Das gibt es zusammen mit der ausgeprägten Schiefermineralik (fast) nur an der Mosel.

Außerdem reduziert sich die Süße sensorisch im Laufe der Flaschenreifung immer mehr und integriert sich, wenn der Wein wie hier, gut gemacht ist, im Prinzip vollständig.

Bei nur 7,5 % bzw. 8 % Alkohol sind diese Weine außerdem ein selten leichtes Weinvergnügen, das einen auch im Hochsommer nicht vom Terrassenstuhl haut.

Meine Empfehlung: Kauft Euch ein Kistchen 11er Enkircher Ellergrub Kabinett, legt ihn in den Keller, oder wo immer Ihr Euren Wein lagert, und trinkt jedes Jahr eine Flasche im Sommer als Aperitif, zu einem schönen leichten Essen (Sushi und Asiatisch allgemein passt super) oder einfach so.

Ihr werdet fasziniert sein, wie er sich über die Jahre verändern wird.

Wenn er Euch schmeckt, werdet Ihr ihn wahrscheinlich aber schon im ersten Jahr leergetrunken haben.

Schwamm drüber, das passiert. Dann beim nächsten Mal einfach ein paar Flaschen mehr weglegen. 🙂

9,80 € ab Hof

 

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