Fontodi Chianti Classico 2009

Nachdem wir schon die beiden Jahrgänge 2006 und 2007 verkostet und für empfehlenswert befunden haben, hier jetzt der aktuelle Fontodi Chianti Classico aus dem Jahr 2009, der wie immer zu 100% aus hauseigenen Sangiovesetrauben aus der Gemeinde Panzano, im Herzen des Anbaugebietes, stammt.

Immer wieder gut: Fontodi Chianti Classico

Wie immer bei Fontodi gibt´s nach dem Öffnen erstmal ordentlich staubiges Holz und sonst nicht viel ins Glas. Da kann Belüftung mal wieder nichts schaden. Deshalb habe ich mich dafür entschieden, den Wein über Nacht zu dekantieren.

Das hilft ihm zwar deutlich auf die Sprünge, aber der Gute scheint sich im Moment doch nur sehr widerspenstig öffnen zu wollen.

Das Tanningerüst erinnert in seiner Ausprägung an den 2006er Jahrgang des Hauses, gleichzeitig ist der 2009 säurebetonter und schlanker angelegt.

Im Gegensatz zum 2009er erscheint mir der offenherzige, fruchtig-reife 2007er als easy-drinking und zum jetzigen Sologenuß wahrscheinlich als die beste Wahl aus den Dreien.

Was den 2009er auszeichnet, ist seine ausgeprägte Mineralität, die ihm einen Terroircharakter gibt, über den 06er und 07er in diesem ausgeprägten Maße nicht verfügen.

Er entwickelt in seinem jetzigen Stadium auch nach 12 Stunden im Dekanter noch wenig bis gar keine Süße und man hat das Gefühl, dass  der Extrakt hinter der Säure- und Tanninwand einfach stecken bleibt.

Dekanter-Swinging bis der Arm abfällt ist angesagt.

Da hilft nur Eines: Richtig schütteln und zwar ausgiebig.

Und siehe da, es passiert was.

In der Nase kommt zusehends Duft an, der an einen klassischen Sangiovese-Wein erinnert. Süße dunkle Kirsche, Brombeere, mit viel Luft auch Himbeere, feine Pilznoten, Veilchen, Marzipan und mineralische Bleistiftspitze.

Ätherisches, dienliches Holz mit feinem Vanilletouch. Etwas Liebstöckel.

Alles zeigt sich mehr und mehr präsent, vielschichtig und spannend.

Am Gaumen kommt der 09er Fontodi noch kompakt und zugleich recht schlank.

Wieder viel Kirsche, explizit Sauerkirsch.

Angedeutete Extraktsüße, die sich im Laufe der Entwicklung sicher Bahn brechen wird, aber jetzt, wie gesagt, im ordentlich trocknenden Tannin feststeckt. Frischer apfeliger Säurekick, der trägt und einen gewissen Trinkfluß erzeugt, aber auch noch abhängen kann.

Alles ist schon da, transparent, aber noch verschlossen, unharmonisch und dabei in der Summe doch recht uncharmant.

Die Struktur ist aber in jedem Fall vielversprechend, weil man merkt, dass Frucht und Extraktsüße nur darauf warten, dass das Tannin abschmilzt und die Säure sich einfügt, um hervortreten zu können. Der salzig-mineralische Nerv, der sich am Gaumen hält, birgt ebenfalls weiteres Verfeinerungspotenzial.

Auch changiert der 09er Fontodi im Laufe der Öffnung ziemlich  stark, was normalerweise immer ein gutes Zeichen ist.

Am Dritten Tag der Verkostung schmeckt er mir dann am besten. Die Süße und die Frucht kommen jetzt gut durch, Tannin und Säure sind gemildert und besser integriert. Der Wein gewinnt an Trinkfluß. Dafür nimmt das Holz im Duft wieder eine etwas störende Dominanz an.

Was mir an diesem Fontodi Chianti Classico einmal mehr sehr gefällt, ist, dass er nicht dem weichgespülten Zeitgeist folgt, den man bei anderen Chiantis vorfindet, sondern seine sortentypischen Ecken und Kanten offen zur Schau stellt und dabei kompromißlos nicht jedem gefallen will.

Wer Geduld und den entsprechenden Keller mitbringt, wird dafür in ein paar Jahren einen typischen Old-School-Chianti-vom-Feinsten im Glas haben, da bin ich mir sicher.

Wer ihn jetzt trinken möchte, sollte ihn mindestens einen Tag vorher dekantieren.

Persönlich würde ich aber dazu raten ihn für zwei Jahre einzulagern, gefühlt wird er seinen Höhepunkt dann in 4-5 Jahren erreichen.

Die 2006er und 2007er Jahrgänge sind sicher etwas konzentrierter, dafür hat der 2009er, was Transparenz und Trinkfluß angeht, die Nase vorn, und eignet sich besser als Speisenbegleiter.

Trinkfester 2014-2020, biologischer Anbau, 100% Sangiovese

Achtung: Fontodi macht verschiedene Abfüllungen von diesem Wein, die sich manchmal recht stark unterscheiden. Meine hat die L082, die ich bei www.weinpalais.de für 14,60 € die Flasche erstanden habe.

Website mit Info und schönen Landschaftsfotos: www.fontodi.com

 

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Eine Antwort auf Fontodi Chianti Classico 2009

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