12.12.12 – je ein 12jähriger Bordeaux und Barolo

Man muss die Feste feiern wie sie fallen – und da das wohl das letzte richtig runde Datum sein dürfte (und dann auch noch mit der mystischen Zwölf, OMG!), das ich miterleben werde, wollte ich diesen “schicksalshaften Gefahrentag”(BILD) natürlich  angemessen  begehen. Da die BILD-Zeitung auch davor warnt, wichtige Entscheidungen zu fällen, bin ich einfach den Weg des geringsten Widerstandes gegangen und habe mir je eine Flasche Bordeaux und Barolo aus dem Keller gefischt. Man soll das Schicksal ja nicht unnötig herausfordern…

Dank der BILD und meinem umsichtigen Vorgehen blieb ich dann auch von unschönen Korkschmeckern und anderen Unbillen verschont, so dass ich den “Vorboten des Weltuntergangs” (BILD) nonchalant lächelnd und standesgemäß mit den beiden zwölfjährigen Weinen um 12:12 Uhr begrüßen konnte.

Chateau du Tertre 2000

Ein trinkiger Margaux aus 2000 – Chateau du Tertre

Einen schönen, jetzt gut trinkbaren Bordeaux hatte ich mit dem Château du Tertre 2000 (ggg+) im Glas. Profitiert von einigen Stunden Luft, changiert  stark. Immer typisch Margaux in der Nase, floral, Kirsche, Cassis, Johannisbeere, asiatische Gewürzbox, Zeder, Tabak, frisch gebrühter Kaffee, Leder, Graphit, Erde, etwas Meersaum. Am Gaumen schön ausbalanciert, tragende Säure, saftig, dicht und mit einer satten, dunklen Frucht versehen. Tolle mineralische Noten, fast schon salzig, Meersaum, feine, süße Würze, erdig. Im recht langen, leicht schokoladigen Abgang sehr zurückhaltendes, aber immer noch mundfüllendes, adstringierendes Tannin. Ein von seinem hohen Cabernet Franc (19%) Anteil geprägter Margaux, weniger feminin sondern eher ein feiner Médoc, es fehlt ein wenig am letzten Schliff und Struktur für höhere Weihen.

Damilano Barolo Cannubi 2000

Unverkennbar Cannubi – der 2000er Damilano Barolo kann aber noch ein paar Jahre im Keller vertragen

Der Damilano Barolo Cannubi 2000 (ggg-gggg) braucht einige Stunden an der Luft und auch dann merkt man, dass ihm einige Jahre im Keller noch gut getan hätten. In der Nase mit intensiver, warmer Kirschfrucht, aber auch der für Nebbiolo typischen Lakritze, schwarzem Tee, getrockneten Rosenblüten und verbranntem Gummi. Am Gaumen noch immer etwas jugendliche Fülle und Opulenz, mit süßer und dichter Kirschfrucht und etwas Pflaume, die Säure gut ausbalanciert. Samtige Textur, die sich perfekt mit dem feinen, aber immer noch sehr merklichen Tannin zu einem ewig langen Abgang verbindet. Dazu Darjeeling, Lakritze und Teer. Ein großer Wein, der sich in ein paar Jahren in Bestform zeigen dürfte – wenn denn die Welt bis dahin nicht untergegangen ist.

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