Weinrallye #58 Weinwichteln oder Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft: Kallfelz Riesling Merler Adler Kabinett feinherb 2010

FotoFür uns gebürtige Moselaner war ein Riesling aus unserer Heimat grundsätzlich erstmal keine schlechte Geschenkidee.

Scheinbar haben wir uns aber in diesem Jahr, wider eigenes Erwarten, nicht so wirklich gut betragen, dass uns die Weihnachtswichtel gerade diesen Wein unter den Baum gelegt haben.

Der ist in der Summe nämlich von der Art, die wir alle am wenigsten mögen: Von der mittelmässigen.

Da ein mediokerer Wein weder zum Trinken noch zum  Schreiben animiert, möchten wir die Verkostungsnotiz hier deshalb auch kurz halten.

In der Nase süße und diffuse Fruchtaromen, die in der Kombination mit botrytischen Noten ein eher aufdringliches und eindimensionales Duftbild ergeben.

Am Gaumen im Antrunk zwar mit einer gewissen Saftigkeit, aber im weiteren Verlauf dann dumpfen Mundgefühl.

Für einen feinherben Kabinett von der Mosel fehlen hier Transparenz, Trinkfluß und der Erfrischungseffekt. Von Mineral wollen wir gar nicht erst reden.

Zuviel Süße und Extrakt auf der einen Seite, zu wenig Säure und Trinkfluß auf der anderen führen dazu, daß das berühmte Süß-Sauer-Spiel bei diesem feinherben Kabinett einfach nicht stattfindet. Dafür aber unangenehme Bitternoten im Abgang.

Er fällt unter die Rubrik: “Kann man trinken, kann man aber auch sein lassen”.

Dieser Kallfelz´sche Riesling, der vielleicht schon mal bessere Zeiten gesehen hat, wirkt zum jetzigen Zeitpunkt müde und schwerfällig und erinnert uns in seiner breiten Art an Moselrieslinge aus dem Fäulnisjahr 2006.

Der unästhetische Plastikkorken, mit dem er verschlossen ist,  passt da irgendwie ins Bild.

P.S.: Wir entschuldigen uns hiermit bei unseren Schenkern aufrichtig für diesen Verriss und hoffen, daß uns, trotz der ehrlichen Worte über diesen Wein, nächstes Jahr etwas mehr Wichtelglück winkt.

In diesem Sinne: Einen guten Rutsch von Alex und Marco.

P.S. 2: Für die, die es nicht kennen: Die Weinrallye ist ein blogvernetzendes Verkostungsevent, bei dem üblicherweise alle teilnehmenden Blogs einen selbst ausgewählten Wein zu einem vorher gemeinsam bestimmten Thema vorstellen.

Diesmal war die Idee eine besondere: Passend zum Weihnachtsfest wurde “gewichtelt”, d.h. quasi zugelost, je ein Wein, von einem Blog, einem anderern verschenkt. Dieser hat dann darüber etwas geschrieben, so wie wir an dieser Stelle und wiederum einen eigenen Wein weitergeschenkt, über den ein Anderer dann geschrieben hat.

Unser Geschenk findet Ihr hier: www.baccantus.de

Alle teilnehmenden Blogs und Beiträge findet Ihr unter: www.winzerblog.de

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6 Antworten auf Weinrallye #58 Weinwichteln oder Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft: Kallfelz Riesling Merler Adler Kabinett feinherb 2010

  1. Lieber Marco

    Zu Ihrem erklärenden Kommentar. Sehr wohl weiss ich um die Freiheit des Journalisten, aber auch um seine Verantwortung. Vierzig Jahre war ich im Beruf (Fernsehen). Es gibt eine journalistische Ethik und die orientiert sich am populären Begriff „hart aber fair“, zuzufügen wäre noch „sachbezogen“ (früher als „objektiv“ bezeichnet). Ich bin weder ein selbsternannter Schiedsrichter, noch ein Wohlfühljournalist. In Watte verpacken ist überhaupt nicht mein Ding. Doch wenn die Fairness überschritten wird, dann ist dies kein kleiner „Ausrutscher“ mehr, der mit Humor zu nehmen ist und für den man sich gleichzeitig auch gerade noch entschuldigt, sondern eine journalistische Verluderung. Auch wenn die Publikation „nur“ ein Blog ist. Dies hat auch wenig mit „Ehrlichkeit“ zu tun – auf die man sich so gern und rasch beruft – vielmehr mit Benehmen – oder eben Fairness. Es gibt Orte, wo man unter Freunden mehr oder weniger verbindlich „talkt“ und es gibt Orte, wo Journalismus betrieben wird: hart aber fair. Eine „Weinrallye“ ist eher ein Talk, aber – und da liegt ein Problem – auch verdammt öffentlich. Beim „Talk“ (meist unter Freunden oder Bekannten) muss und kann sich kein Betroffener wehren – im Journalismus schon. Da gibt es klare Spielregeln (die zugegeben auch da nicht immer eingehalten werden). Nehmen wir den Fall, ich wäre der „Schenkende“ oder eben der „Austauschende“ gewesen, hätte nach meinem Gusto und nach meinen Wertvorstellungen einen Wein ausgewählt, gekauft, verpackt und versandt, im besten Wissen und Gewissen, weil mir eben der Wein etwas bedeutet, oder weil ich gespannt bin ob er andern auch so gefällt, oder ganz einfach weil ich meinen Weingeschmack testen will, oder… Glauben Sie, ich (und wohl auch Sie) hätten bei Ihrem Posting gelacht? Der Humor wäre uns gründlich vergangen. Man kann es eben nicht überall und immer „krachen lassen“.
    Mit freundlichen Grüssen
    Peter Züllig

  2. marco sagt:

    Lieber Herr Züllig,

    da Sie uns mit Ihrem Kommentar hier öffentlich begegnen, nutzen wir denselben Weg Ihnen zu antworten.

    Um in Ihrem Bild zu bleiben: In einer Freundschaft ist nicht immer eitel Sonnenschein. Manchmal können auch kritische Worte unter Freunden angebracht sein. Das ist auch nichts Schlimmes und persönlich Abwertendes und oft besser, als ausweichendes, runtergekochtes Rumgedruckse. Da wir den Schenker nicht namentlich erwähnen, rücken wir ihn hier auch nicht öffentlich in ein schlechtes Licht. Außerdem entschuldigen wir uns bei Diesem auch explizit für den Verriss. Den haben wir aber nicht um seiner selbst Willen geschrieben, denn am Ende ist ganz klar: Der Wein ist nicht gut. Und wenn dem so ist, dann schreiben wir das auch. Über den Stil unseres Beitrags kann man sagen, was man möchte, aber eine negative Kritik würde auch dann eine bleiben, wenn man sie in Zuckerwatte einpackte.

    Da Sie es bedauern, dass es bei der Weinrallye keine Zensur gibt und unserem Beitrag als selbsternannter Schiedsrichter die “Rote Karte” zeigen, treibt uns neben der Frage nach der zu erwartenden Sperre (von möglicherweise mehreren Spielen), auch der Gedanke um, wie Sie es eigentlich mit der Freiheit des journalistischen Schreibens halten. Hätten wir den Wein Ihrer Meinung nach “gesund” schreiben sollen, nur um innerhalb der Konvention des dankbaren Beschenkten zu bleiben, auch wenn uns der Wein nicht gefällt? Wenn Ehrlichkeit an dieser Stelle unanständig ist, dann sei dem so.
    In diesem Zusammenhang möchte ich noch erwähnen, dass das Wichteln, wie wir es unter den Blogs während dieser Weinrallye betrieben haben, ja auch eher dem Bild eines Tauschbasars entspricht und weniger ein freimütiges Schenken der Beteiligten ist.
    Außerdem: Von unserem kleinen Verriss geht doch nicht die Welt unter. Wäre uns das mit unserem “Geschenk” passiert, würden wir es sportlich sehen und eher den verschenkten Wein hinterfragen, denn persönlich beleidigt zu sein. Wir hoffen, daß unser Schenker es ebenso nimmt.

    In diesem Sinne einen guten Rutsch wünschen

    Alex und Marco

  3. Die rote Karte!
    Leider gibt es im vergnüglichen Weinrallye keine Schiedsrichter, die das Spiel überwachen. Eigenverantwortung ist da gefragt. Und diese fehlt bei diesem Beitrag vollständig. Ich würde dem verantwortlichen Blog die rote Karte geben. Das Motto war: „Geschenke erhalten die Freundschaft“ – und genau dies macht diese hochnäsige Beitrag nicht. Er evoziert das Gegenteil. Kurzum: für mich ist dieses Posting arrogant, lieblos, ungebührlich – schlicht daneben. Ein Affront gegenüber dem Schenkenden, als auch – in dieser Kürze, in diesem Zusammenhang – gegenüber dem Wein und dem Weingut. Wohlverstanden: ich kenne den Wein und das Weingut nicht, ich weiss auch nicht, wer der Schenkende war, habe also nichts damit zu tun. Das Urteil mag richtig oder falsch sein, schnoddrig ist es auf jeden Fall. Irgend wann habe ich gelernt, dass Anstand eine Grundlage des Zusammenseins im Leben – als auch im grossen Netz – sein sollte, ja sein muss. Dies hat nichts mit ehrlich und unehrlich zu tun, vielmehr mit dem Verhalten gegenüber Schenkenden. Deshalb die rote Karte!
    Peter Züllig (sammlerfreak)

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  5. Durst sagt:

    Hart aber herzlich…

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