Traditionelle Weihnachtsprobe 2012: Südfrankreich, Südafrika und kleine Bordeaux

Weihnachten 2012

Dieses Weihnachten ein eher bescheidenes Programm

Nachdem wir es letztes Jahr in der traditionellen Weihnachtsprobe mit einer Best Bottle ordentlich haben krachen lassen, ging es diesmal ruhiger zur Sache. Zum einen war Marco immer noch etwas kränklich, zum anderen stand am nächsten Tag eine große Pinot-Probe an. Da haben wir im ganz kleinen Rahmen die Gelegenheit genutzt, ein paar Weine aus dem Keller zu zaubern, die bei uns sonst weniger im Spotlight stehen – und zwar vom fruchtigen, üppigen Typ. Die eher schlanken Bordeaux bildeten dazu einen schönen Kontrast. Wir haben die Weine offen und mit angemessener vorheriger Belüftung verkostet.

Die Castelmaure Grande Cuvee 2007 (gg+, jetzt – 2016) zeigt sich nach ein paar Jahren Lagerzeit gut gereift und voll auf dem Punkt. Dichte Beerennoten, Cassis, Brombeere, Blaubeere, Schwarzkirsche. Mineralische Würze vom Schieferterroir. Am Gaumen gut sortiert mit erfrischender Säure und gerade noch merklichem Tanningerüst, reifer, extraktreicher Frucht und bei aller Fülle doch auch schlankem Mundgefühl. Ein schöner Wert, der ein wenig Geduld im Keller immer belohnt.

Adi Badenhorst ist ein im besten Sinne exzentrischer, hier noch relativ unbekannter Winzer, der in seinem Heimatland Südafrika aber bereits hoch angesehen ist. Die Rebanlagen auf seinem Gut in Swartland (Coastal Region) sind relativ alt, und Badenhorst ist ein Mann, der auch mal ausgetretene Pfade verlässt. Der A.A. Badenhorst Family Wines Red 2006 (ggg, austrinken) aus überwiegend Syrah mit etwas Mourvedre und Cinsault ist eine typisch französische Cuvée und ein erstaunlicher Wein für Südafrika. Erinnert, gerade mit wenig Belüftung, an nördliche Rhône. Mit zunehmender Zeit wird er dann südlicher und fruchtiger. Kein Finessewein, sondern ein handfester, vollmundiger Stoff mit Eigenart. Oliventapenade, Cassis, Kirsche, rote Beeren, mineralische Würze, etwas Pfeffer. Stämmiges Tannin, das den Wein zusammenhält.  Entwickelt sich schnell im Glas und war am zweiten Tag schon deutlich oxidiert.

Der Copa Santa 2004 der Domaine Clavel (ggg-, jetzt – 2015) zeigte sich als ernst zu nehmender Teroirwein aus dem Süden. Die Rebanlagen für den Wein stehen ausschließlich im Teilbereich La Mejanelle der Coteaux de Languedoc, östlich von Montpellier und direkt am Meer bzw. den vorgelagerten Étangs. Der 2004er Jahrgang ist jetzt gut gereift und mit weiterem Potenzial für ein paar Jährchen mehr ausgestattet. In der Nase mit Liebstöckel, Basilikum, balsamischen Noten, insgesamt sehr würzig. Vollmundiger gut strukturierter und präziser Gaumen. Extraktsüßer Fruchtkern, Kirsche, Himbeere, griffiges Tannin. Insgesamt sehr fein und im positiven Sinne zurückhaltend für einen Languedoc.

Der Domaine de la Rectorie Collioure Côte Mer 2004 (– , dringend austrinken) war in der Nase bereits arg gezehrt. Am Gaumen noch recht saftig und lebendig, es fehlt aber Struktur und Zusammenhalt der Aromen und Komponeten. Ein ordentlicher Wein, der noch als typische grenachebetonte Cuvée zu erkennen war, den wir aber wahrscheinlich ein paar Jahre früher hätten trinken sollen.

Zum Vergleich gab es noch eine Flasche Cuvée No. 3 2010 von Castelmaure (ggg+, jetzt – 2017) dazu. Der Wein überzeugte wieder durch seine enorme Konzentration und Dichte und die interessante Schiefernote. Zwar alles sehr eindeutig, aber das in Perfektion. Die ausführlichen Verkostungsnotizen findet ihr hier.

Nach diesen ganzen ausladenen Weinen sollte es auch noch etwas Ausgewogeneres zum Spülen geben. Da haben sich diese beiden kleinen Bordeaux natürlich angeboten:

Der Larose-Trintaudon Haut-Medoc 2009 (gg-, jetzt – 2016) ist ein ordentlicher, jahrgangstypisch recht dicker Wein. Das mit 215 Hektar unter Reben größte Weingut im Medoc, das übrigens dem Allianz-Konzern gehört, macht eine klassische Cuvée aus 60% Cabernet Sauvignon und 40% Merlot. Alles in allem ein typischer Bordeaux, nix Grosses, aber im guten Jahr 2009 mit ordentlich Substanz. Cassis, Paprika, süße, reife Kirsche, recht dezentes, vanilliges Holz. Am Gaumen saftig, mit erfrischendem Säurenerv, ausgewogen und sehr zugänglich. Ein Wein für hier und jetzt, der sicher nicht Ewigkeiten im Keller liegen sollte. Typischer 2009er Schmelz. Leckeres, eindeutiges Trinkvergnügen, bei dem man sich bei einem Preis für unter 10 Euro (in Luxemburg) nicht beschweren darf.

Der La Porte Cadène Grand Cru 2005 der Union des Producteurs de Saint-Émilion (gg+, jetzt bis 2015) ist ein rustikaler, klassischer St.Emilion der Winzergenossenschaft vor Ort. Merlot und Cabernet Franc geben den Ton an. Reife, dunkle Kirsche, fleischige Textur, am Gaumen füllig, reif und spülend zugleich. Im Abgang mit feinem Schmelz und gutem Tannin, leicht schokoladig . Voll auf dem Punkt. Schade, dass er nicht in jedem Jahr so gut und auch in Deutschland nicht erhältlich ist.

Zum Abschluß gab es als Reparaturwein noch ein paar Schlucke Château Lafaurie-Peyraguey 2001 (gggg, 2016-2030), einem Premier Cru Sauternes aus dem wohl größten Jahrgang der letzten 20 Jahre. Ein opulenter, stetig changierender Korb an Aromen in der Nase, am Gaumen herrliche Viskosität, gute Harmonie zwischen Süße und Säure, tolle Bittermandelnoten im Abgang. Kann man heute schon trinken, wird aber über die nächsten Jahre noch besser werden.

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