Große Burgunderprobe bei Stefan Steinmetz in Brauneberg

Ñ Ende des Jahres hatten Stefan Steinmetz vom Weingut Günther Steinmetz und Gernot Kollmann von Immich-Batterieberg eine illustre Runde aus befreundeten Winzerkollegen und anderen Überzeugungstätern in Sachen Wein nach Brauneberg zur Probe geladen.

Thema waren junge Pinots und Spätburgunder aus Deutschland und Frankreich mit Schwerpunkt  bei den Jahrgängen 2009 und 2010. Der Abend war von der an der Mosel typischen herzlichen Gastfreundschaft geprägt, es wurde viel diskutiert, gelacht und natürlich mindestens genauso viel getrunken. Die Probe selbst war interessant zusammengestellt und zeigte uns vor allem mal wieder eines: Wein ist ein verdammt lebendiges Biest! Gerade junge Weine sind in Bewegung, changieren zum Teil stark. Eine Verkostung kann deshalb immer nur eine Momentaufnahme sein und wird nie zu endgültigen Ergebnissen über die Qualität von einzelnen Weinen führen. Gerade in der wiederholten Probe zeigen sich aber zumindest starke Tendenzen, was in einzelnen Weinen steckt.

Zur Einstimmung gab es erst mal einige Fassproben von den aktuellen 2012er Steinmetz-Rieslingen ins Glas. Die Weine wirkten alle reif und charaktervoll. In Frühform der Riesling von der neu hinzugekommenen Parzelle im Piesporter Goldtröpfchen 2012 (ggg), der mit ausgeprägter mineralischer Struktur und feinem Schmelz punktete. Auch die “Alten Reben” 2012 aus dem Veldenzer Grafschafter Sonnenberg (ggg)  versprechen wieder grosses, spontanvergorenes Rieslingkino. Mehr wird man erst nach der Füllung der Weine sagen können, man darf aber durchaus hohe Erwartungen an die 2012er Kollektion des Hauses hegen.

braunebergtasting002Ungleich umfangreicher war da das Assortissment an Pinot Noirs und Spätburgundern der eigentlichen Probe, die darauf folgten. Mit Tischwein haben wir 27 Weine gezählt. Es wurde blind verkostet, meist in Dreier-, vereinzelt auch Zweier-Flights und am Ende jedes Flights wurde dann aufgedeckt. Das war für ein paar Stunden schon eine recht ordentliche Schlagzahl, weshalb wir uns hier auf unsere Gesamteindrücke und die Höhen, Tiefen und Untiefen der Probe beschränken.

Was uns grundsätzlich auffiel: Der Jahrgang 2010 hat rote Burgunder aus Deutschland und Frankreich hervorgebracht, die richtig gut sind und sicher einen spannenden Reifeverlauf nehmen können. Auch wenn 2010 nicht ganz auf dem Niveau von 2005 sein mag, haben die Weine alles, was man bei einem Pinot sehen will: Struktur, Finesse, Klarheit, Präzision und Tiefe. Die Weine aus dem hoch gelobten Jahrgang 2009 sind im Vergleich zwar reifer und dichter, lassen aber in ihrer Fülle und Wärme weniger Raum für die ganz feinen Zwischentöne. Mit ein paar Jahren Flaschenreife werden wir schlauer sein, welches der bessere Jahrgang ist. Letztendlich ist es auch eine Geschmacksfrage.

Deshalb jetzt zu den Weinen, die aus unserer Sicht, aus den bis auf wirklich wenige Ausnahmen guten Spätburgunder, herausgestochen sind:

Von den angestellten 2010ern gefielen uns  der Domaine Bruno Clair Marsannay 2010 (gg-ggg) besonders. Typisch burgundische Nase: Cassis, Rote Beeren, mit schöner Würze und ätherischem Holz. Am Gaumen saftig und mineralisch mit klarer Frucht und gutem Rückgrat.

Ebenfalls vorne mit dabei der Kestener Herrenberg 2010 (ggg-) vom Gastgeberweingut Günther Steinmetz. Diesmal in der Nase eher verhalten, trinkt er sich aber genauso gut, wie in unserer Verkostung vor ein paar Wochen: Hat ordentlich erfrischende Säure, gutes Tannin und feinsaftige, kühle Frucht. Das würden wir zum Einlagern immer noch wärmstens empfehlen.

Interessant auch der Malterdinger Spätburgunder 2010 (gg-ggg) von Spätburgunderkoryphäe Bernhard Huber aus Baden. Sehr duftig und offen, mit komplexer Frucht und dezenten Röstaromen vom Holz. Am Gaumen präzise, mineralisch-würzig, leicht schokoladig im Abgang. Recht leicht im Körper, aber mit Tiefe und Struktur. Ein Wein zum Jetzt-Trinken, der richtig Spaß macht.

Für geteiltes Echo am Tisch, frei nach dem nicht ganz ernst gemeinten Motto “Warum dann nicht gleich Bordeaux”, sorgte der Immich-Batterieberg Monteneubel 2010 (gg-ggg). Klar, da ist diese wilde und würzige Cassis- und Brombeer-Orgie gepaart mit ausgeprägten vegetabilen Noten in der Nase, die für einen Spätburgunder ziemlich untypisch ist. Aber nimmt man ihn einfach wie er ist, ist das ein vielschichtiger und animierender Wein mit spannender Zukunft, der durch seine Wildheit und Leichtigkeit  überzeugt.

Eine schöne Überleitung, denn gerade in Punkto Leichtigkeit und Finesse, konnten die meisten 2009er nicht mithalten. Sie haben zwar mehr Frucht, mehr Extrakt und mehr Volumen, präsentierten sich gerade deshalb aber auch etwas uniformer. Sie verfügen über weniger Spannkraft, als die 2010er. Die Weine sind satt und recht zugänglich und dürften auch Weintrinkern gefallen, denen Pinots sonst zu anstrengend sind. Sicher ein sehr guter Jahrgang, aber vielleicht kein ganz großer – in Deutschland wie im Burgund. So haben wir die meisten 2009er dann auch mit roundabout gg gewertet. Das waren unsere Highlights und Überraschungen des Jahrgangs:

Noch relativ verschlossen, aber mit vielversprechenden Anlagen, zeigten sich die Pinot Noirs Ölberg 2009 (gg-ggg) und Köpfle 2009 (gg-ggg) von Henrik Möbitz. Beide Weine sehr fein und duftig, burgundisch in ihrer Art, im Antrunk auffallend frisch und schlank, saftig und mit feinem Schmelz. Da kommt sicher noch mehr.

Mit hohem Wiedererkennungswert der Kestener Herrenberg 2009 (gg-ggg) und Graacher Himmelreich 2009 (gg-ggg) von Günther Steinmetz. Individuelle Stilistik, beide fruchtbetont und extraktreich, weniger mineralisch als die 2010er. Trotzdem, gerade im Vergleich mit den Franzosen, auf der schlankeren Seite.

Kalt erwischt, uns eingeschlossen, hat die meisten am Tisch der Schubert Marion’s Vineyard Pinot Noir 2009 (g+) aus Neuseeland. Der wirkte wie ein typisch deutscher Spätburgunder – satt und dicht, kirschig, süße Beeren, wahrscheinlich restsüß, etwas unpräzise und mit spürbarem Alkohol. Haben wir also alle völlig daneben gelegen? Nicht ganz: Der Wein kommt zwar vom anderen Ende der Welt, die beiden Winzer sind aber waschechte Geisenheimer.

Etwas besser als die meisten anderen “kleineren” Weine gefiel uns der  Domaine Charles Audoin Marsannay 2009 (gg+). Leicht, animalisch, mit einer interessanten Melange aus süßer Würze und kühler Waldbeeren-Frucht.

Kontrovers gesehen in der Runde wurde der Markus Molitor Brauneberger Klostergarten** 2009 (ggg+).  Zeigte sich an diesen Abend schon offener als bei unserer Mosel- Spätburgunder-Probe vor zwei Monaten und dabei recht harmonisch. Der röstige und intensive Holzeinsatz, den er unstrittig hat, war vielen aber einfach too much und zu weit vom burgundischen Ideal entfernt. Trotzdem: Das ist ein hochwertiger, dichter Stoff, der vielen Weintrinkern großes Vergnügen bereiten dürfte; uns eingeschlossen.

Eine herbe Enttäuschung, ganz besonders für uns, die wir den Wein schon einmal hoch gelobt haben, war hingegen der Markus Molitor Trarbacher Schlossberg** 2009 (ohne Bewertung). Aus dieser Flasche, die direkt vom Weingut stammte, an diesem Abend gänzlich unharmonisch. Hier passte nichts  zusammen. Besonders störend war eine spürbare, zitronige Säure, die den Wein komplett zerlegte. Hatte so nichts mit dem Wein zu tun, den wir auf der letzten Probe im Glas hatten. Ein irritierendes Erlebnis.

cortonlesgreves2009Kommen wir nun zum Besten. Unbestritten der Wein des Abends war der Domaine des Croix Corton  Les Grèves Grand Gru 2009 (gggg-). Ein klassischer Burgunder mit jahrgangstypischer Dichte. In der Nase Cassis, Kirsche, Wald- und Blaubeeren, ganz zurückhaltender Holzausbau mit leichter Röstung. Am Gaumen satt und reif, mit ordentlich Extraktsüße. Vielschichtig und mit guter Struktur, zurückhaltende Pinot-Würze, mineralisch, fleischig, mit feinstem Tannin. Langer, dezent schokoladiger Abgang. Jetzt noch relativ kompakt, dürfte in ein paar Jährchen richtig grossen Genuß bereiten. Ein idealtyischer, grosser Burgunder, der aber auch seinen Preis hat.

Noch auf dem Weg befand sich unser kleines Mitbringsel, der A.-F. Gros Pommard 1er Cru Les Pèzerolles 2005 (ggg+). Auch jahrgangsbedingt ein ganz anderer Typ als der Corton. Festere Struktur, dicht, trotzdem elegant und transparent. Noch merkliches Tannin. Deutlich zugänglicher als noch vor zwei Jahren, braucht aber noch ein paar Jährchen im Keller. Da wir davon noch einige Flaschen ebendort haben, werden wir die Entwicklung über die nächsten Jahre intensiv verfolgen.

Das waren unsere Eindrücke vom offiziellen Programm. Danach gab es noch ein paar  leckere Rieslinge zum Reparieren, wobei der Effekt dieser sich dann doch als eher gegenteilig herausstellte. Damit uns keiner rauskehren konnte, haben wir uns deshalb wohlweislich mit den letzten Gästen verabschiedet.

Zum Schluß nochmals vielen Dank an Stefan Steinmetz und Gernot Kollmann für ihre Gastfreundschaft und die schönen Weine. Wir haben den Abend sehr genossen.

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